Kraftstoffe sollen günstiger werden

Entlastungspaket im Juni: Tankstellen in Remscheid befürchten hohen Ansturm

Als Pendler tankt Carl Niemeyer einmal die Woche. Die Steuersenkungen sollen den Geldbeutel etwas schonen.
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Als Pendler tankt Carl Niemeyer einmal die Woche. Die Steuersenkungen sollen den Geldbeutel etwas schonen.

Auch in Remscheid werden zum Start der Steuersenkungen Staus und Engpässe erwartet.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Nicht nur das 9-Euro-Ticket wird mit dem Entlastungspaket der Bundesregierung ab dem 1. Juni aktiv, auch Benzin und Diesel sollen für drei Monate wieder günstiger werden. Durch Steuersenkungen von 30 Cent pro Liter für Benzin und 14 Cent für Diesel soll der Geldbeutel kurzfristig etwas geschont werden.

Für Tankstellen bedeutet das jedoch, dass diese sich auf einen großen Andrang vorbereiten müssen, denn viele Betreiber rechnen damit, dass lange Schlangen vor den Zapfsäulen entstehen werden. „Vermutlich werden viele ihren Tank vor dem 1. Juni noch mal leerfahren, um dann direkt günstiger zu tanken“, sagt Max Tesche von der familiengeführten Tankstelle Tesche in der Oberhölterfelder Straße.

Grundsätzlich seien einige wegen der hohen Preise weniger mit dem Auto unterwegs und würden die Senkungen vermutlich voll und ganz ausnutzen. „Da ist ein großer Trotz entstanden“, fügt Tesche hinzu. Immer wieder seien die Kunden über die hohen Preise schockiert und verärgert.

Ab 1. Juni: Tankstellen befürchten Engpässe bei Diesel und Benzin

So sehr man diese Einstellung auf emotionaler Ebene verstehen könne, eigentlich wäre aber leerfahren und dann tanken nicht der richtige Weg. „Es bringt niemandem etwas, wenn die Tankstellen leergetankt werden“, so Tesche. Das könnte aber passieren, selbst wenn man wie bei der Tankstelle Tesche beispielsweise schon mit der Bevorratung beginne.

Problematisch sei daran aktuell nun, dass bisher Kraftstoff mit dem alten Steuersatz eingekauft würde, während dann ab dem 1. Juni mit einem neuen Steuersatz verkauft würde. Im Moment gebe es aber keine Aussage dazu, ob die jetzt mehr anfallenden Steuern den Tankstellen zurückerstattet würden oder ähnliches, sagt Max Tesche. Die Bevorratung sei notwendig, aber eben auch finanziell nicht unerheblich.

Tankstelle: Benzinpreise steigen bis Juni an

Bei der Tankstelle Kula in Bergisch Born ist man indes nicht begeistert über die Steuersenkungen, weil bisher einfach vieles nicht geklärt sei. Die Preise schwankten ohnehin, sagt Cetin Kula, der die Tankstelle betreibt. Es liege auch im Bereich des Möglichen, dass die Preise bis zur ersehnten Steuersenkung noch weiter ansteigen, so dass der Preis letztlich doch auf einem Niveau um die zwei Euro bliebe.

„Für uns Tankstellen hat die Senkung kaum einen Vorteil, den hat nur der Endverbraucher“, so Kula. Da es auch keine durchdachten Konzepte und Richtlinien gebe, findet es der Betreiber durchaus schwer, sich wirklich darauf vorzubereiten.

Die Kunden der Tankstelle Tesche sind durchaus zwiegespalten, was die Steuersenkung betrifft. Einerseits begrüße er die finanzielle Erleichterung, aber es sei gleichzeitig nur ein temporäres Trostpflaster, sagt Carl Niemeyer, der den langen Weg zur Ruhr-Universität Bochum mit dem Auto fährt. In der Woche fielen für ihn derzeit um die 80 Euro an, viel Geld für einen Studenten. Eine längerfristige Lösung würde er deswegen begrüßen.

Diese sollte jedoch kommen, sagt Tesche. „Mittel- bis langfristig wird sich der Rohölpreis auch runterregulieren und damit auch die Preise für Benzin und Diesel. Vor allem, wenn neue Zulieferer dazukommen.“

Tankstellenbesitzer: Jemand macht aktuell großen Reibach

Und es gebe genug Vorkommen und auch andere Anbieter, die Deutschland gerne beliefern würden. Momentan würde jedoch irgendwer ziemlich viel Geld an den Deutschen verdienen. Die Steuersenkung würde auch daran nichts ändern, der Rohölpreis bleibe ja nach wie vor hoch. „Solange am Rohölpreis nichts getan wird, befeuern wir auch nur den Krieg in der Ukraine“, fügt Cetin Kula hinzu.

Hinweis

Auch der ADAC befürchtet einen Ansturm mit langen Staus und Engpässen auf die Tankstellen in den ersten Juni-Tagen. Allerdings rät der Automobilclub auch dringend davon ab, den Tank bis auf den letzten Tropfen leerzufahren. Eher sollte gut gehaushaltet und die Tankanzeige im Blick behalten werden. Dann sei genug Kraftstoff im Tank, um über diese Zeit zu kommen, ohne Gefahr zu laufen, liegenzubleiben.

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