Meine erste Platte

Er liebt Konzerte und intime Gespräche mit den Musikern

Musik war im Leben von Wolfgang Löltgen schon immer da. Hier zeigt er seine erste Single von The Animals und eine frühe LP des Sängers Roy Orbison. Foto: Peter Klohs
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Musik war im Leben von Wolfgang Löltgen schon immer da. Hier zeigt er seine erste Single von The Animals und eine frühe LP des Sängers Roy Orbison.

1964 kaufte sich Wolfgang Löltgen seine erste LP: „The House of the Rising Sun“.

Von Peter Klohs

Remscheid. Im Gespräch mit Wolfgang Löltgen kommen wir recht schnell zu der Frage, welchen Stellenwert die Musik in seinem Leben einnimmt. „Einen sehr großen“, sagt er. „Sehen Sie: Musik, und vor allem die gesungenen Texte können eine Gesellschaft beeinflussen. Genauso, wie eine Gesellschaft die Musik und die Texte der Künstler beeinflussen kann. Das ist eine Wechselwirkung.“ Als Beispiel führt er „Eve of Destruction“ an, jenen Protestsong von Barry McGuire, erschienen 1965 und aktuell wie nie. „Der Song läuft bestimmt zehnmal am Tag im Radio“, ist er sicher.

Musik war in seinem Leben schon immer da. Der 1950 in Remscheid geborene Löltgen wuchs in einer eher sportlich geprägten Familie auf, die mit Musik nicht viel anfangen konnte. „Aber ich hatte es nicht so mit dem Ehringhauser Turnverein und kaufte mir stattdessen regelmäßig den ‚New Musical Express‘. Zusätzlich habe ich die englischen Sender im Radio gehört, so dass ich immer auf dem neuesten Stand war.“ Vom Opa bekam er seine erste Langspielplatte geschenkt: Freddy Quinn. „Die ist verschollen“, gibt der Musikliebhaber zu.

Ich hatte es nicht so mit dem Turnverein und kaufte mir stattdessen den ‚New Musical Express‘.

Wolfgang Löltgen

Aber 1964 kaufte er sich seine erste Single: „The House of the Rising Sun“ von der Band The Animals mit dem unvergleichlichen Eric Burdon am Mikrofon. „Ich denke, die habe ich bei Radio Weller gekauft“, erinnert er sich und geht etwas genauer auf den charismatischen Sänger der Band ein: „Burdon ist jetzt 80 Jahre alt. Und ihm ergeht es wie Keith Richards: Niemand hätte gedacht, dass die Herren so alt werden. Richards wird in zwei Jahren 80 Jahre alt.“

Der Hintergrund der Musiker hat ihn schon immer interessiert. „Wer hat mit wem warum gespielt?“ ist eine immerwährende Frage für Wolfgang Löltgen. Seine Recherchen begannen in einem Kino. Mitte der 60er Jahre lernte er dort die Band The Rattles kennen, damals noch mit Achim Reichel unterwegs. Casey Jones and the Governors waren eine der ersten Gruppen, die er live sah. „Wenn ich die Musik mochte“, erklärt er, „dann wollte ich die Musiker, wann immer es ging, auch live sehen.“

Rund 300 Künstler und Bands hat er erlebt, viele mehrfach, manche gar fünfzehn Mal. „Ich besuche lieber kleinere Konzerte. Gespräche mit den Musikern führen zu können, ist mir sehr wichtig.“ Trotz seiner vielen Konzerte hat er einige Musiker „verpasst“: Dass er die Beatles nie live gesehen hat, bedauert er. „Billy Joel ebenso, aber das mag noch kommen. Bei Roy Orbison ist es aber endgültig unmöglich.“ Zu Orbisons Musik hat er einen besonderen Draht, weshalb er eine LP des 1988 gestorbenen Musikers unbedingt mit aufs RGA-Foto nehmen wollte. „Diese LP ist mir wichtig“, sagt er.

Seine im Laufe der Zeit gewachsene LP-Sammlung hat er mit Einzug der CD verkauft. „Ich bin kein Sound-Freak“, gibt er zu. „Manche sagen: Die CD klingt kalt und eine Vinylscheibe viel wärmer. Ich sehe das nicht so.“ Hin und wieder denkt er etwas melancholisch an die LPs. „Aber dann lege ich eine meiner 5000 CDs auf und freue mich an der Musik. Außerdem habe ich vieles, was ich als LP besaß, nachgekauft und besitze es jetzt als CD.“

Seine Anekdoten über Musiker sind zahllos. Er weiß, welcher Schlagzeuger beim Soundcheck glatzköpfig spielte und später beim Konzert mit opulenter Perücke auftrat. Er weiß, warum Bernie Elliot, Drummer von den Hollies, im Konzert einen Drumstick zerbrochen hat, der nunmehr im Besitz von Wolfgang Löltgen ist. Er erzählt gerne und viel von seinen mit dem Wohnmobil zurückgelegten Konzertreisen und zumeist humorvolle Geschichten über die Musiker.

Einen ganzen Stapel Konzertkarten hat er noch, Konzerte, die wegen Corona verschoben werden mussten. „Aber die werden ja hoffentlich alle irgendwann nachgeholt“, hofft er.

Zur Person

In seinem Berufsleben war Wolfgang Löltgen als Diplom-Verwaltungswirt bei der Stadt beschäftigt. Seine Konzertreisen unternimmt er gemeinsam mit seiner Frau. „Ein Glück, dass ich sie vor 20 Jahren kennengelernt habe“, sagt er. „Wenn sich die Liebe zur Musik derart ergänzt, dann ist das auch eine feine Sache.“ Musikalisch ist Löltgen nicht festgelegt. Er hört alles zwischen Wolfgang Petry, den er für unterbewertet hält, bis hin zu Metallica. Sein Herz gehört den Rock-Balladen. „Stimmungen sind wichtig“, sagt er.

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