Integrationsplan

Flüchtlinge müssen mit Nachdruck in Berufswelt integriert werden

Ein-Euro-Jobs reichen nicht aus: Daniela Krein. Archivfoto: R. Keusch
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Ein-Euro-Jobs reichen nicht aus: Daniela Krein.

Landtagsabgeordneter Sven Wolf diskutierte im Lindenhof über Integrationsplan der SPD. Ein-Euro-Jobs reichen nicht aus, lautete ein Kritikpunkt.

Von Andreas Weber

„Vom Flüchtling zum Nachbarn“. So sieht es der Integrationsplan der SPD vor, der im Landtag bald verabschiedet werden soll. Der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf hatte Dienstagabend in den Neuen Lindenhof am Honsberg eingeladen, um, unterstützt von seinen Fraktionskollegen Hans-Willi Körfges und Helene Hammelrath über dessen Umsetzung zu sprechen. Vor 30 Interessierten diskutierten die Politiker mit den Fachleuten Yurdakul Kaya und Erden Ankay-Nachtwein (beide Integrationsrat der Stadt), Andrea Staudt (AWo-Familienbildungswerk) und Daniela Krein (BAF).

Sven Wolf riss als Eckpfeiler die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge an, die Remscheid als eine der ersten Städte einführte, den Ausbau der frühkindlichen Bildung, die kommunalen Integrationszentren und eine SPD-Offensive, die dem Markt 120 000 neue Wohnungen im sozialen Wohnungsbau bescheren soll, unter anderem für Flüchtlinge.

Wolf kritisierte, dass längst nicht jeder Flüchtling einen Integrationskurs besuchen könne. Iraner, Iraki und Syrer erhalten die Möglichkeit, weil ihnen eine hohe Bleiberechtsperspektive attestiert wird, aber warum zum Beispiel Afghanen ausgeklammert sind, erschließt sich ihm nicht. Überhaupt, da waren sich die Anwesenden einig, dürfe der leidige Begriff des „sicheren Herkunftsstaates“ nicht Einfluss auf die Hilfe haben.

Traumatherapie ist nur in der Muttersprache möglich

Ein „heißes Thema“, erklärte Daniela Krein, sei die Traumatisierung der Flüchtlinge. „Traumatherapie ist nur in der Muttersprache möglich, aber daran hapert es.“ Ohnehin hätten Traumatherapeuten heute monatelange Wartezeiten. Krein stellte ihre Wichtigkeit fest: „Viele kommen aus dem Loch nicht raus, verfallen in Depressionen und zerbrechen.“

Die BAF-Geschäftsführerin betonte, wie wichtig es es, die Neuankömmlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Eine Vielzahl ist 20 bis 35 Jahre alt, männlich, in der Blüte des Lebens. Die stecken voller Energie, aber wir bremsen sie aus.“ Ein-Euro-Jobs reichten nicht aus. Hans-Willi Körfges bestätigte: „Die kurzfristige Aufnahme von beruflicher Tätigkeit ist der Schlüssel.“ Moniert wurde die quälende Länge der Flüchtlingsverfahren. „Es vergehen Monate bis zum Interview und die Bearbeitung dauert noch mal über ein Jahr. In die Verfahren muss Tempo reinkommen“, forderte Körfges.

Auch die Rolle der Ehrenamtler wurde angesprochen. Andrea Staudt wies auf die vielen pensionierten Lehrer hin, die sich in den Dienst der Sache stellen und „radikalisieren“, weil sie aus ihrem Unterrichts-Alltag nicht verstehen, warum die Flüchtlinge nicht besser gefördert werden. Körfges regte an, angesichts der fürchterlichen Schicksale, mit denen die Ehrenamtler konfrontiert werden, dass es für sie eine Supervision geben müsse.

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