Erfinder machte aus Keiper ein weltweit agierendes Unternehmen

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Gelernter Hufschmied gründete Firma in der Moltkestraße

Hasten -AWe- Die Stichstraße zur Hohenbirkerstraße wurde benannt nach der Firma Fritz Keiper KG. Ende der 1950er Jahre erbaute das Unternehmen dort 64 Werkswohnungen. 50 davon konnten von Mitarbeitern bezogen werden, und 14 waren Teil des „Barackenräumprogramms“ für ausgebombte Remscheider. Dies recherchierte Sarah Baldy im Stadtarchiv und führt weiter aus: Firmengründer und Namensgeber war Fritz Keiper, geboren am 15. März 1881 in Obermoschel (Rheinland-Pfalz).

Nach der Lehre zum Schmied im elterlichen Betrieb absolvierte Fritz die Hufschmiedemeisterprüfung in Hannover und war später in Berlin für den kaiserlichen Fuhrpark zuständig. Keiper kam am 1. November 1907 nach Remscheid. Angeheuert worden war er von der Firma Friedr. Wilh. Bertram Söhne. Er sollte das Unternehmen unterstützen, sich als Zulieferer für die aufblühende Automobilindustrie einen Namen zu machen. Ihm gefielen die Arbeit und das damit verbundene Reisen so gut, dass er den Traum der eigenen Hufbeschlagsschule aufgab und blieb. Nach der Arbeit tüftelte Keiper bis spät in die Nacht. 1910 gelang es ihm, zunächst auf dem Papier, ein Klappverdeck für Autos zu konzipieren, welches versprach, besser zu sein als die Modelle der Konkurrenz. In der Schmiedewerkstatt seines Vermieters stellte Keiper mit seiner Frau Käthe in wenigen Abenden einen Prototypen her. Durch das „Patent-Keiper-Verdeck“ erzielten Firma und Keiper, der per Vertrag an den Umsätzen beteiligt wurde, hohe Gewinne. 1915 kam es aber zum Streit zwischen F.W. Bertram & Söhne und Keiper, dieses Patent betreffend.

Die Firma wollte Keiper nicht länger an den Umsätzen beteiligen. Keiper zog vor Gericht, das zu seinen Gunsten entschied. Dieser Disput gab für Keiper den Anstoß, sich eine eigene Firma aufzubauen. 1919 fand er eine Immobilie für die erste Produktionsstätte im Haus Moltkestraße 3. Am 7. Januar 1920 ließ Keiper die neue Firma als „Fritz Keiper“ handelsgerichtlich eintragen. In der Folge erweiterte er die Produktionsstätten und Belegschaft, da man den Aufträgen sonst nicht hätte gerecht werden können. 1932 heiratete die einzige Tochter Keipers, Lotte, Wilhelm Putsch, Sohn des Werkzeugfabrikanten Putsch. Nur wenige Wochen nach der Heirat trat Wilhelm Putsch als stellvertretender Betriebsführer und Prokurist bei Keiper ein.

Erfindungen wie die Bremsen für Fensterkurbelapparate und der „Patent-Keiper-Schlafsitzbeschlag“ machten aus Keiper ein anerkanntes Industrieunternehmen. Opel, VW, Karmann und Daimler wurden ebenso beliefert wie Alfa Romeo. Nachdem seine Frau Käthe 1948 verstorben war, heiratete Fritz Keiper am 17. Mai 1950 seine Sekretärin Wilhelmine Söhnchen. 1920, dem Jahr der Gründung der Firma Fritz Keiper, war Söhnchen, 20 Jahre alt, im Büro beschäftigt und hielt dem Unternehmen die Treue. In den 60ern übernahm Ulrich Putsch, einer der Enkel des Firmengründers, die Leitung. Es folgten massives Wachstum und der weltweite Ausbau, später übernahm Sohn Martin die Verantwortung. 2011 erfolgte der Verkauf des weltweit agierenden Unternehmens an die amerikanische Firma Johnson Controls. Foto: Michael Schütz

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