Komödie

Ensemble meistert brillant Balanceakt

Matthias Happach (Michael), Mathias Hermann (Paul) und Mona Seefried (Mutter Carola) überzeugten mit Witz, ohne Klischees.Foto: Roland Keusch
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Matthias Happach (Michael), Mathias Hermann (Paul) und Mona Seefried (Mutter Carola) überzeugten mit Witz, ohne Klischees.

Komödie „4000 Tage“ im Teo Otto Theater.

Von Sabine Naber

Remscheid. Wenn sich ein Regisseur auf der Theaterbühne mit dem Thema Amnesie auseinandersetzt, dann ist das sicherlich ein schwieriger Balanceakt zwischen Komödie und Drama. Boris Aljinovic und seinen drei Protagonisten ist es am Mittwochabend großartig gelungen, den Gästen im Theatersaal das ernste Thema respektvoll und sensibel, gleichzeitig aber unterhaltsam, mit Witz und ganz ohne Klischees nahe zu bringen. Zum Dank gab es am Ende viel Applaus und Standing Ovations.

Seit drei Wochen liegt Michael (Matthias Happach) im Koma. An seinem Krankenhausbett wachen Tag und Nacht seine Mutter Carola (Mona Seefried) und sein Lebensgefährte Paul (Mathias Herrmann). Die beiden gehen sich seit Jahren aus gegenseitiger Abneigung aus dem Weg. Jetzt aber verbindet sie die Sorge um Michaels Gesundheit.

Als Michael aus dem Koma erwacht, fehlen ihm sämtliche Erinnerungen an die letzten elf Jahre. Es sind genau die 4000 Tage, in denen er mit Paul zusammengelebt hat. Während Paul alles daran setzt, dem Gedächtnis seines Partners auf die Sprünge zu helfen, versucht Carola, das Rad der Zeit, die Michael ihrer Meinung nach mit Paul vergeudet hat, zurückzudrehen.

Und die beiden schenken sich nichts am Krankenbett: „Sie speichern alles wie ein Computer und spucken es als Gemeinheit wieder aus“, fährt Paul Carola an. „Nur weil Sie eine Einbahnstraße sind, ist mein Sohn in einer Sackgasse gelandet. Sie haben ihn ruiniert, ihn beige angestrichen“, macht ihn Carola dafür verantwortlich, dass ihr Sohn statt als Künstler als Versicherungsagent sein Geld verdient.

Das kleine Ensemble ist spielfreudig, verkörpert die anspruchsvollen Rollen großartig. Paul verzweifelt fast daran, dass sein Michi sich nicht an ihn erinnert. Am Ende aber ermutigt er ihn: „Du hast eine zweite Chance bekommen, das alles zu vergessen. Du solltest sie ergreifen.“

Michael, auf den sein Krankenzimmer wie der Vorhof zur Hölle wirkt, greift seine künstlerischen Ambitionen wieder auf, macht ein wildes, buntes Kunstobjekt aus dem hochkant gestellten Bett, den verschnürten Decken, Kissen und Laken (tolles Bühnenbild von Anna Myka Kasten). Und fragt Paul: „Ich bin nicht reich, mein Ego ist zu groß, wie bist du nur auf mich gekommen?“

Für Carola steht nicht mehr die Trennung zwischen den beiden Männern an erster Stelle, sondern der Wunsch, Michael solle ganz, ganz vorsichtig sein bei jedem Schritt in sein neues Leben. Alle drei erscheinen am Ende demütig, setzen sich mit den Tatsachen auseinander.

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