Krise

Energie: Für den Winter sieht es in Remscheid gut aus

Sven Wolf (v. l.), OB Burkhard Mast-Weisz (beide SPD), Patrick Schreiner (Verdi) und Klaus Günther Blombach (EWR) diskutierten im Werkzeugmuseum.
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Sven Wolf (v. l.), OB Burkhard Mast-Weisz (beide SPD), Patrick Schreiner (Verdi) und Klaus Günther Blombach (EWR) diskutierten im Werkzeugmuseum.

Experten debattierten auf Einladung der SPD über die Gas- und Stromversorgung.

Von Sabine Naber

Remscheid. Die Frage, wie die Remscheider steigende Energiepreise und eventuell drohende Versorgungslücken verkraften können, stand am Dienstagabend im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Deutschen Werkzeugmuseum in Hasten.

Eingeladen dazu hatte die SPD-Arbeitsgemeinschaft „60plus“. Vorsitzender Gerd Münnekehoff begrüßte neben zahlreichen Interessenten Oberbürgermeister (OB) Burkhard Mast-Weisz, Remscheids Landtagsabgeordneten Sven Wolf, Patrick Schreiner von der Gewerkschaft Verdi sowie Klaus Günther Blombach von der EWR und gab das Mikro an die Journalistin Corinna Schlechtriem weiter.

„13,8 Millionen Deutsche leben hier in Armut. Und dann wird von einem neuen, gerechten Jahr 2023 gesprochen. Wie geht das?“, wollte sie wissen. „Daran müssen wir alle arbeiten. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass die Schere zwischen arm und reich immer größer wird“, befand der OB. Das Durchschnittseinkommen sei in Remscheid nicht sehr hoch. Er rechne damit, dass sich beispielsweise die Zahl der Wohngeldempfänger verdreifachen wird. Das System aber, durch das die Menschen das Geld bekommen sollen, würde frühestens im April funktionieren: „Wir müssen Mitarbeitende finden und sie in das komplizierte Verfahren einarbeiten.“ Die größten Sorgen würden ihm die Menschen machen, die ohnehin schon nicht viel Geld übrig hätten.

„Das stellt unsere Demokratie vor eine Bewährungsprobe. Der Feind der Demokratie sitzt im Kreml, er hat auch den Wirtschaftskrieg ausgelöst“, sagte Sven Wolf. „Hartz IV reicht nicht aus. Ich finde es richtig, dass sich die Landesregierung einschaltet, weil ja auch die Wirtschaft immense Schwierigkeiten hat“, macht Patrick Schreiner deutlich. In der gesamten Volkswirtschaft würde das Geld geringer.

Lesen Sie auch: Unabhängig vom Gas? So wird das nichts

Dass alle für eine geraume Zeit vom günstigen Gas aus Russland profitiert haben, daran erinnerte Klaus Günther Blombach. Das habe die EWR die vergangenen fünf Jahre an die Kunden weitergegeben. Auch er macht sich Sorgen um die Menschen, die es bisher so gerade geschafft hätten: „Die stehen dann zum Teil mit Tränen in den Augen im Kundenzentrum. Es ist gut, dass es Unterstützung gibt.“ Für diesen Winter sehe es gut aus. Der Gasspeicher sei zu 95 Prozent gefüllt, die Preise würden etwas runter gehen. Zwei Terminals mit Flüssiggas seien inzwischen in Betrieb gegangen. „Das Gas von dort kostet zwischen sechs und acht Cent, russisches Gas haben wir für zweieinhalb Cent eingekauft.“ Dass mit Uniper ein wichtiger Energieversorger weitgehend verstaatlicht wurde, sei eine ganz wichtige Entscheidung gewesen. Aber Uniper agiere sehr vorsichtig.

„Eine Stärke unserer Stadt ist, dass wir einen kommunalen Energieversorger haben. Wir werden beispielsweise im Vorfeld informiert, wenn irgendwo in unserer Stadt der Strom, das Gas gekappt werden soll“, macht Sven Wolf deutlich.

Stadtchef erinnert an hohen Schuldenstand

„Wird es Versorgungslücken in Remscheid geben?“, wollte ein Zuhörer von ihm wissen. „Beim Gas keine, beim Strom liegt es am europäischen Netz.“ Da könne es passieren, dass in einzelnen Stadtteilen der Strom ausfällt. „Wir kalkulieren mit einer Beschaffungszeit von zweieinhalb Jahren. Das gibt Kontinuität“, versicherte Blombach.

„Die Stadt hat hohe Schulden. Das macht mich sehr unruhig“, gab ein Zuhörer zu. „Ohne Hilfe von Bund und Land kommen wir da nicht raus“, bestätigte der OB mit Blick auf die Altschulden. Über 60 Millionen Euro habe die Stadt zurückgezahlt. „Dann kam Corona, dann die Ukraine.“

Hintergrund

Als Alleinstellungsmerkmal der EWR (Energie und Wasser GmbH Remscheid) bezeichnete Klaus Günther Blombach, dass es für die Remscheider Ansprechpartner gebe, an die man sich als Kunde wenden kann. Sorge bereitet ihm die Abhängigkeit vom Gaslieferanten. „Erst war es Putin, jetzt ist es Norwegen. Wenn an dieser Pipeline etwas passiert, würde das Deutschland empfindlich treffen. Die EWR zählt auch zum Kreis der Windparkbetreiber.“

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