Personalie

Fachtagung statt Umtrunk zum Abschied

Geschäftsführer Willi Vögeli, im Vordergrund, geht in den Ruhestand, sein Geschäftsführer-Kollege Werner Mütherig, Bernd Steinhoff von der Augusta Hardt Horizonte gGmbH und Pfarrer Uwe Leicht von der Stiftung Tannenhof, v.l., verabschieden ihn. Foto: Doro Siewert
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Geschäftsführer Willi Vögeli, im Vordergrund, geht in den Ruhestand, sein Geschäftsführer-Kollege Werner Mütherig, Bernd Steinhoff von der Augusta Hardt Horizonte gGmbH und Pfarrer Uwe Leicht von der Stiftung Tannenhof, v.l., verabschieden ihn.

SPZ-Geschäftsführer Willi Vögeli geht in den Ruhestand.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Am Ende des Jahres geht Willi Vögeli in den Ruhestand. Doch auf einen Umtrunk oder Ähnliches verzichtet der Geschäftsführer des Sozialpsychiatrisches Zentrums (SPZ) an seinem durch Resturlaub bedingten letzten Arbeitstag am Freitag. Stattdessen hat Vögeli zu einer Fachtagung geladen, Titel: „Weiterentwicklung der Sozialpsychiatrischen Zentren zu modernen, zukunftsorientierten Versorgungsmodellen gemeindepsychiatrischer Versorgung“.

Ein passender Abgang für den Mann, der das Remscheider SPZ 18 Jahre geführt hat. Und unter dessen Leitung aus einer kleinen Einrichtung mit zwei angemieteten Wohnungen an der Südstraße und einer Tagesstätte an der Hindenburgstraße, in denen zusammen neun Mitarbeiter tätig waren, die Einrichtung wurde, die man heute kennt. Mit 40 Mitarbeitern und untergebracht auf einigen Hundert Quadratmetern im ehemaligen RGA-Pressehaus am Friedrich-Ebert-Platz mitten in der Stadt.

Eine Entwicklung, die aus Vögelis Sicht nicht abgeschlossen ist. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt er. Sein Nachfolger Lutz Goldbecker bringe sicherlich den richtigen Elan mit, das Remscheider SPZ weiter auszubauen. Ziel könne zum Beispiel eine stärkere Vernetzung sein, eine Weiterentwicklung in dem Bereich der Behandlung. „Große SPZ bieten heute schon ergotherapeutischen Praxen an oder integrierte Versorgung“, berichtet Willi Vögeli. Das sei auch eine Perspektive für Remscheid.

Zahlreiche Erweiterungen tragen seine Handschrift

Konzepte, an die bei der Gründung des Remscheider Zentrums vor über 30 Jahren noch lange nicht zu denken war. Und auch nicht bei Vögelis Dienstantritt ein paar Jahre später. Damals sei die Geschäftsführerstelle auch nur ein Teil seines Jobs gewesen, erinnert er sich: „Zu 50 Prozent habe ich noch Beratung gemacht.“ Noch nicht einmal einen eigenen Arbeitsplatz habe er zum Start gehabt. „Das Erste, was ich machen musste, war mir erst einmal, ein eigenes Büro zu besorgen.“

Seither sei das SPZ stetig gewachsen und das Angebot mehrfach erweitert worden, sagt Pfarrer Uwe Leicht, geistlicher Vorsteher der Stiftung Tannenhof, die zusammen mit dem Wohnheim Augusta Hardt Horizonte Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH ist, die das SPZ heute trägt. Und diese Erweiterungen tragen häufig die Handschrift von Willi Vögeli: „Es gab ja gleich mehrere Quantensprünge.“ Darunter auch der Umzug in das heutige Domizil am Busbahnhof.

Gerade einmal 40 Plätze im betreuten Wohnen habe es früher in Remscheid für Menschen mit seelischen Behinderungen gegeben, berichtet Willi Vögeli. Heute seien das rund 450. „Und wenn wir uns in fünf Jahren wieder sprechen, sind es vermutlich 600“, prophezeit er. Rund 150 Menschen betreut das SPZ derzeit ambulant in ihren eigenen Wohnungen. „Zwei Drittel unserer Arbeit sind Alltagsbewältigung.“ Es gehe darum, die Wohnung zu sichern, dafür zu sorgen, dass die Menschen nicht vereinsamen und ihr Leben gemeistert bekommen. Das restliche Drittel diene dazu, dass die Betroffenen verstehen, „was bei ihnen abläuft“, formuliert es der SPZ-Geschäftsführer.

Rund 100 Menschen, etwa die Hälfte davon wird ambulant betreut, kommen zudem regelmäßig in SPZ in die Tagesstruktur. Hier arbeiten sie zum Beispiel in Werkstätten. „Zielsetzung ist immer, die soziale Teilhabe zu verbesser“, erklärt Vögeli. „Es tut gut, wenn man sich irgendwo dazugehörig fühlt. Und es tut gut, wenn man merkt, dass man Einfluss auf sein Leben hat.“ Beides biete das SPZ seinen Klienten.

Entwickelt worden sei die Idee der SPZ einst vom Landschaftsverband Rheinland, berichtet Vögli, als zentrale Anlaufstelle für psychisch Erkrankte. „Die Idee war ein Pflänzchen in die Kommunen zu setzen.“ Diese Pflanze hat Vögeli 18 Jahre langgehegt und gepflegt. Und gibt sie jetzt in gute Hände ab.

Hintergrund

Neben dem ambulant betreuten Wohnen und der Tagesstruktur bietet das SPZ auch eine Beratungsstelle für Menschen mit seelischer Behinderung und solchen, die davon bedroht sind, sowie deren Angehörigen an, zudem den Integrationsfachdienst und das Begegnungszentrum „Café Elling“, zum Teil aber derzeit coronabedingt eingeschränkt. Erreichbar ist das SPZ unter Tel. (02191) 93 34 10, weitere Infos gibt es online.

spz-remscheid.de

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