Familienzeit

„Eltern sind die Leuchttürme für ihre Kinder“

Kita-Leiterin Andrea Daun diskutierte mit (v. l.) Jörn Trümmner-Zietek, Martin Kuhl und Harun Göksu.
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Kita-Leiterin Andrea Daun diskutierte mit (v. l.) Jörn Trümmner-Zietek, Martin Kuhl und Harun Göksu.

Väterabend mit Pädagogin Andrea Daun: Wie wir Orientierung geben können.

Von Peter Klohs

Remscheid. Ein Väterabend in einer Kita ist eine nicht so häufig stattfindende Veranstaltung. In der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt an der Edelhoffstraße soll sie, so der Wunsch der Leiterin des Kita-Vorstands, Andrea Daun, aber regelmäßig stattfinden. „Der erste Väterabend war mit einem Dutzend Gästen sehr gut besucht“, erinnert sie sich. „Und wenn das Angebot gut angenommen wird, dann wird es damit auch 2023 weitergehen.“

Am Donnerstag kommen jedoch nur wenige Väter. Jörn Trümmner-Zietek, Martin Kuhl und Harun Göksu bilden ein Trio, das zum Thema „Grenzen und Konsequenzen“ mehr wissen will. Für Andrea Daun ist es, wie sie sagt, unerheblich, wie viele Väter ihr zuhören. „Ich mache das auch für einen“, erklärt sie. Und taucht in einer guten Stunde tief in das Thema „Formende Kräfte“ und „Innerer Kompass“ ein. Themen, die für die Entwicklung der Kinder mehr als nur wichtig, geradezu elementar sind.

„Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert“, beginnt die 1966 geborene Pädagogin den Abend. „Unsere Eltern wussten noch, was sie zu tun und was sie zu lassen hatten. Der Begriff ‚man‘ war immer dabei. ‚Das tut man doch nicht‘ ist ein Beispiel dafür. Sie lebten nach fest eingebrannten Regeln. Und ob man das nun gut oder schlecht findet, bewirkte es, dass die Menschen, und vor allem die Kinder, eine Orientierung hatten. Das war eine Gehorsamskultur, an die sich alle gehalten haben. Heute ist jedoch Kreativität gefragt.“

Andrea Daun erklärt die Werte, die die Orientierung für Kinder sein können: Die Moral ist der erste Punkt. Als Beispiel führt sie Homosexualität an. „Als ich ein Kind war, war Homosexualität nicht nur verpönt, es war strafbar“, erinnert sie an den ehemaligen Paragrafen 175, der bis 1994 gültig war. „Und heute dürfen diese Menschen heiraten. Vermitteln Sie Ihre Sicht der Dinge an ihre Kinder und geben ihnen so Orientierung.“ Weitere Punkte der formenden Kräfte, die in jedem Kind in den ersten sechs Lebensjahren gebildet werden, sind Tradition und Armut. „Traditionen sind wichtig“, erläutert die Referentin. „Ein regelmäßiges Gebet zum Mittagessen kann prägend sein“, gibt sie ein Beispiel. Allerdings gibt es Grenzen in den Traditionen. „Den Knecht Ruprecht mit der Rute – den sieht man heutzutage nicht mehr so gerne.“

„Die Eltern müssen der Leuchtturm für ihre Kinder sein“, resümiert die Pädagogin. „Früher war Gehorsam die vorherrschende Erziehungsidee. Heutzutage ist es ein Begleiten. Kinder brauchen keine Grenzen. Sie brauchen Eltern, die Grenzen haben. Für das Kind ist ein ‚Ja‘ für sich immer ein ‚Nein‘ gegen die Eltern. Und wenn sich das so zeigt, ist der wichtigste Ratschlag: Nie persönlich nehmen! Wir Eltern begleiten unsere Kinder, um sie eines Tages zu trösten, wenn die Tochter bemerkt, dass der angebetete Junge gar nichts von ihr wissen will.“

Und sie fordert eine klare Sprache ein. „Im ‚Wir‘ kann ein Kind kein ‚Ich‘ erkennen“, weiß sie. ‚Das brauchen wir nicht‘ heißt es ja oft, wenn Kinder etwas haben möchten, was die Eltern aber nicht kaufen wollen oder können. Was heißt das: Wir? Das Kind braucht das in diesem Moment bestimmt.“ Die Pädagogin schließt: „Es ist nicht die Frage, ob ich mein Kind liebe. Es ist die Frage, ob sich mein Kind geliebt fühlt.“

Termin

Der nächste Väterabend in der Kita Villa Kunterbunt wird am Mittwoch, 26. Oktober, um 18 Uhr stattfinden. Dann wird das Thema „Digitaler Tsunami – wie viel Konsum in welchem Alter?“ sein. Andrea Daun ist Pädagogin, Autorin, Referentin und Business Beraterin. Sie hat sich intensiv mit der Neurobiologie auseinandergesetzt.

andreadaun.de

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