Fantasievolle Open-Air-Galerie soll Honsberg weiter beleben

Drei Streetart-Beispiele in Honsberg: der große Frauenkopf. . .
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Drei Streetart-Beispiele in Honsberg: der große Frauenkopf. . .

Kunstinitiative Ins Blaue will die Arbeiten 2021 fortsetzen – Bewohner im Stadtteil werden dann mit einbezogen

Von Peter Klohs

Alt-Remscheid Bei einem Gang durch den Stadtteil Honsberg fallen die großen, fantasievollen und farbigen Hausbemalungen auf, für die das Wort „Graffiti“ nicht passend scheint. Der Begriff „Street-art“, also Straßenkunst, dürfte für die zum Teil zehn Meter hohen Gemälde treffender sein. An der Honsberger Straße, der Siemensstraße, der Stahl-, der Halske- und der Vulkanstraße sieht der Spaziergänger bei jedem Dreh, bei jedem Abbiegen neue Farben und Formen, zumeist auf den Abschlussseiten der Gebäude.

Hier ein Fantasiewesen mit Reißzähnen, von Wolken in einem pinken Farbton begleitet, dort ein gigantischer, mehrere Meter großer Frauenkopf, dessen Augen in ein Fenster blicken, ein paar Meter weiter der freche Kater Garfield, bewaffnet mit einem Ghettoblaster, Hütten auf einem Baumstamm, ein Bär in urbaner Umgebung mit Straßenbahn – und Malerrolle. Micky Maus ist ebenso präsent wie die riesige Flasche, deren Etikett als Inhalt „Nachbarschaftselixier“ verspricht. Und viel Farbe in beinahe gestaltlosen Klecksen, bunt vermischt und verlaufen.

„Die meisten dieser Kunstwerke sind während unseres Streets-Festivals 2016 entstanden“, weiß Marko Leckzut, Graffiti-Künstler von Ins Blaue, der Kunstinitiative im Stadtteil. „Manche auch in der Zeit davor. Diese farbigen Gemälde sind unsere Open-Air-Galerie. Insgesamt waren damals hundert Menschen beteiligt. So etwas muss sehr gut organisiert werden.“ Vor allen Dingen dann, wenn die Künstler zum Teil einen extrem weiten Weg auf sich genommen haben und über den Verlauf von mehreren Tagen, die das Festival andauerte, über keinen Schlafplatz verfügen.

„Wir haben den Gästen unsere Ateliers in der Halskestraße angeboten, eine Gelegenheit, die alle gerne wahrgenommen haben. Die Künstler brauchen nicht viel, die leben für ihre Kunst. Ein bisschen Farbe, ein Schlafsack, das reicht für eine Woche.“ Da Marko Leckzut in der noch immer wachsenden Szene sehr gut vernetzt ist, konnte er Streetart-Künstler nicht nur aus Deutschland einladen. „Wir hatten Gäste aus Frankreich dabei, eine junge Künstlerin kam aus Kolumbien. Insgesamt haben zwanzig Street-art-Künstler mitgewirkt.“

„2021 soll es wieder Fördermittel geben. Dann legen wir los.“

Marko Leckzut, Graffiti-Künstler

Um eine Hauswand künstlerisch zu verschönern, braucht es mehr als nur die Malenden. Das Bemalen ist ohne Gerüste unmöglich. „Damals hatten wir sieben Gerüste aufgebaut“, erinnert sich Leckzut, „auf denen jeweils zwei Künstler parallel arbeiten konnten. Aber nicht alle Stellen einer großen Hauswand sind leicht zu erreichen, weshalb wir auch die sogenannten Steiger brauchten.“

Als Steiger bezeichnet man die wie Förderkörbe aussehenden Behältnisse, mit denen zum Beispiel die TBR Straßenlaternen in mehreren Metern Höhe ausbessert. „Die Künstler gewöhnen sich schnell an die Höhen“, sagt Leckzut. „Die wollen halt ihr Ding umsetzen. Dafür nehmen sie vieles in Kauf.“

Die riesige Micky Maus ist in nur zwei Tagen entstanden. „Das geht recht fix“, erklärt der Graffiti-Künstler, „wenn es - wie hier - keine Auftragsarbeiten sind und die Künstler einfach ihre Fantasie austoben können.“ Zur augenblicklichen Situation angesprochen, seufzt Marko Leckzut laut. „Wir hätten längst etwas in dieser Richtung getan“, verrät er, „aber wie so vieles hat Corona auch das lahmgelegt. 2021 sollte es wieder Fördermittel geben. Dann legen wir los.“

Nicht alle Honsberger Bewohner finden die Streetart-Gemälde schön oder ansehnlich. „Natürlich gibt es Menschen, die das nicht gut finden“, weiß Leckzut. „Wenn wir wieder künstlerisch tätig werden, sollen die Bewohner des Stadtteils einbezogen werden. Aber dass wir weitermachen, ist klar. Der Honsberg wird weiterhin belebt.“

Führungen am Honsberg sind möglich

Marko Leckzut ist Graffiti-Künstler aus Leidenschaft und Überzeugung. Seit 1987 ist er im öffentlichen Raum unterwegs, um seine Kunst auch an außergewöhnlichen Orten in Szene zu setzen. Der studierte Werbe- und Gebrauchsgrafiker hat in vielen Jahren seine eigene Art der Graffiti-Darstellung entwickelt. Die meisten seiner Kunstwerke sind hyperrealistisch und wirken auch aus extremer Nähe faszinierend, lebhaft und dynamisch. Interessierte finden einige seiner Werke auf der Wuppertaler Nordbahn-Trasse zwischen Vohwinkel und Schee sowie an der Laurentius-Kirche in Elberfeld. Wenn sich einige Interessierte zusammenfinden, ist eine Führung am Honsberg mit Erläuterungen zu den Kunstwerken möglich. Kontaktdaten sind im Internet zu finden. Die Kulturwerkstatt Ins Blaue ist in der Siemensstraße 23 beheimatet. Ins Blaue versteht sich seit 2015 als Plattform für Künstler, Designer und Musiker.

www.ins-blaue-net

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