Familienzeit

Familienhebammen nehmen sich viel Zeit

Simone Picard (l.) und Petra Conrad-Meding sind als Familienhebammen in Remscheid unterwegs.
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Simone Picard (l.) und Petra Conrad-Meding sind als Familienhebammen in Remscheid unterwegs.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Kostenloses Angebot von Caritas und Kinderschutzbund – Expertinnen begleiten, lotsen und stärken Eltern.

Remscheid. Die Geburt eines Kindes ist Anlass zur Freude. Sie stellt die neuen Eltern aber auch vor Herausforderungen. Manchmal gehören auch Ängste oder Unsicherheiten dazu. Auf jeden Fall aber viele Fragen. Um Schwangeren und jungen Familien in dieser Zeit beizustehen, gibt es die „Frühen Hilfen“. Diese wiederum koordinieren den Einsatz der Remscheider Familienhebammen.

Was sind Familienhebammen?

Familienhebammen sind Hebammen mit einer qualifizierten Zusatzausbildung. Sie betreuen Familien mit erhöhtem Unterstützungsbedarf von der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes. „Unsere Tätigkeit geht über die originäre Arbeit einer Hebamme hinaus, was Häufigkeit, Dauer und Inhalte angeht“, erklärt Petra Conrad-Meding, eine der beiden Familienhebammen. Erhöhter Unterstützungsbedarf besteht aufgrund einer belasteten Biografie, aufgrund von psychischen Problemen oder aufgrund von Mehrlingen. „Dann ist es gut, wenn noch zwei Arme mehr da sind“, sagt Simone Picard. Es sind aber auch Mütter, die einfach an ihre Grenzen kommen. „Es ist häufiger schon mal der Fall, dass eine Familie gar keine Hebamme für die Nachsorge hat“, erzählt Conrad-Meding. Viele hätten auch gar keine Familie in der Nähe, die aushelfen könnte. Die beiden Frauen betreuen zurzeit verstärkt junge Familien. Sie können auch im Tandem mit einer originären Hebamme zusammenarbeiten, da der Einsatz der Familienhebammen nicht über die Krankenkasse abgerechnet wird.

An wen richtet sich das Angebot?

Das Angebot richtet sich an alle Remscheider Familien ab der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes. Es ist für die Familien kostenfrei, freiwillig und unterliegt der Schweigepflicht.

Wie wird es finanziert?

Über Bund und Stadt fließt Geld in die „Frühen Hilfen“. Die Familienhebammen sind ein Teilangebot der „Frühen Hilfen“.

Was machen Familienhebammen?

Sie besuchen die Familien vor Ort und begleiten sie - vertrauensvoll und mit einem liebevollen Blick. „Dadurch können wir vor Ort einschätzen, welche Hilfe benötigt wird“, sagt Petra Conrad-Meding. Sie beantworten Fragen zur Gewichtsentwicklung des Kindes, zum Stillen, zur Ernährung des Babys. Der Fokus liegt hier auf der psychosozialen Arbeit. Die Familienhebammen stärken vor allem die Elternkompetenz. „Wir unterstützen sie dabei, feinfühlig auf ihr Kind zu reagieren“, erklärt Simone Picard. Zum Beispiel, wie sie die Signale ihres Kindes richtig lesen. Wann hat es Hunger? Und wann ist genug gespielt? Zudem zeigen die Expertinnen, wie Eltern ihr Kind motorisch fördern können. Und liefern Ideen für Kinderlieder oder Fingerspiele. „Bei unseren Müttern ist es toll zu sehen, wie sie sich entwickeln, wie sie selbst zu ihrer inneren Stärke finden“, sagt Picard. Die Familienhebammen sind zudem Lotsinnen für das Sozial- und Gesundheitswesen, zum Beispiel bei Fragen wie: Wo erhalte ich Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, zum Beispiel für das Kindergeld? Welche Physiotherapiepraxis ist auf Babys spezialisiert? „Manchmal begleiten wir auch zu diesen Terminen“, sagt Picard. Die Zeit können sich die Familienhebammen nehmen.

Wer ist das Team in Remscheid?

Petra Conrad-Meding ist beim Kinderschutzbund angestellt, Simone Picard beim Caritasverband. Es handelt sich hierbei um eine Kooperation der Träger. Dritte im Bunde ist die Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Sie unterstützt Eltern von Kindern bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres, vor allem dann, wenn das Kind besondere Pflege oder Hilfe benötigt. Zum Beispiel bei Frühchen oder bei Kindern mit einer chronischen Erkrankung. Auch eine freiberufliche Familienhebamme zählt zum Team. Die gebürtige Dabringhauserin Petra Conrad-Meding (56), die auch Yogalehrerin ist, hat ihre Hebammenausbildung 1987 in Bonn absolviert, bis 2015 dort gelebt und gearbeitet, dann kam sie zurück nach Dabringhausen. Seit 1990 war sie als freiberufliche Hebamme auch in der Hausgeburtshilfe unterwegs, von 2010 bis 2015 arbeitete sie als Familienhebamme in Bonn. 2010 hat sie die Weiterbildung zur Familienhebamme absolviert. Conrad-Meding hat zwei erwachsene Töchter. Seit 2021 ist sie beim Kinderschutzbund als Familienhebamme angestellt.

Die gebürtige Remscheiderin Simone Picard (52), Mutter von drei erwachsenen Kindern, hat ihre Hebammenausbildung in Ingolstadt absolviert, Wochenbettbetreuung gemacht und Rückbildungskurse in der Wiege gegeben. Bei der Caritas hat sie 2004 angefangen, für die minderjährigen Schwangeren Geburtsvorbereitungskurse anzubieten, 2006 hat sie dort mit Astrid Strieder, der ehemaligen Leiterin der esperanza-Schwangerschaftsberatung, eine Hebammensprechstunde ins Leben gerufen. 2009 hat sie die Ausbildung zur Familienhebamme absolviert, seit 2011 ist sie bei der Caritas als solche angestellt. 2013 wurde die Fachstelle „Frühe Hilfen“ gegründet, 2021 ist das Team aufgestockt worden. Seitdem können die Hebammen noch besser helfen.

Kontakt

Wer eine Familienhebamme in Anspruch nehmen möchte, kann sich in der Fachstelle Frühe Hilfen melden: Tel. (0 21 91) 7 91 41 70. Simone Picard und Petra Conrad-Meding bietet eine Familiensprechstunde für Schwangere und Eltern mit Kindern zwischen 0 und 3 Jahren an. Anmeldung: Tel. (01 70) 8 86 60 05 (Picard) oder Tel. (0 15 12) 8 10 85 96 (Conrad-Meding).

Lesen Sie auch: So verläuft die Geburt in Corona-Zeiten

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