Sparen

Energiekrise: So heizen die Theater

Theater-Chef Lutz Heinrichs (l.) und Gebäudemanager Thomas Judt im „U-Boot“, dem Heizungsraum des Teo Otto Theaters. Die Steuerung erfolgt zentral über eine elektronische Leitzentrale, die sich an der Hindenburgstraße befindet.
+
Theater-Chef Lutz Heinrichs (l.) und Gebäudemanager Thomas Judt im „U-Boot“, dem Heizungsraum des Teo Otto Theaters. Die Steuerung erfolgt zentral über eine elektronische Leitzentrale, die sich an der Hindenburgstraße befindet.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Kulturstätten rechnen mit ungefähr den dreifachen Kosten. Sie hoffen auf einen Sonderfonds.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. 570 287 Kilowattstunden – das stand am Ende des Jahres 2021 auf der Heizuhr der größten Remscheider Kulturstätte, dem Teo Otto Theater. Macht allein 30 000 Euro für Gas. Eine ganz andere Größenordnung als jeder Privathaushalt. Schließlich müssen nicht nur der große Saal, sondern auch alle Nebenräume, Büros, und die Werkstatt beheizt werden. Künftig rechnet der städtische Gebäudemanager Thomas Judt mit einer Kostensteigerung von 30 Prozent. Die Belieferung wird ausgeschrieben. „Wir kaufen immer früh ein, meist ein halbes Jahr vorher.“

Besonders viel verbraucht hat das Theater im Vergleich zu den Vorjahren aber nicht: Während 2014 noch satte 702 513 Kilowattstunden unterm Strich standen, sei der Verbrauch seit 2017 in etwa gleich geblieben. In dem Jahr wurde die Heizung übrigens auch saniert. Und natürlich hängt der Verbrauch auch von der Außentemperatur ab. „Wir versuchen immer, Ressourcen und damit natürlich auch Kosten zu schonen“, sagt Judt.
„Kulturloge“ könnte Theatern in Remscheid helfen

Bei Neubauten werde energetisch gedacht: Beim Neubau der AES-Fünffachhalle komme erneuerbare Energie zum Einsatz, beim Neubau des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung nutze man Geothermie, Wärmepumpe und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage (PV).

Die wäre auch fürs Teo Otto Theater schön – bislang scheiterte es aber am Denkmalschutz. Nach einer Änderung im Denkmalschutzrecht sei eine PV-Anlage nun grundsätzlich möglich, Knackpunkt sei aber die Befestigung auf dem teilweise runden Theaterdach. Wie könnte das erste Haus am Platz effizienter werden? „Eine Idee wäre eine neue Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, um Gas zu sparen“, sagt Thomas Judt. Die Frage sei aber, ob sich das rechne. Zudem bräuchte man für solch ein Vorhaben Vorlauf, damit die Spielzeit nicht gefährdet werde.

Wer hier zurzeit ein Konzert oder ein Schauspiel besucht, findet sich in einem 19 Grad warmen Saal wieder. Kalt ist es hier eigentlich nie – im Sommer wird es durch die fehlende Klimaanlage zuweilen heiß. Eine Lüftungsanlage gibt es natürlich, die auch in Corona-Zeiten zertifiziert wurde. Was nicht genutzt wird, wird aktuell auf 16 Grad runtergefahren. Bevor die Männer morgens in der Werkstatt ihre Arbeit aufnehmen, ist der Raum aber schon wieder 19 Grad warm.

Das macht Theater-Chef Lutz Heinrichs übrigens nicht selbst: Eine Leitzentrale steuert die Viessmann-Heizungsanlage mit zwei Kesseln und zehn Kreisläufen elektronisch von der Hindenburgstraße aus. Einzelne Stränge können so über die elektronischen Pumpen abgeschiebert werden. Sollte die Heizung einmal nachts ausfallen, erhält der Kollege des Gebäudemanagements, der Rufbereitschaft hat, eine SMS aufs Handy – und kann dann reagieren.

Klosterkirche: Das große, alte Minoritenkloster wird mit Gas beheizt. Die Klosterkirche hat aktuell Glück im Unglück. „Wir haben langfristige Verträge, dank denen wir noch eine Preisbindung haben“, sagt Kulturmanagerin Andrea Preker. Zudem sei die Kloki von Januar bis März ohnehin wegen der umfangreichen Sanierungsarbeiten geschlossen. Im April geht es wieder los. „Wir hoffen, dass sich die Lage dann entspannt hat.“
Remscheider Kirchen schalten die Heizung ab

WTT: Das Theater im Studio wird mit Öl beheizt, die Büroräume vorn mit Gas. „Da wir noch keine Abschläge bekommen haben, können wir zum Gas nichts sagen. Beim Öl rechnen wir ungefähr mit den dreifachen Kosten“, sagt Intendantin Claudia Sowa. Vor der Krise habe man 60 Euro pro Liter gezahlt, jetzt 150. „Wie wir die Mehrkosten auffangen, wissen wir noch nicht“, sagt sie und betont: „Wir haben in jedem Fall nicht vor, unsere Eintrittspreise zu erhöhen.“ Nötigenfalls werde man weniger Vorstellungen anbieten, wenn der Zuschauerzuspruch nicht zufriedenstellend sei. „Ein Sonderfonds wäre zu begrüßen“, sagt Sowa.

Rotationstheater: David Schmidt vom Rotationstheater und der Schule für Musik, Tanz und Theater in Lennep rechnet künftig mit 1200 Euro monatlich für die 600 Quadratmeter, die beheizt werden – nur für Gas. „Das können wir allein nicht mehr bewerkstelligen. Das könnte ich selbst durch eine Erhöhung der Preise nicht kompensieren.“ Er hofft stark auf einen Sonder-Energiefonds für Kulturstätten. „Anders geht es nicht.“

Wenig Publikum

Theater-Chef Lutz Heinrichs macht sich „richtig Sorgen“. Denn: „Wir sind froh, wenn wir 200 bis 250 Gäste an einem Abend im Haus haben.“ Ausgelegt sei das Haus auf 600. Auch im WTT laufen nur die Kinderstücke gut.

Am 29. Oktober findet die Kulturnacht statt - Alle Infos im Überblick

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
Trauer um Markus Wolff
Trauer um Markus Wolff
Trauer um Markus Wolff
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung

Kommentare