Verstöße

Polizei erwischt 573 Fahrer mit Handy am Ohr

Alles andere als ein Kavaliersdelikt: Wer am Steuer telefoniert, gefährdet sein Leben und das anderer. Die Szene auf dem Foto ist gestellt.
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Alles andere als ein Kavaliersdelikt: Wer am Steuer telefoniert, gefährdet sein Leben und das anderer. Die Szene auf dem Foto ist gestellt.

Polizei stellt Verstöße in Remscheid auch ohne gezielte Kontrollen fest. Über Unfälle als Folge von Telefonaten gibt es keine Statistik.

Von Andreas Tews und Tristan Krämer

Ein kurzer Blick auf das Telefon-Display kann ähnlich gefährlich sein wie das Telefon am Ohr. Viele Autofahrer unterschätzen nach Meinung von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) noch immer den Einsatz von Telefonen am Steuer. In Remscheid stellte die Polizei in den ersten acht Monaten des Jahres nach Angaben von Sprecherin Hanna Meyerratken 573 Verstöße fest – obwohl es keine gezielten Kontrollen gab.

Die „konsequenten Kontrollen“, von denen der Minister berichtete, fanden demnach im Bergischen Städtedreieck bisher nicht statt. Laut Jäger informieren die Beamten dabei auch über die Risiken des Telefonierens am Steuer. Das Benutzen eines Telefons ohne Freisprecheinrichtung während der Fahrt ist dem Fahrer generell verboten. Der Gesetzgeber ahndet dies mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

Standpunkt von Melissa Wienzek

Nach Angaben aus dem Ministerium unterschätzen viele Fahrer die Gefahren. Schon bei Tempo 50 lege ein Auto während eines kurzen Blicks auf das Display eines Telefons 14 Meter zurück. „Im Blindflug“, betont Minister Jäger. „Das ist lebensgefährlich.“

Landesweit wurden nach Angaben seines Ministeriums in diesem Jahr bei 234 Unfällen Handys und Smartphones als Beweismittel für die weiteren Untersuchungen sichergestellt.

Über Unfälle wegen Telefonierens am Steuer gibt es nach Meyerratkens Angaben für Remscheid keine belastbaren Zahlen. Niemand gebe nach einem Unfall zu, dass er während der Fahrt telefoniert habe, erklärte die Sprecherin. Wenn es keine eindeutigen Zeugenaussagen gibt, sei es schwer, dem Fahrer den Verstoß nachzuweisen.

Die 573 Remscheider „Telefon-Sünder“ sind bei allgemeinen Verkehrskontrollen aufgefallen oder durch Streifenpolizisten „auf frischer Tat“ am Steuer ertappt worden.

Gegenüber dem vorangegangenen Jahr ist ihre Zahl zurückgegangen. Da waren es nach Hanna Meyerratkens Zahlen von Anfang Januar bis Ende August 638 Autofahrer, die in Remscheid mit einem Telefon oder Smartphone am Ohr „erwischt“ worden waren.

SMS und Navis sind weitere Risikofaktoren im Auto

Die Wuppertaler Polizeisprecherin betont aber, dass die ermittelten Werte keine Rückschlüsse darauf zulassen, ob mehr oder weniger am Steuer telefoniert wird. Es hänge immer davon ab, wie viel kontrolliert werde. Ist die Polizei präsenter auf den Straßen, fallen auch mehr Verstöße auf. Fest steht: Aus Sicht des Gesetzgebers ist jede Autofahrt mit Telefon am Ohr eine zuviel.

Dabei sind die Anrufe nur ein Risiko, das die ständige Erreichbarkeit für Autofahrer mit sich bringt. Wer im Fahren eine SMS schreibe, reagiere wie ein Fahrer mit 1,1 Promille im Blut, sagt Minister Jäger. Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage sei so gefährlich wie 0,9 Promille Alkohol im Blut. Nach Auffassung des Verkehrssicherheitsrats ist das Fingern am Navigationsgerät eine weitere Gefahrenquelle.

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