Verkehrslotsen gesucht

Eltern sollen den Schulweg in Remscheid sicherer machen

Schulleiterin Verena Gerling sowie Polizist Stephan Keller (v. l.), Bernd Schäfer und Michael Brandenstein (beide Verkehrswacht) warben an der Walter-Hartmann-Grundschule um Elternlotsen. Foto: Roland Keusch
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Schulleiterin Verena Gerling sowie Polizist Stephan Keller (v. l.), Bernd Schäfer und Michael Brandenstein (beide Verkehrswacht) warben an der Walter-Hartmann-Grundschule um Elternlotsen.

Die Walter-Hartmann-Grundschule sucht Verkehrslotsen.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Die Sommerferien bedeuten für Grundschulen jedes Jahr einen Umbruch. Die i-Dötzchen müssen sich in der neuen Umgebung zurechtfinden, während die Viertklässler auf die weiterführende Schule wechseln – samt ihren Eltern. An der Walter-Hartmann-Grundschule führt genau das zu Problemen. Durch den Wechsel fehlen an der Sedanstraße Elternlotsen. Dabei ist deren Präsenz in der anbrechenden dunklen Jahreszeit besonders wichtig.

An vier Remscheider Grundschulen gibt es das Angebot momentan, erklärt Stephan Keller. Er ist bei der Polizei im Bereich Verkehrsunfallprävention tätig. Den Anfang machte die Katholische Grundschule Menninghausen. Die Einrichtungen Siepen, Walter-Hartmann und Reinshagen zogen nach. An jedem Schultag sind dort von 7.30 bis 8 Uhr im Regelfall zwei Lotsen im Einsatz. „Sie suchen Lücken im Verkehr und sperren die Straße kurzzeitig für die Kinder“, erklärt Keller. Warnwesten und Kellen stellt die Verkehrswacht. Eine kurze Schulung gibt es von der Polizei.

Nahe der Walter-Hartmann-Grundschule stehen die Elternlotsen an der Kreuzung Sedan-/ Sichern-/ Metzer Straße. „Dieser Bereich ist sehr kompliziert“, sagt Bernd Schäfer. Er ist seit drei Jahren Geschäftsführer der Verkehrswacht Remscheid. Umso wichtiger ist es, dass die Kinder dort Unterstützung erhalten. Und zwar täglich „Alles andere verunsichert die Kinder.“

„Die Situation mit Elterntaxis ist katastrophal.“ 

Bernd Schäfer, Verkehrswacht

Um das Angebot aufrechtzuerhalten, braucht es Keller zufolge einen gewissen Stamm an Ehrenamtlern. „Je mehr mitmachen, desto seltener sind die einzelnen Lotsen im Einsatz“, betont der Polizist. Er ist hoffnungsvoll, dass der Dienst an der Walter-Hartmann-Schule nach den Herbstferien mit ausreichender Truppenstärke wieder starten kann.

Die Eltern sind beim Thema sicherer Schulweg also durchaus ein Teil der Lösung – jedoch auch des Problems. Denn dass es beispielsweise an der Sedanstraße zu gefährlichen Situationen kommt, liegt nicht zuletzt an Mamas und Papas, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. „Die Situation mit Elterntaxis ist katastrophal“, bestätigt Bernd Schäfer. Auch Schulleiterin Verena Gerling und Stephan Keller wissen um die Problematik. Beide betonen jedoch, dass die meisten Kinder zu Fuß zur Schule gebracht werden. Dafür werben die Verkehrserzieher schon im Kindergarten. Nicht aus Selbstzweck: „Nur wer selbstständig im Straßenverkehr unterwegs ist, lernt, sich dort sicher zu bewegen.“

Doch nicht alle Kinder wohnen dicht genug an ihrer Schule, um sie zu Fuß zu erreichen. Deshalb wurden nahe der Grundschulen Walter-Hartmann und Reinshagen Eltern-Kind-Haltestellen eingerichtet. Dort können Eltern ihre Zöglinge mit dem Auto absetzen. Das letzte Stück gehen sie zu Fuß.

Möglicherweise bekommen in Zukunft weitere Remscheider Schulen solche zentralen Anlaufpunkte für Elterntaxis. Ein Dortmunder Planungsbüro arbeitet momentan an einem Projekt, bei dem es unter anderem um die individuelle Schulwegsicherheit der Remscheider Grundschulen geht, berichtet Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann. Im Sommer 2021 soll das Gutachten vorliegen, Zwischenergebnisse früher. Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, entscheidet die Politik.

Klar ist, dass auch die Stadt Handlungsbedarf an einigen Standorten sieht. „Teilweise herrschen chaotische Zustände“, räumt Beckmann ein. Es gehe darum, Alternativen aufzuzeigen. Der Amtsleiter ist zuversichtlich, dass das gelingt.

Ob das auch für die Walter-Hartmann-Grundschule gilt, ist fraglich. Gerling, Schäfer, Keller, Beckmann – sie alle sind sich einig, dass die an der Sedanstraße geplante Kita (| Kasten) die morgendliche Verkehrssituation verschärfen wird. Ein geplanter Fußweg zwischen Wörth- und Sedanstraße könnte die Lage etwas entzerren, hofft Werner Grimm. Der städtische Kita-Planer weiß aber auch: „Die Alternative wäre, dass es keine neue Kita gibt.“ Doch neue Plätze werden dringend gebraucht. 

Kita Sedanstraße

An der Sedanstraße entsteht eine Kita mit 80 Plätzen in vier Gruppen. Aktuell wartet Eckhard Lindemeier auf die Baugenehmigung. Er ist Geschäftsführer des Investors, der Lindex Projektierungs GmbH. „Wir haben die Bauunternehmen bei der Hand und wollen lieber gestern als morgen anfangen“, sagt Lindemeier. Er rechnet mit einer Bauzeit von rund acht Monaten. Fällt der Startschuss bald, könnte die Kita also im Sommer 2021 stehen.

Standpunkt: Intelligente Lösung

Von Manuel Böhnke

Wer das morgendliche Verkehrschaos an Grundschulen beenden möchte, braucht intelligente Lösungen.

manuel.boehnke@rga.de

Denn das Meckern über Elterntaxis allein bringt recht wenig, wenn deren Fahrer das Gefühl haben, dass ihre Kinder auf anderem Wege nicht rechtzeitig und vor allem sicher in der Schule ankommen. Doch wie könnten mögliche Ansätze im Konzept zur Schulwegsicherheit aussehen? Haben Sie zum Beispiel schon einmal von einem Walking Bus gehört? 

Die Grundidee ist schnell erklärt: Dabei handelt es sich um eine Gruppe Grundschüler, die mit erwachsenen Begleitern wie ein Linienbus feste Stationen abläuft und dort neue Kinder einsammelt. Dieses langsame Heranführen soll sie zu selbstständigen Verkehrsteilnehmern machen. Ob Walking Bus, Eltern-Kind-Haltestellen oder andere Ideen – die zentrale Rolle spielen in diesem Prozess die Eltern. Sie sind es, die als Vorbilder durch ihr alltägliches Verhalten den wichtigsten Grundstein für die Verkehrserziehung ihrer Kinder legen. Und damit den größten Einfluss darauf haben.

Mit einem Brandbrief haben sich die Eltern der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Freiherr-vom-Stein an Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) gewandt. Ihre Kritik: Am GGS-Nebengebäude an der Hardtstraße tut sich seit drei Monaten nichts.

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