Umweltfreundliche Lösungen spornen ihn an

Elektromeister bleibt Vorreiter bei der Energiewende

Das neue E-Auto von Heinrich Kuchner kann man im Straßenverkehr nicht übersehen: Nicht nur wegen der Farblackierung, auch ein einprägsames Kennzeichen hat sich der Handwerksmeister gesichert. Foto: Roland Keusch
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Das neue E-Auto von Heinrich Kuchner kann man im Straßenverkehr nicht übersehen: Nicht nur wegen der Farblackierung, auch ein einprägsames Kennzeichen hat sich der Handwerksmeister gesichert.

Installations- und Heizungsbauer Heinrich Kuchner arbeitet an neuen Konzepten.

Von Andreas Weber

Remscheid. Seine Tochter Kathrin, Lehrerin von Beruf, hat ihm jüngst eine Weisheit mit auf den Weg gegeben, die Heinrich Kuchner gerne zitiert: „Alt ist, wenn man nicht mehr lernt.“ Für den Installations- und Heizungsbauer aus Hasten ist Lernen auch mit 63 Jahren keine Last, sondern beruflich wie privat eine Triebfeder. Lösungen zu finden, die die Umwelt entlasten, spornt ihn ständig an.

An seinen nebeneinanderliegenden Immobilien in der Unterhölterfelder Straße hängt an der Garageneinfahrt ein Schild, das ihn als Energiesparer NRW ausweist, mit dem Zusatz: „Mein Haus spart mit einem Blockheizkraftwerk.“ Kuchner ist ein akribischer Tüftler, nie um eine innovative Energie-Idee verlegen.

Unschwer lässt sich dies mit einem Blick in seinen Garten erkennen. Dort hat Heinrich Kuchner nach langem Kampf mit den Behörden 2017 eine Miniwindkraftanlage errichten dürfen. Der schlanke 18 Meter hohe Riese mit Rotorblättern von 4,40 Meter Durchmesser steht für seine persönliche Energiewende.

Die manifestiert sich bei Familie Kuchner an vielen Stellen im Haus, aber auch auf dem Dach und in der Garage. Vor sieben Jahren war der Gas- und Wasserinstallateurmeister einer der Ersten, die ein E-Auto anschafften. Anfangen hat er mit einem VW Up, es folgte der mittlerweile eingestellte Golf. Seit ein paar Wochen nutzt Kuchner den Nachfolger, einen vollelektrischen ID3.1. Dass Volkswagen ihn nach der Bestellung 18 Monate warten ließ, bis er die neue E-Generation als Leasingfahrzeug für die Firma über seinen örtlichen Händler übernehmen konnte, hat der Hastener dem Hersteller mittlerweile verziehen.

„Für mich als Unternehmer rechnet sich ein E-Auto mehr als ein Benziner“, erklärt der seit 32 Jahren selbstständige Meister. Wohlwissend, dass die E-Mobilität nicht für jedermann etwas ist. „Zumindest Stellplatz und Wallbox benötigt man“, meint Kuchner. Für ihn ist es „das Auto der Zukunft“. Er fährt den ID3.1 für drei Jahre. „Im Grunde bedient man es wie ein Smartphone, weitgehend schalterfrei.“ Es dauerte, bis Kuchner den 200 PS starken Hecktriebler bei seiner Jungfernfahrt ins Rollen brachte. „Ich habe eine Viertelstunde benötigt, bis ich halbwegs den Überblick an den Displays hatte.“ Zufrieden ist Kuchner nach dem ersten Anfreunden mit der Technik allemal. „Es ist gewöhnungsbedürftig, aber funktionell“, sagt er.

Sein Modell des ID3.1 liegt bei 45 000 Euro in der Neuanschaffung, 6000 Euro zahlt der Staat, weitere 4000 trägt der Hersteller. Die Reichweite liegt bei 350 Kilometern. An der 100-kw-Schnellladestation dauert es eine halbe Stunde, bis der ID3.1 wieder genug Saft hat.

Mit seinem Sohn Stefan, der Ingenieur ist, hat Vater Heinrich für sich daheim ein innovatives Ladekonzept entwickelt. Nicht nur über Solarstrom wird das Elektroauto geladen, sondern über die geräuscharme Windkraftanlage, die Kuchner dieses Jahr durch einen Windsensor optimiert hat. „In sonnenarmen und eher windigen Stunden sorgt sie für eine Ergänzung der Photovoltaik“, meint Heinrich Kuchner.

„Alt ist, wenn man nicht mehr lernt.“
Heinrich Kuchner

„Ein weiterer Baustein dieses Ladekonzepts besteht aus einer Erdgasbrennstoffzelle, welche zuverlässig Wärme für die Heizung des Hauses liefert wie den Großteil des Grundbedarfs an Strom abdeckt.“ Überschüssiger Strom der drei Anlagen wird in das Netz eingespeist oder in Wärme für die Warmwasserproduktion umgewandelt. Kuchners Credo lautet: „Neue Energiekonzepte aus sich ergänzenden Anlagen sind sowohl für Privathaushalte wie kleinere Firmen von Interesse und sparen auf lange Sicht Kosten. Sie helfen bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes und produzieren verbrauchernah Energie und Wärme.“

Selbstproduzierte Energie selber verbrauchen, das treibt den Hastener Handwerker weiter an. Am Ende ist er lange nicht. Seine nächsten Projekte? Heinrich Kuchner muss etwas überlegen, aber dann fallen ihm zwei Themen ein: „Ein Batteriespeicher und Kühlung durch eine Solaranlage würden mich interessieren.“

240 Kilo Quitten

Im Garten seines Hauses ragt nicht nur das Windrad heraus, sehenswert ist auch die Obsternte von Heinrich Kuchner. In guten Zeiten verarbeitet er die zahlreichen Äpfel privat mit einer Kernobst-Schneidmühle zu feinem Saft. 2020 blieb die Apfelernte aus, stattdessen wurde Kuchner reichhaltig durch seine Quitten belohnt, 240 Kilogramm, die der 63-Jährige zu Gelee verarbeitete.

Heinrich Kuchner nimmt bei sich Zuhause Windkraftanlage in Betrieb. 18 Meter hoher Mast wurde in zwei Stücken zusammengesetzt.

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