Straßenname

Enkelin des Bodenreformers lebt in Remscheid

Straße wurde nach Adolf Damaschke benannt.
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Straße wurde nach Adolf Damaschke benannt.

Straße wurde nach Adolf Damaschke benannt – Bökerhöhe folgte seinem Ideengut.

Von Andreas Weber

In fast 200 Städten Deutschlands lebt sein Name durch Ortsteile, Straßen, Plätze, Brücken und Kleingartensiedlungen weiter. Der Bodenreformer Adolf Damaschke ist auch in Remscheid vertreten. In der beschaulichen Siedlung Bökerhöhe ist die Damaschkestraße rund um den Elisabethplatz eine der drei Hauptadern.

Bökerhöhe und Damaschke folgen einer Leitlinie. Der 1865 in Berlin geborene Damaschke gründete 1898 den Bund Deutscher Bodenreformer. Über 37 Jahre war er dessen Vorsitzender. Der Volksschullehrer, freie Schriftsteller und Zeitungsredakteur verschrieb sich als Bodenreformer seinen sozialen Idealen. „Dass das Anhäufen von Grundeigentum in den Händen Weniger unmittelbar oder in Form von Bodenverschuldung bei allen Völkern verhängnisvolle Folgen hat“, war eine elementare Erkenntnis, die Damaschke Zeit seines Lebens antrieb.

Die Lobby des streitbaren wie umstrittenen Reformers war phasenweise so groß, dass der parteilose Damaschke 1922 für den Fall einer Volkswahl zum Kandidaten für das Amt des Reichspräsidenten gekürt wurde. Am Ende verständigte sich der Reichstag mit Zwei-Drittel-Mehrheit auf Friedrich Ebert, die Volkswahl entfiel.

Dennoch hatten Damaschkes Ideen Gewicht. Die Siedlung Bökerhöhe wurde zwischen 1922 und 1929 nach dem Gedankengut von Adolf Damaschke errichtet. Initiatoren waren der Unternehmer Moritz Böker, die Stadt und der 1921 von Privatpersonen auf der Grundlage der Bodenreformideen genossenschaftlich gegründete Bürgerverein Bökerhöhe. Dieser ist bis heute aktiv.

Im Frühjahr ist die erweiterte Neuauflage eines Buches über Adolf Damaschke zu seinem 150. Geburtstag erschienen. Die Biografie von Klaus Hugler ist 162 Seiten stark und trägt den Titel „Gesinnung und Tat“ (Preis: 10 Euro). Darin heißt es: „Schärfste Ablehnung und größte Ehre fand der Volksmann, der heute fast völlig in Vergessenheit geraten ist.“

Der dreifache Vater starb am 30. Juli 1935 in Berlin nach einem Krebsleiden. Beigesetzt wurde er in Werder/Havel, wo er lange gelebt hatte. „Wer weiß noch, dass er für den Friedensnobelpreis nominiert wurde und seine Impulse gerade in unserer Zeit wieder aktuell werden“, spricht Klaus Hugler von einem „Erinnern für die Gestaltung unserer Zukunft“.

Bis heute bestehen hiesige Berührungspunkte nicht nur über die Bökerhöhe. Seine Enkelin Inge Koubek-Holz, die den Opa nie kennenlernte, lebt seit 1974 in Remscheid. Ihre Mutter war die zweite der drei Töchter von Adolf Damaschke und seiner Frau Julie. „Der größte Teil des familiären und beruflichen Besitzes von Adolf Damaschke verbrannte bei einem Bombenangriff 1943 in Berlin, doch einige Unterlagen sind weiterhin vorhanden“, meint Inge Koubek-Holz.

Neben ihrer Person gibt es eine weitere Verbindung: Damaschkes Schwager Dr. Fritz Kögel meldete 1885 das Patent der nahtlosen Röhren im Auftrag seiner Vettern Max und Reinhard Mannesmann am Kaiserlichen Patentamt in Berlin an. Kögel engagierte sich anschließend einige Jahre von Remscheid aus beim Aufbau der Mannesmann Röhrenwerke. Foto: Roland Keusch

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