Problemzonen

Experten überprüfen neuralgische Punkte im Straßenverkehr

Die Verkehrsbesprechung schaute sich auf einen Hinweis die Heinrich-Geißler-Straße an: Der Argumentation des Anwohners folgte sie jedoch nicht. Foto: R. Keusch
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Die Verkehrsbesprechung schaute sich auf einen Hinweis die Heinrich-Geißler-Straße an: Der Argumentation des Anwohners folgte sie jedoch nicht.

Die Verkehrsbesprechung trifft sich monatlich zu Ortsbesichtigungen. Nicht jeder Knoten lässt sich lösen.

Von Andreas Weber

Elf Mal im Jahr treten sie ihre Rundreise durch Remscheid an. Es ist eine Tagestour. Mit einem Bus der Stadtwerke geht es zu neuralgischen Punkten im Straßenverkehr. Anregungen und Beschwerden aus der Bevölkerung greift die Verkehrsbesprechung auf. Die Experten schauen sich Problemzonen an. Im Gegensatz zur Unfallkommission ist die Verkehrsbesprechung eine freiwillige Aufgabe.

Polizei, Straßenverkehrsamt und Straßenbaulastträger arbeiten im vertrauten Zusammenspiel akribisch ihre Tagesordnung ab. Es sind Themen wie diese: Sperrung der Wolfstraße durch einen Findling, Lärm auf der Bornefelder Straße durch schadhafte Fahrbahnoberfläche, Verlängerung des Halteverbots in der Christian-Meyer-Straße gegenüber den Wertstoffcontainern. Auch spät abends machen sich die Fachleute ein Bild, zum Beispiel, wenn sie abwägen, ob eine Ampel nachts abgeschaltet werden kann.

24 Orte suchte die Verkehrsbesprechung im September auf, weitere 27 im Oktober. „Das ist das Tages-Maximum“, meint Udo Wilde, mit 59 Jahren der Dienstälteste in dem Gremium. „Manche Probleme lösen wir ruckzuck, andere bedürfen einer Diskussion.“ Seit 1988 ist der Leiter Verkehrstechnik bei der TBR unterwegs und hat sich mit Tausenden von Fällen beschäftigt.

Manche Entscheidungen trifft die Stadtverwaltung auf Empfehlung der Verkehrsbesprechung im Rahmen ihre Kompetenzen alleine, andere wiederum bedürfen der Zustimmung der Bezirksvertretung. „In jedem Fall geben wir dem Bürger die Entscheidung bekannt. Die Rückkoppelung ist wichtig“, betont Udo Wilde.

Eine solche wird auch Ulrike Kohl erhalten. Seit 1997 lebt sie Am Hagen 27, unweit des Kreisjugendheims der Fußballer. Oft genug beobachtet sie, dass Autos gegen die Einbahnstraße fahren. Die Besprechung ging Kohls Einwand nach, kam aber nicht zu dem Ergebnis, dass Handlungsbedarf besteht.

In der Heinrich-Geißler-Straße wird kein Handlungsbedarf gesehen

Daniel Pfordt, Leiter des Straßenverkehrsamtes, resümiert: „Die Einbahnstraße ist ausreichend beschildert. Außerdem ist dies eine Straße, durch den hauptsächlich Zielverkehr, also ortskundige Anwohner fährt.“ Dort weitere Einbahnstraßenschilder aufzustellen, sei nicht verhältnismäßig.

Auch ein Anwohner der Heinrich-Geißler-Straße am Hackenberg erhält keinen positiven Bescheid. Er hatte die Missachtung der Schrittgeschwindigkeit beklagt. Die Verkehrsbesprechung mochte die Beobachtungen nicht in Frage stellen, sah aber alle verkehrsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, dass Autofahrer wachsam sind.

„Die Straße liegt am Ende der Albert-Einstein-Straße, ist verkehrsberuhigt, baulich entsprechend geändert, mit anderer Pflasterung und gut beschildert“, zählt Pfordt auf. Auch hier seien fast nur Anwohner oder Besucher unterwegs. Immerhin: Die Verkehrsbesprechung wird der Polizei empfehlen, sofern es deren Kapazität erlaubt, dort öfters mal ein Auge zu werfen.

VERKEHRSBESPRECHUNG 

LÖSUNGEN Die Abwägung fällt der Verkehrsbesprechung nicht immer leicht. „Jede Lösung ist ein Kompromiss“, betont TBR-Verkehrstechniker Udo Wilde. Diese dienen nicht immer dem großen Ganzen. Den Auftrag, Verkehrszeichen einzusparen, bewegt die Besprechung stets im Hinterkopf. Rund 50 000 Schilder soll es in Remscheid geben, schätzt Udo Wilde. Gefruchtet hat es wenig. Es ist wie im Hamsterrad: „Nach einer Rundfahrt werden drei Schilder abgebaut, sechs neue kommen an anderer Stelle hinzu.“

Nach 27 Jahren weiß Wilde, dass sich nicht jeder Knoten lösen lässt. Er denkt an einen Dauerbrenner, die Schnellfahrerei auf der schmalen Remscheider Straße in der Lüttringhauser Altstadt. Die „Kissen“ auf dem Asphalt als Bremse sind nicht der Weisheit letzter Schluss. „Gleichwohl: Radarmessungen bringen auch nichts, weil die Polizei dort auf dem Präsentierteller steht und gesehen würde.“ Auch die Lenneper Altstadt fällt Wilde als gutes Beispiel ein, dass Architektur und Infrastruktur Grenzen setzen: „Die wurde gebaut, als es keine Autos gab.“

Zugenommen haben laut Wilde die Nachbarschaftsstreitigkeiten bei Parkproblemen vor der Haustür. „Und das vermehrt in Wohngebieten, wo man denkt, dass die Leute sich aufgrund ihrer großzügigen Anwesen nicht streiten würden.“ In der Innenstadt existieren diese Privatkonflikte nicht. „Stattdessen wird dort oft über mangelnde Straßenreinigung geklagt“, beobachtet der TBR-Mann.

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