Erfolgsgeschichte

Flüchtling fasst als Fachkraft Fuß

Festanstellung bei Elora: Youssef Chawa (3.v.l.) mit (v.l.) Marion Möckel, Burkhard Mast-Weisz, Martin Klebe, Andreas Rauch, Martina Wildförster.    Foto: Doro Siewert
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Festanstellung bei Elora: Youssef Chawa (3.v.l.) mit (v.l.) Marion Möckel, Burkhard Mast-Weisz, Martin Klebe, Andreas Rauch, Martina Wildförster.
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Ein Syrer als Vorbild: Youssef Chawa erhält nach Umschulung eine unbefristete Anstellung bei der Firma Elora.

Von Andreas Weber

Aus einem anderen Kulturkreis auf abenteuerlichen Wegen nach Remscheid, ohne Familie und einer belastenden Fluchtodyssee im Hinterkopf, der deutschen Sprache nicht mächtig, aber mit unbändiger Motivation, Fuß zu fassen. So kam Youssef Chawa Anfang 2016 in eine Notunterkunft in Hölterfeld. In rekordverdächtigen 18 Monaten hat der syrische Flüchtling seine Umschulung zur Fachkraft für Metalltechnik in der Lüttringhauser Werkzeugfabrik Elora mit überdurchschnittlichen Abschlussnoten geschafft und eine unbefristete Festanstellung erhalten.

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„Dies ist ein sehr gutes Beispiel, wie Integration gelingen kann, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen“, stellte Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, am Montag bei einer Pressekonferenz im Elora-Werk Am Blaffertsberg fest. Und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz betonte: „Diese Geschichte macht Mut, denn: Geflüchtete sind kein Problem, sondern ein Gewinn für unsere Stadtgesellschaft.“ Für Klebe liefert Youssef Chawa auch den Beleg, wie Firmen dem Fachkräftemangel begegnen können.

70 Mitarbeiter zählt Elora, das 1924 am Bökerweg gegründet wurde und heute in dritter Generation von Diplom-Ingenieur Andreas Rauch geführt wird. Mit hochwertigen Werkzeugen, die Absatz in der ganzen Welt finden, machte sich Elora in den vergangenen 95 Jahren einen Namen. Rauch stellte sich nicht quer, als Youssef Chawa im September 2017 nach einem dreiwöchigen Praktikum seine Ausbildung beginnen wollte. „Für uns ist Multikulti normal. Das begann mit den Gastarbeitern in den 60 Jahren.“ Firmentreue sei ein Merkmal, das Elora präge, sagt Rauch. „25 Jahre Zugehörigkeit ist bei uns Standard.“ Rauch findet, man müsse „allen Menschen eine Chance geben“.

Chawas Schicksal bestätigt ihn: „Er ist ein festes Mitglied unserer Belegschaft geworden.“ Der Schmuckmacher aus Aleppo kam über die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in die Türkei, danach ging´s mit dem Boot nach Griechenland. Von dort über Mazedonien, Serbien, Slowenien, Österreich nach Deutschland. 14 Tage dauerte die Flucht. Seine Familie, zwei kleine Töchter, Ehefrau und Bruder ließ er zwangsweise zurück in den VAE. Youssef Chawa hatte zwar Hoffnungen, aber keine Vorstellungen, was ihn in Deutschland erwarten würde. „Ich bin für alles dankbar“, meint er überwältigt von der Unterstützung, die er erfuhr. Angefangen von der Hilfsorganisation BAF, dem BZI, der Arbeitsagentur bis zu seinem Arbeitgeber.

Personalmanagerin begeistert: „Mit ihm kann man Berge versetzen“

Eine Ehrenamtlerin des BAF, die Chawa bis heute unterstützt, brachte den Stein ins Rollen, nachdem er von Hölterfeld nach Dortmund verlegt worden war. Bei einem Bürgerdialog sprach sie OB Mast-Weisz an, dessen Verwaltung sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für die Rückkehr Chawas stark machte.

ELORA HILFT WEITER

WERKZEUGFABRIK „Arbeitgeber müssen mehr tun, um eigene Mitarbeiter als Fachkräfte auszubilden“, fordert Elora-Chef Andreas Rauch. Youssef Chawa war freilich eine besondere Erfahrung, von der Personalmanagerin Marion Möckel sagt, dass sie ihre positiven Erfahrungen gerne weitergebe: Tel. 5 62 70.

Mit seinem Anliegen, eigenes Geld zu verdienen, landete Chawa bei Elora. Marion Möckel, für das Personalmanagement zuständig, erkannte bei den ersten Gesprächen mit dem Syrer: „Mit dem kann man Berge versetzen.“ Auch Firmenchef Andreas Rauch lobt den Einsatz über den grünen Klee: „Er ist motiviert wie kaum ein Zweiter.“ Martina Wildförster, Qualifizierungsberaterin der Arbeitsagentur, klopfte die Perspektiven ab. Schließlich gab es grünes Licht für eine Förderung mit Umschulung bei vollem Lohnausgleich, die dem Syrer heute einen sicheren Arbeitsplatz im CNC-Bereich bei Elora beschert. Fortbildungen sind möglich. Chawas größter Wunsch freilich ist momentan ein anderer: seine Familie nachzuholen. Der Antrag läuft. 

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