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Auf Erkundungstour durch die Lenneper Altstadt

Unterwegs durch die Lenneper Altstadt: Hans-Jürgen Weber kennt sich aus. Foto: Frank Michalczak
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Unterwegs durch die Lenneper Altstadt: Hans-Jürgen Weber kennt sich aus.
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Lenneper Urgestein Hans-Jürgen Weber teilt seine Erinnerungen rund um den historischen Stadtkern.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Wer mit Hans-Jürgen Weber durch die Lenneper Altstadt spaziert und Wissenswertes über die Geschichte von Handel und Gastronomie erfahren will, sollte Zeit mitbringen. Zum einen kann er über fast jedes Haus etwas erzählen. Zum anderen begegnen ihm an den Ecken und Winkeln im historischen Stadtkern Bekannte, die dort unterwegs sind. Da darf der Small Talk mit dem Gastwirt ebenso nicht fehlen wie das Gespräch mit Besuchern, die es sich im Biergarten am Bismarckplatz oder beim Spanier gemütlich gemacht haben. Weber kennt sich eben nicht nur bestens in den historischen Gassen aus, sondern er kennt auch die Menschen, die mit der Altstadt verbunden sind.

Ausgangspunkt der Tour ist der Alte Markt, wo er seine Blicke schweifen lässt. „Hier gegenüber war mal das Café Schmitz. Oben auf der Terrasse konnten die Leute sitzen und ihren Kuchen genießen“, zeigt er auf die heutige Gaststätte „Bei Josef“. Daneben habe sich einst das Standesamt befunden. „Das Trauzimmer war über ein historisches Treppenhaus zu erreichen. Und hier hinter uns war mal ein Kino“, weist Weber auf die leerstehende Osteria ganz in der Nähe der Altstadt-Bühne hin.

Noch gut kann sich der 70-Jährige erinnern, wie in der Nachkriegszeit das Lichtspielhaus beheizt wurde. „Während der Vorstellung kippte der Betreiber Schütten mit Kohle in einen riesigen Kanonenofen – mit dem entsprechenden Funkenflug. Und das bei den stoffbespannten Wänden. Es ist zum Glück nie etwas passiert.“ Jahrzehnte später, erzählt Weber, musste sich die Feuerwehr beim Altstadtfest mit schweren Fahrzeugen vor dem Gebäude platzieren. „Weil ja längst riesige Brandschutzauflagen erfüllt werden müssen.“

Die Unterschiede zwischen Gestern und Heute beschäftigen das Lenneper Urgestein. Zeit seines Lebens hatte er einen Bezug zur Altstadt. In Lennep wurde Weber geboren. Und selbst einige Kindheitsjahre, die er mit seinen Eltern in Remscheid verbrachte, ließen den Kontakt zum historischen Stadtkern nicht abbrechen. „Mein Opa und meine Oma lebten hier“, blickt er zurück.

Historische Häuser fanden neue Interessenten

Später hatte der Immobilienexperte auch beruflich mit den historischen Gebäuden zu tun, die er auf Wunsch der Eigentümer veräußerte. Sein Betätigungsfeld reichte von Lennep, Radevormwald bis nach Lindlar. Dabei stand er zunächst im Dienste diverser Bausparkassen und wirkte später als selbstständiger Geschäftsmann.

Mit ihm geht es weiter durch die Altstadt – zu Brigitte Johnen, die als Einzelhändlerin in vierter Generation Obst, Gemüse und Feinkost anbietet. Noch heute hat sie einen Zeitungsartikel aus dem Jahre 1841, wie sie erzählt. Damals war „Oma Gertrud“ schwer aktiv, die auch Weihnachtsbäume im Angebot hatte, wie Brigitte Johnen verrät.

Sie zählt heute zu den letzten klassischen Einzelhändlern, die in der Lenneper Altstadt ansässig sind. Hans-Jürgen Weber hat noch viele aus früheren Zeiten vor Augen: das Modelleisenbahngeschäft Klüssendorf, Frau Stobbe, die das Reformhaus führte, das Haushaltswarengeschäft Euler, das Schuhhaus Schröter und natürlich Café Grah, wo junge Menschen in den 50er und 60er Jahren erste zarte Bande schlossen. Heute ist dort ein Brautbekleidungsgeschäft zu finden.

Dieses ist nicht der einzige Hoffnungsschimmer für den Handel in der Lenneper Altstadt. „Hier müssen wir mal reingehen“, erklärt Weber an der unteren Kölner Straße, wo sich das Fachgeschäft imowell angesiedelt hat. Unter der Überschrift „Die Zukunft ist elektrisch“ bietet das Team im Haus der ehemaligen „Ihr Platz“-Filiale E-Scooter, Infrarotheizungen, Elektrokamine und Hausautomation an. Das Sortiment wird dort im schicken Ambiente in Szene gesetzt. „Bis September 2018 befand sich unser Geschäft noch ein bisschen versteckt in Remscheid“, berichtet Mit-Inhaber Henning Schröder. Für den Umzug nach Lennep habe auch die Nähe zum Designer Outlet Center (DOC) gesprochen, das einen Steinwurf entfernt entstehen soll. So mancher DOC-Kunde könnte künftig bei einem Abstecher in die Altstadt auf das spezielle Angebot stoßen, hofft Schröder.

„Es war wie im Traum.“
Hans-Jürgen Weber über seine Party auf dem Munsterplatz

Unternehmer wie ihn könnte es in Lennep mehr geben, was aber auch von der Haltung der Vermieter abhängt, erklärt Hans-Jürgen Weber. „Wenn ich auf die Kölner Straße schaue, sehe ich viele Friseure. Und die müssen hart schuften. Bei einer Kaltmiete von 600 Euro sind das alleine 40 Herrenschnitte, wenn man da 15 Euro zugrunde legt“, rechnet er vor. Zuweilen seien die Mieten viel zu hoch.

Er selber hatte jahrelang sein Büro in der Nachbarschaft zur damaligen „Ihr Platz“-Filiale und erinnert sich noch gut an eine Debatte mit den Denkmalschützern der Stadt. „Ich hatte eine kleine Leuchtreklame. Die sollte ich abbauen und stattdessen zwei Strahler am Gebäude auf sie richten“, blickt er zurück. Vorgaben wie diese seien ganz und gar nicht dienlich, den Handel im historischen Stadtkern zu erleichtern. Weniger Bürokratie sei sinnvoll.

Er selbst war jahrelang im Verein Lenneper Altstadtfreunde im Einsatz, „der sich leider aufgelöst hat“. Am Pumpenplätzchen und am Munsterplatz sorgte die Initiative für Bänke unter schattenspendenden Bäumen. Er selber hat auf dem Munsterplatz einmal Geburtstag gefeiert, wie er am Schluss des kleines Rundgangs erklärt. „Es war wie ein Traum“, schildert er die Stunden mit seinen Gästen, die wie im Fluge vorbeigegangen sind. So wie ganz sicher auch die vielen Jahre, die Hans-Jürgen Weber in Lennep und mit den Lennepern erlebte.

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