Schulische Erstuntersuchung

Einschulungstest zeigt Sprachmängel

Für die Schuluntersuchungen verantwortlich: Dr. Diana Pfitzner, Friederike Vöpel-Lachmund, Anna Renard und Dr. Bärbel Janßen-Kriesel (v.l.). Bis Mai untersuchen sie rund 1100 Kinder vor ihrem ersten Gang in die Schule.

In Remscheid hat jedes vierte Kind Defizite in Deutsch. Rund 1100 werden für das neue Schuljahr getestet.

Von Daniel Dresen

Standpunkt von Daniel Dresen

Bis Mai haben die Ärztinnen Dr. Diana Pfitzner, Friederike Vöpel-Lachmund, Anna Renard und Dr. Bärbel Janßen-Kriesel reichlich zu tun. Für das Gesundheitsamt führen sie die schulische Erstuntersuchung durch. Seit September bekommen sie Besuch von zukünftigen Erstklässlern und ihren Eltern. „Bis jetzt haben wir 450 Kinder gesehen. Es werden wohl noch bis zu 650 Jungen und Mädchen dazukommen“, sagt Dr. Janßen-Kriesel.

Während der 45 Minuten, die sie für jedes Kind benötigt, werden neben Seh- und Hörvermögen auch die kognitiven und motorischen Fähigkeiten getestet. Alarm schlägt die Ärztin beim Schwerpunkt Sprache. Ihr liegen die Zahlen zur Einschulungsuntersuchung von 2016 vor. „23 Prozent aller Einschulungskinder hatten Sprachauffälligkeiten. Bei den nicht-deutschen Kindern waren es 50 Prozent“, mahnt sie an.

Als Sprachauffälligkeiten gelten Probleme bei der Aussprache, Grammatik und beim Wortschatz. 10 Prozent unter den Sprachauffälligen würden überhaupt kein Deutsch sprechen. „Es sind vor allem Flüchtlingskinder, die erst seit kurzem in Remscheid leben.“ Aufgrund von Sprachauffälligkeiten werde aber kein Kind zurückgestellt. Die sprachlichen Defizite müssten in der flexiblen Eingangsstufe der Grundschule aufgefangen werden. Schließlich habe jedes Kind ein Recht auf gemeinsames Lernen.

Auch die Eltern sieht sie in der Pflicht. „Das Sprechen untereinander in der Familie mit direktem Blickkontakt ist so wichtig für die Sprachentwicklung. Die Kinder können so viel von der Mimik ablesen“, betont Dr. Janßen-Kriesel. Eine App auf dem Tablet oder Fernsehengucken könne das nicht ersetzen. „Für eine Rückstellung müssen schon schwerwiegende gesundheitliche Gründe vorliegen. Bei extremen Frühgeburten kann zurückgestellt werden oder wenn ein Kind durch den Tod eines Elternteils emotional schwer belastet ist.“

Fünf Prozent bekommen sonderpädagogische Förderung

Im Jahr 2016 wurden 0,6 Prozent der 982 untersuchten Kinder zurückgestellt. Sozialdezernent Thomas Neuhaus: „Schülern, die Einschulung zu verwehren, weil sie sprachliche Mängel haben, hielte ich für absoluten Unsinn.“ Wo sonst als in der Schule würden sie die deutsche Sprache am schnellsten lernen. Er beobachte regelmäßig, „in welch‘ rasender Geschwindigkeit“ Flüchtlingskinder der deutschen Sprache mächtig würden.

GEMEINSAMES LERNEN

DEFINITION Hinter dem Begriff Gemeinsames Lernen, verbirgt sich der Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Bei festgestelltem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung haben sie Anspruch auf Aufnahme in die von der Schulaufsicht vorgeschlagene wohnortnächste Schule der gewünschten Schulart, an der Gemeinsames Lernen eingerichtet ist.

Nur bei 27 Prozent aller untersuchten Mädchen und Jungen wurden von den Ärztinnen keinerlei Auffälligkeiten festgestellt. Bei über der Hälfte der i-Dötzchen wurden die Eltern zu einem ernsten Gespräch gebeten. „Kinder, die schlecht sehen oder hören, schicken wir natürlich zu einem behandelnden Arzt.“

Fünf Prozent der Kinder hatten einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Sie bekamen die Empfehlung, eine Förderschule zu besuchen. Eine negative Entwicklung stellt die Ärztin im Bereich „Erkennen von Mustern, Oberbegriffen und Folgen“.

Moderne Familienverhältnisse seien „eher eine Belastung“

„Erklären lässt sich dieser Trend vor allem durch die gestiegene Zahl der Flüchtlingskinder.“ Allein die Testsituation würde viele Kinder schon stressen. Eine weitere Problematik seien die heutigen modernen Familien-Formen.

„Neben der klassischen Familie mit Vater-Mutter-Kind gibt es Patchwork-Familien oder Alleinerziehende. Diese beiden Formen würde ich eher als eine Belastung für die Kinder bezeichnen.“ Außerdem haben viele Jungen Probleme mit der Feinmotorik. „Sie basteln und malen nicht so gerne wie die Mädchen, sondern bauen bevorzugt“, sagt Janßen-Kriesel. 

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