Schauspiel

Am Ende entscheidet das Publikum

Pfarrer i.R. Johannes Haun referierte über das Stück „Gott“ von Ferdinand von Schirach, das morgen im Theater aufgeführt wird.Foto: Roland Keusch
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Pfarrer i.R. Johannes Haun referierte über das Stück „Gott“ von Ferdinand von Schirach, das morgen im Theater aufgeführt wird.

Pfarrer Johannes Haun erläuterte bei Teos Theater Treff das Schauspiel „Gott“.

Von Sabine Naber

Remscheid. In seinem hoch aktuellen Schauspiel „Gott“, das am Dienstagabend vom Studio Landgraf auf der Bühne des Teo Otto Theaters gezeigt wird, setzt sich Ferdinand von Schirach mit der Frage auseinander, wem eigentlich unser Leben gehört. Und nähert sich damit einer der umstrittensten Fragen der Menschheitsgeschichte.

Pfarrer Johannes Haun war gestern Vormittag zu Gast bei Teos Theater Treff. Er stellte das Stück vor und machte Einzelheiten der unterschiedlichen Argumentationen deutlich. Denn in diesem Theaterstück geht es zu wie in einem Gerichtssaal. Und der Pfarrer stellte zur Debatte, ob dabei der Einzelfall wirklich eine Rolle spielt, oder ob es dem ehemaligen Berliner Strafverteidiger Schirach eigentlich um ein Plädoyer gegen den Paragrafen 217 geht.

Stück basiert auf eine Entscheidung des Verfassungsgerichts

Im Februar dieses Jahres wurde der Sterbehilfe-Paragraf im Strafgesetzbuch für nichtig erklärt und das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben anerkannt. Zunächst stellte Haun den Autor vor. Von Schirach wurde 1964 in München geboren, wuchs im Schwarzwald auf und besuchte ein Jesuitenkolleg. Später berichtete er über Missbrauchsfälle, die dort stattgefunden hatten. Als Strafverteidiger machte er sich einen Namen in Berlin, verteidigte beispielsweise SED-Politbüromitglied Günter Schabowski. „Mit der NS-Vergangenheit seines Großvaters Baldur von Schirach setzte er sich mit Scham und Wut auseinander“, machte der Pfarrer deutlich. Schirachs Bücher, in denen er sich ausschließlich Themen widmet, die mit seinem Beruf zu tun haben, wurden zu Bestsellern.

Die Grundlage des Stücks „Gott“ ist das neue Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. „Ehemals war das Sterben schicksalhaft vorgegeben, inzwischen reicht das Spektrum von mitmenschlicher Sterbebegleitung bis hin zu medizinisch begleitetem Suizid“, brachte es Johannes Haun auf den Punkt. Daraus resultiere Eigenverantwortung: „Und damit sind wir gar nicht so vertraut, eher noch unsicher.“ Suizid ist nicht strafbar, wird oft einer Erkrankung, zum Beispiel Depressionen zugeschrieben.

Es geht im Theaterstück um den 78 Jahre alten Architekten Richard Gärtner. 42 Jahre war er verheiratet, vor drei Jahren ist seine Ehefrau, mit der er drei Söhne hat, an einem Gehirntumor gestorben. Der Mann ist nicht krank, nur lebensmüde. „Gärtner beantragte, eine tödliche Menge des Barbiturates zu bekommen. Das wurde ihm verweigert. „Alleine kann ich es nicht. Ich bin noch da, sie nicht mehr. Das ist nicht richtig“, liest der Pfarrer aus Schirachs Buch vor.

Im Theaterstück berät der Deutsche Ethikrat über das Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Die Entscheidung wird beim Publikum liegen. „Im Leben ans Sterben denken“, das empfahl der Pfarrer seinen Zuhörern.

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