Ukraine-Krieg hat Folgen bis ins Bergische Land

Das sagen Bäcker und Einzelhändler in Remscheid zu fehlenden Rohstoffen

Produktionsleiter Oliver Platt (l.) und Geschäftsführerkollege Thomas Bischzur brauchen für ihr Evertzberg-Brot Speiseöl. Das wird knapp. Foto: Roland Keusch
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Produktionsleiter Oliver Platt (l.) und Geschäftsführerkollege Thomas Bischzur brauchen für ihr Evertzberg-Brot Speiseöl. Das wird knapp.

Leere Regale und 35 Cent mehr pro Kilo Brot erwarten die Remscheider. Die weltweiten Folgen sind aber weitaus gravierender.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Wenn er an die weltweiten Probleme denkt, die fehlende oder deutlich teurere Rohstoffe in Folge des russischen Kriegs in der Ukraine verursachen, dann findet Oliver Platt die Auswirkungen auf Remscheid freilich marginal. „Wir werden nicht verhungern“, stellt der Geschäftsführer von Evertzberg klar. „Ganz schlimm wird aber, was in den nächsten zwei, drei Wochen mit Blick auf Nordafrika auf uns zukommt. Weizen ist dort Grundnahrungsmittel.“ Eine Verdopplung des Getreidepreises könne dort zu einer humanitären Katastrophe führen, befürchtet er.

Insofern seien die Probleme, die er bei der Beschaffung von Speiseöl und Mehl habe, marginal. Klar sei aber auch: Wer in Deutschland auf jeden Euro achten müsse, für den wirke sich die Rohstoffkrise ganz spürbar aus. Der Evertzberg-Produktionsleiter rechnet vor: „Der Preis von Speiseöl wird sich im Laufe der Woche noch vervierfachen. Wir kommen von etwa 80 Cent pro Liter im April 2021, jetzt stehen wir bei weit über 3 Euro.“ Die Auswirkung an der Bäckereikasse: Drei Cent mehr pro Brötchen, 35 Cent mehr pro Kilogramm Brot. „Das sind nur eins zu eins die Rohstoffanteile, Energie ist da nicht mal drin.“
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Die Lage auf dem Markt sei besorgniserregend. Für Mai sei im Zwischenhandel derzeit kein Speiseöl bestellbar, und was man aktuell anfrage, komme zum hohen Preis und in geringeren Mengen als üblich.

Die Bäckerei nutzt Rapsöl. Zwar ist es Sonnenblumenöl, das zu weiten Teilen aus Russland und der Ukraine kommt – da das aber fehlt, verlagere sich die Nachfrage auf dem Markt zu anderen Ölen. Das wird sich nicht ändern: Die Lieferketten sind nachhaltig gestört, Infrastruktur ist zerstört, weiß Platt: „Aus den ukrainischen Häfen geht derzeit natürlich nichts raus.“ Deswegen spüre der Verbraucher das Abbrechen der Lieferketten diesmal auch abrupt: Der Markt ist ohne Puffer leergefegt.

Besserung sei nicht in Sicht: „In drei Wochen müsste die Aussaat für den Sommerweizen erfolgen.“ Das sei momentan aber in der Ukraine nicht vorstellbar: Entweder gebe es für die Traktoren kein Diesel – oder die Menschen seien im Krieg. Insgesamt habe sich der Getreidepreis mehr als verdoppelt, der Mehlpreis verdoppelt. All das werde sich nicht kurzfristig entspannen. Generell müsse das Reduzieren von Lebensmittelverschwendung ein Ziel sein: In und nach der Krise, sagt Platt.

In den Supermärkten leeren sich manche Regale

In die erste Corona-Phase fühlen sich derweil die Supermarkt-Betreiber zurückversetzt. Immer häufiger kommt es wieder zu leeren Regalen. Allen voran bei Pflanzenölen und Mehl. Bei Guido Rötzel, der in Lennep und Hasten Edeka-Märkte, betreibt, ist der Frust groß: Nach Corona schon wieder das Thema Lebensmittelknappheit. Das Problem: „Es kommt bei diesen Produkten aktuell auch nichts nach.“

Apropos zurückversetzt: Auch Klopapier und Haushaltsrollen werden wieder vermehrt gekauft. „Hier droht aber kein Engpass.“ Aus Erfahrung weiß er: Die Leute kaufen hiervon als Reaktion auf andere, geleerte Regale mehr.

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