Konzert

Finale reißt das Publikum von den Sitzen

Solist Joseph Moog und die Bergischen Symphoniker begeisterten im Teo Otto Theater

Von Daniel Diekhans

Remscheid. Pianist, Komponist, Festivalleiter - Joseph Moog hat sich auf vielen Gebieten hervorgetan. Der wahre Meister aber ist er an den Tasten. Mit Mitte 20 wurde Moog als Nachwuchskünstler und Solist des Jahres ausgezeichnet, und er überzeugt ebenso mit Klassikern wie selten gespielten Werken.

Von daher war er der Richtige, um mit den Bergischen Symphonikern das 3. Klavierkonzert von Sergei Prokofjew zu spielen. Mit seinen Ecken und Kanten wird das 1921 uraufgeführte Werk dem Ruf des Komponisten als „Enfant terrible“ der russischen Moderne gerecht. Diese Herausforderung kam dem Interpreten gerade recht und ließ die 300 Gäste staunen. Dabei legten die Symphoniker - allen voran Klarinette und Streicher - einen elegant-lyrischen Auftakt hin. Es war Moog, der den Kopfsatz mit rhythmischer Vitalität auflud und das Orchester anfeuerte - mal mit hämmernden Akkorden, dann wieder mit brillantem Über-Kreuz-Spiel. Gemeinsam wurden feine Klanggespinste gewoben.

Noch stärker prägte sein Spielwitz den Mittelteil. Nachdem das Orchester das Thema vorgestellt hatte, wechselte der Pianist in den Variationen von Trillern und Arpeggien zu Synkopen, die der Musik eine jazzige Würze verliehen und wie ein Anklang an Prokofjews Jahre in Amerika erschienen.

Im letzten Satz war der Klavierpart wieder eng mit den Orchesterstimmen verknüpft, was Moog zu waghalsigen Läufen animierte. Frenetisch war der Applaus - und um die „Nerven“ seiner Zuhörer zu beruhigen, so der Solist, spielte er ein verträumtes Nocturne von Chopin.

Während Prokofjew lange im Westen lebte, blieb Dmitri Schostakowitsch in Russland. Was nicht zuletzt an der Verfolgung durch das Stalin-Regime lag. Schostakowitschs 10. Symphonie entstand 1953 wenige Monate nach dem Tod des Diktators und lässt sich als Abrechnung mit dem Stalinismus lesen. Besonders der 2. Satz wirkt wie die Parodie eines Triumphmarsches.

Nicht weniger Sorgfalt verwendeten GMD Huppert und sein Orchester auf die übrigen, „bekenntnishaften“ Partien des Werks. Mit dem Unisono von Celli und Kontrabässen begann es als Klagegesang. Stets im mittleren Tempo verharrend, fächerte sich das Tutti kammermusikalisch auf. Solistisch meldeten sich die Holzbläser zu Wort - mit immer intensiveren, „sengenden“ Tönen. Beim Marsch des 2. Satzes gestalteten die Blechbläser den markanten Rhythmus. Von der karikierten Militärparade setzte sich das Folgende effektvoll ab. Im Finale brachten die Symphoniker das Erkennungsmotiv in einen Tanzreigen ein. Dieses Finale riss das Publikum von den Sitzen und nach der Symphonie füllten nun Bravo-Rufe den Saal.

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