Fenstertalk

Enttabuisieren beginnt regional

Erden Ankay-Nachtwein (v. l.) kam mit Carmen Manstein, Kerstin Hohs, Barbara Servos und Consuelo Wrobel ins Gespräch. Foto: Alexandra Dulinski
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Erden Ankay-Nachtwein (v. l.) kam mit Carmen Manstein, Kerstin Hohs, Barbara Servos und Consuelo Wrobel ins Gespräch.

Pro Familia machte mit Fenstertalk auf Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. 150 Jahre Paragraf 218 sind genug. Auf das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen machte die Pro Familia Beratungsstelle gestern erneut aufmerksam und lud zu einem „Fenstertalk“ an der Winkelstraße ein. Der Paragraf 218 im Strafgesetzbuch stellt eine Abtreibung ohne vorherige Beratung unter Strafe – eine Situation, die Frauen unter Druck setzt, in der eine Beratung zur Zwangssituation wird, berichtet Beraterin Barabara Servos.

„Das Thema ist für Frauen unheimlich wichtig. Das sollte für Männer genau so wichtig sein. Kommt ein Kind auf die Welt, sind beide Geschlechter beteiligt“, sagt SPD-Politikerin Erden Ankay-Nachtwein, die mit den Beraterinnen ins Gespräch kam. Frauen seien fähig, selbst zu entscheiden, was sie leisten können. Denn ein Kind brauche Zuwendung und Betreuung. „Das muss alles geleistet werden“, sagt sie.

Die Vorsitzende des Integrationsrates merkt immer wieder, dass es nicht reicht, nur auf die Straße zu gehen. Das Wahlverhalten müsse sich auch ändern. „Konkrete Handlungen fehlen. Frauen müssen sich in der Politik viel mehr beteiligen.“

Nicht nur sie, auch die Beraterinnen von Pro Familia merken, dass es in anderen Ländern zur Normalität gehört, innerhalb der Familie einen Schwangerschaftsabbruch zu beratschlagen – ein Abbruch ist dort nicht unter Strafe gestellt. Die Offenheit fehle durch den Paragrafen 218 in Deutschland, stellt Beraterin Kerstin Hohs fest. Viele Frauen trauten sich nicht, darüber zu reden.

Eine große Rolle spielt bei dem Thema Enttabuisieren auch die Versorgungslage in Remscheid. Auch Ärzte werden stigmatisiert, gehen teilweise ins Minus, erklärt Consuelo Wrobel. In Remscheid führen zwei Arztpraxen Abtreibungen durch. Die Folge: Viele Frauen müssen weit reisen, müssen sich von Verwandten oder Bekannten in einer anderen Stadt abholen lassen. „Es müssen Leute eingeweiht werden“, sagt Barbara Servos. Und: „Wie fährt man von Rade nach Remscheid und dann weiter nach Wuppertal mit dem Bus, wenn man um acht Uhr in der Praxis sein soll?“ Regional thematisieren wollen die Beraterinnen, um das Thema Schwangerschaftsabbruch ins Gespräch zu bringen.

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