Kriminalität
Steinwürfe treffen erneut die Caritas
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Viertes Attentat auf den Lotsenpunkt in der Lenneper Altstadt. Staatsschutz ermittelt.
Von Frank Michalczak
Zum vierten Mal warfen unbekannte Täter die Scheibe des Caritas-Lotsenpunktes in der Lenneper Altstadt ein. Ein Stein traf am späten Donnerstagabend die Einrichtung, die unter anderem in der Flüchtlingshilfe engagiert ist. Das teilte die Polizei am Montag mit.
Wie deren Sprecherin Anja Meis erklärt, gibt es Hinweise auf einen Unbekannten. „Anwohner bemerkten den Lärm und sahen einen Mann in Richtung Splittergasse fliehen.“ Tatzeit war 22.40 Uhr. Der Verdächtige war etwa 1,90 Meter groß, korpulent und hatte einen auffallend behäbigen Gang. Bekleidet war er mit einer schwarzen Jacke, einer blauen Jeanshose und Sportschuhen. Auf dem Kopf trug er eine schwarze Ski-Maske. „Daher sind wir sicher, dass die Tat nicht spontan war, sondern dass dahinter ein Vorsatz steckte“, erklärt Anja Meis. Zudem sei der Betonstein sehr schwer gewesen. „Er könnte von einer Gartenumrandung stammen“, fügt die Polizeisprecherin hinzu.
Noch in der vergangenen Woche hatte die Polizei von einer Lage gesprochen, die sich etwas beruhigt hätte. Wochenlang hatte es keinen politisch motivierten Steinwurf gegeben, nachdem unter anderem der F(l)airladen in Lüttrinhausen und das evangelische Gemeindehaus in Lennep mehrfach getroffen worden waren.
Eine Ermittlungsgruppe, die beim Staatsschutz angesiedelt ist, versucht, die Taten zu klären. Auch der erneute Anschlag auf den Lotsenpunkt ist nun ein Fall für die Sonderkommission. Bei der Caritas ist der Ärger über das erneute Attentat groß. Dorothee Biehl, die sich um die Koordination in der Anlaufstelle kümmert, macht aus ihrem Unmut keinen Hehl. „Wir leben in einer Demokratie. Und da ist es ein hohes Gut, dass jeder seine Meinung äußern kann. Das aber ist alles Andere als eine akzeptable Form, Ansichten Ausdruck zu verleihen. Es ist feige.“
Der Lotsenpunkt sei für alle Lenneper da. Wer will, kann hier seine Freizeit verbringen, Kontakte knüpfen oder bei Problemen ein Beratungsgespräch führen. Die Ansprechpartner helfen weiter, indem sie – je nach Bedarf – entsprechende Anlaufstellen benennen und somit eine Lotsenfunktion übernehmen. „Natürlich sind auch Flüchtlinge willkommen. Sie lernen bei uns Deutsch – unter anderem beim gemeinsamen Kochen“, beschreibt Dorothee Biehl den Ansatz.
Überwachungskamera könnte am Lotsenpunkt angebracht werden
Über zwei Schaufensterscheiben verfügt die Einrichtung an der Kölner Straße. Auf der rechten Seite wurde nach den ersten Steinwürfen im Februar bereits Sicherheitsglas angebracht. Die andere Seite war nur notdürftig repariert worden und sollte eine Art Mahnmal sein. „Nachdem der Täter bei der Sicherheitsscheibe offenbar keinen Erfolg hatte, hat er nun die andere Seite komplett zerstört“, erklärt Dorothee Biehl, die mit ihrem Team nun darüber nachdenkt, eine Überwachungskamera am Gebäude anzubringen. Ob dies rechtlich möglich und sinnvoll ist, will sie in Gesprächen mit Stadt und Polizei erkunden.
Hinweise an die Polizei unter Tel. (0202) 284-0.


