Interview

Ernst-Otto Mähler über Veränderungen in Alt-Remscheid im neuen Jahr

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Ernst-Otto Mähler geht vieles zu langsam voran in „seinem“ Stadtbezirk.

Was bringt 2022 für Alt-Remscheid? Bezirksbürgermeister Ernst Otto Mähler (SPD) dämpft die Erwartungen.

Das Interview führte Axel Richter.

Remscheid. 2021 sei nicht nur schlecht gewesen für „seinen“ Stadtteil, sagt Ernst-Otto Mähler. Allzu viel Gutes fällt ihm allerdings nicht ein. Und auch für 2022 dämpft er im RGA-Gespräch schon einmal die Erwartungen.

Herr Mähler, in Hasten soll mit der „Gast-Immobilie“ ein Schandfleck endlich verschwinden. Eine gute Neujahrsbotschaft?
Otto Mähler: Ja, damit ist ein Anfang gemacht. Es handelt sich zunächst ja nur um einen Teil der heruntergekommenen Immobilien in unmittelbarer Nachbarschaft des Richard-Lindenberg-Platzes. Wollen wir hoffen, dass wir an den Rest auch noch herankommen. Und dann schwebt mir ja immer noch vor, dass wir den Einstieg zur Werkzeugtrasse neu gestalten. Vielleicht mit einer großen Zange. Dazu noch ein schönes Café, und wir hätten schon einiges erreicht.
Was hat Sie 2021 außerdem gefreut?
Mähler: In der Politik nicht allzu viel. Am meisten noch, dass der Aldi von der Hammesberger Straße an die Hastener Straße umziehen wird. Die wollte ja schon lange aus dem Loch raus. Dass mit dem Neubau zwischen Gesundheitsamt und Haus am Park zugleich sechs Wohnungen und ein Entrée für den Hasten entsteht, das freut mich sehr.
Und worüber haben Sie sich geärgert?
Mähler: Dass wir unnötigerweise einen Investor verprellt haben, der an der Richardstraße eine seit langer Zeit bestehende Baulücke schließen wollte. Der Plan hatte Hand und Fuß. Und dann kommt die Bauverwaltung zu der Entscheidung, das sei ein schützenswerter Baumbestand. Gucken Sie sich das mal an, da stehen lauter alte Stumpen und Gestrüpp. Unter einem schützenswerten Baumbestand stelle ich mir etwas anderes vor.
Und Sinn-Leffers?
Mähler: Hat das Baudezernat vor die Wand gefahren. Anders kann man es leider nicht sagen. Dass wir die Immobilie nicht haben kaufen können, wirft uns auf der Alleestraße um Jahre zurück.
Dürfen die Bürgerinnen und Bürger in der Innenstadt 2022 denn irgendwelche Veränderungen erwarten?
Mähler: Ich fürchte nicht allzu viele. Das liegt aber auch daran, dass die Sanierung der Alleestraße über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte angelegt ist. Ich denke aber, dass das Beleuchtungskonzept in diesem Jahr umgesetzt wird. Und ich gehe auch davon aus, dass die Gastronomen in der Alten Bismarckstraße in diesem Jahr ihre Außenterrassen erhalten. Eigentlich sollten sie ja längst stehen. Und eigentlich glaube auch ich erst daran, wenn ich auf der Terrasse sitze.
Immerhin hat die Allee neue Bänke bekommen.
Mähler: Ja, das sieht oben an der Zange zwar aus, als wären die Bänke unkontrolliert von einem Anhänger gepurzelt. Aber die Leute sitzen darauf. Immerhin.
Sie klingen ein bisschen frustriert.
Mähler: Nein, ich bin nicht frustriert. Aber es ist doch so: Es dauert alles zu lange. Und dann werden die Dinge noch verbockt. Ob anstelle des Sinn-Leffers jetzt unbedingt ein dritter, vierter oder fünfter Ort entstehen soll, sei einmal dahingestellt. Das versteht eh keiner. Es ging um einen neuen Anker für die Allee, den wir nun nicht bekommen, weil Fristen nicht eingehalten wurden. Ich frage mich manchmal, ob sich der eine oder andere in der Verwaltung wirklich ausreichend mit Remscheid identifiziert.
Andere tun das auf jeden Fall. Zu den rührigen Kneipenwirten in der Alten Bismarckstraße gesellt sich eine Yogalehrerin mit ihrem Studio. Gemeinsam versuchen die jungen Leute, ihr Viertel voranzubringen. Ist das nicht klasse?
Mähler: Ja, das finde ich fantastisch. Das gilt ebenso für die Hindenburgstraße. Schon wenn man da durchgeht, hat man einen ganz anderen Eindruck. Da sind bei schönem Wetter Menschen auf der Straße, da gibt es weniger Leerstände.
Die Nachbarn in Kremenholl und Honsberg sollen sogar ein neues „Wohnzimmer“ bekommen. Wie steht es um die Pläne?
Mähler: Da tut sich was, und ich bin guter Hoffnung, dass wir den neuen Quartiersplatz Anfang nächsten Jahres eröffnen können. Das ist eine ganz hervorragende Entwicklung für die Stadtteile, auch für die Kraftstation. Alle haben auch von der Künstlergruppe Ins Blaue profitiert, die, wie ich finde, zu selten von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Noch eine Baustelle: Auf dem Friedrich-Ebert-Platz ist das Gebäude der Stadtwerke abgerissen worden. Der Platz wird neu gestaltet. Wann geht es damit weiter?
Mähler: Die Fertigstellung ist für 2025 vorgesehen. Die Technischen Betriebe werden in diesem Jahr mit den Tiefbauarbeiten beginnen und die Unterführung in Richtung Ämterhaus verschließen. Die Elberfelder Straße wird ja neue Fußgängerüberwege erhalten, aber auch das dürfte sich noch hinziehen. Deshalb: Die Bürgerinnen und Bürger brauchen in diesem Jahr erneut viel Geduld.
Wenn wir uns im nächsten Jahr zur gleichen Zeit wieder sprechen: Hat dann der lange diskutierte Umbau der Allee begonnen?
Mähler: Wenn die neuen Lampen da sind, werden wir beide im nächsten Jahr zur gleichen Zeit auf der Alleestraße immerhin anständig beleuchtet sein.
Macht Ihnen Ihr Ehrenamt eigentlich noch Spaß?
Mähler: Ach wissen Sie, im Alter wird man gelassener. Ja, es macht mir weiterhin viel Spaß. Ganz einfach, weil ich mich gern um die Menschen kümmere. Nach unserem Gespräch zum Beispiel fahre ich zur Imbissbude „Weltmeister“. Denen fehlen Parkplätze vorm Haus. Vielleicht kann ich ja was machen.

Alt-Remscheid

  • Ernst-Otto Mähler (SPD) ist Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Alt-Remscheid. Der ehemalige Polizeibeamte ist 75 Jahre alt und ebenfalls Mitglied des Stadtrates.
  • In Alt-Remscheid leben annähernd 48.000 Bürgerinnen und Bürger. Alt-Remscheid ist der größte Stadtbezirk Remscheids.
  • Der Bezirksbürgermeister leitet die Sitzungen der Bezirksvertretung. Sie ist die unmittelbarste Interessenvertretung der Einwohnerinnen und Einwohner.

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