Corona-Risiko ungewiss

Eingeschränkter Regelbetrieb in den Kitas: Freude ist groß, Sorgen bleiben

Ab Montag für alle Kinder geöffnet: (v.l.) Alexandra Müllenmeister, Christine Robra, Jana Mahlo, Anika Bilz in der Kita Hackenberg. Foto: Roland Keusch
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Ab Montag für alle Kinder geöffnet: (v.l.) Alexandra Müllenmeister, Christine Robra, Jana Mahlo, Anika Bilz in der Kita Hackenberg.
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Die Erzieherinnen in Remscheid haben gemischte Gefühle zu dem „landesweit eingeschränkten Regelbetrieb“ ab Montag.

Von Katharina Birkenbeul und Andreas Weber

Solingen. Die Freude ist groß, am Montag alle Kinder in den Tagesstätten begrüßen zu dürfen. Und doch bleibt die Sorge einer möglichen Infektion mit Corona bei Kindern und Mitarbeitern im Hinterkopf. „Wir befinden uns in einem Zwiespalt“, sagt Christine Robra, Leiterin der Elterninitiative Kita Hackenberg. Ingrid Rosiejka von der Kita Villa Kunterbunt ist bester Dinge: „In Anbetracht der Inzidenzzahlen und der Hygienemaßnahmen sehe ich kein Problem und freue mich auf die Kinder.“

Momentan dürfen Eltern ihre Kinder in die Einrichtungen bringen, was diese Woche von 45 Prozent in Remscheid genutzt wurde, der Appell („Eltern sollen ihre Kinder zu Hause lassen“) von Familienminister Joachim Stamp sollte aber, wenn möglich, beherzigt werden. Zum 22. Februar sind nun wieder alle 3800 Kinder in den 61 Remscheider Einrichtungen eingeladen, an einem sogenannten „landesweit eingeschränkten Regelbetrieb“ teilzunehmen. Grundregel dabei: keine Durchmischung, gruppenscharfe Trennung. Anders als in Wuppertal gibt es hier keine Aufforderung an die Eltern, die Kinder doch weiter zuhause zu betreuen, um Corona-Ausbrüche in Kitas zu verhindern.

Es ist für die Kinder super wichtig, endlich wieder soziale Kontakte und einen Alltag zu haben.

Ingrid Rosiejka, Christine Robra, Melanie Benger, Kita-Leitungen

„Das wiederum wird sehr personalintensiv, weil wir Früh- und Spätdienste mit zusätzlichen Mitarbeitern ausstatten müssen, die wir aber nicht haben“, meint Peter Nowack, Kita-Koordinator bei der Stadt. Deshalb hat das Land die Wochenstundenzahlen um 10 reduziert. In Remscheid heißt dies: von 45 auf 35, von 35 auf 25. „Im Regelfall kommen wir durch diese Kürzung hin.“ Weil vom Personal niemand erkrankt ist, keiner Urlaub hat, Risikogruppen nicht zu Hause bleiben müssen und alle Stellen besetzt sind, können vier der 61 Kitas sogar das normale Stundenkontingent anbieten. „Stand heute sind es aber auch acht Kitas, die es trotz Reduzierung nicht hinbekommen und ihr Angebot noch drastischer werden kürzen müssen.“ Peter Nowack nimmt aber ebenso erfreut zur Kenntnis, dass es rührige Kitas gibt, die trotz personeller Einschränkungen Volllast fahren wollen. „Die habe ich gebeten, erst einmal langsam anzufangen.“

Remscheid: Landesweit eingeschränkter Regelbetrieb in Kitas ab Montag

Dem „landesweit eingeschränkten Regelbetrieb“, der ab Montag herrscht, folgt voraussichtlich ab 8. März der „lokal eingeschränkte Regelbetrieb“. Damit verbunden, wenn es örtliche Inzidenzzahlen erlauben, eine weitere Öffnung oder aber nochmalige Einschränkungen bis zur sogenannten „Corona-Notbremse“, die das Land bei sprunghaftem Anstieg des Infektionsgeschehens ankündigt. „Da fühlen wir uns vom Land alleine gelassen. Denn die Träger müssen entscheiden, ob wir das normale Stundenkontingent wieder anbieten“, beschreibt Melanie Benger, Leiterin des Evangelischen Kindergartens Hasten. „Personell wäre das für uns nicht stemmbar.“

Sicher ist, dass es weiteren Schutz des Personals geben soll. Entweder über das vom Land finanzierte Angebot von zwei wöchentlichen Schnelltests durch Ärzte, die in Kitas kommen, oder bei ihnen in der Praxis. Oder tägliche Selbsttests des Personals in den Einrichtungen, die bald möglich sein sollen.

In Hackenberg muss noch geklärt werden, wie sich Tests umsetzen lassen. Am Hasten gibt es eine Lösung: „Wir haben einen Hausarzt gefunden, der zweimal die Woche zum Testen kommt. Die Kollegen finden das richtig gut, dass das in trockenen Tüchern ist“, sagt Benger. Beim Impfangebot sind sich beide einig: Es könnte schneller kommen. „Es wäre beruhigend, wenn die Erzieher in der Priorität hochgestuft würden, aber dafür fehlt der Impfstoff.“ Andererseits: „Es gibt auch Leute, die es noch notwendiger haben als wir“, gesteht Ingrid Rosiejka von der Villa Kunterbunt.

Auch die Eltern freuen sich, ihre Kinder in die Einrichtungen bringen zu können. Robra: „Auch die kommen an ihre Belastungsgrenze.“ Nur wenige Eltern würden ihre Kinder zu Hause lassen. In den letzten Tagen waren schon einige Einrichtungen in Remscheid bis zu 85 Prozent belegt. Der Grund sei, beobachtet Benger, nicht die mögliche Infektion, sondern organisatorische Dinge, wenn beispielsweise auch Schulkinder im Haus leben. „Es ist für die Kinder super wichtig, endlich wieder soziale Kontakte und einen Alltag zu haben“, betonen die drei Erzieherinnen. Trotz allem ist Christine Robra voller Vorfreude und gespannt auf Montag und gibt Eltern einen Tipp: „Bringen Sie neue Hausschuhe mit.“ Aus den alten sind viele, die länger nicht da waren, mittlerweile rausgewachsen.

Begrifflichkeiten: Der landesweit eingeschränkte Regelbetrieb

Der „landesweit eingeschränkte Regelbetrieb“, der Peter Nowack an das erinnert, was die Kitas im August 2020 exerzierten, folgt auf den „eingeschränkten Pandemiebetrieb“, dem der „eingeschränkte Regelbetrieb“ vorausging. Wer in dem Bereich tätig ist, hat es aufgegeben, das Hin und Her mit ständig neuen Begrifflichkeiten durchschauen zu wollen. Zumal nach dem 7. März die Karten mit dem „lokal eingeschränkten Regelbetrieb“ neu gelegt werden.

Alle aktuellen Meldungen zum Thema Coronavirus finden Sie in unserem Coronavirus-Blog für Remscheid.

Standpunkt: Leere Versprechungen

Von Andreas Weber

andreas.weber @rga-online.de

Bei all den Lockdowns und Einschränkungen entstand im öffentlichen Bild schon mal der Eindruck, die Kitas hätten zwischendurch dichtgemacht. Das Wort Wiedereröffnung können Erzieherinnen und Erzieher indes nicht mehr hören. Denn sie sind seit fast einem Jahr Corona im Dauereinsatz, mal mit weniger, meist mit mehr Kindern. Und sie sind garantiert diejenigen, die morgens mit Betreten ihres Gruppenraums in dem Gewusel die 1,50-Meter-Abstandsregel keine einzige Sekunde einhalten können. Dafür wurden sie – wie andere Berufsgruppen – gefeiert.

Gleichwohl gibt es für das Lob nicht mehr Sicherheit. Sie in der Prioritätenliste bei den Impfungen vorzuziehen, wäre ein Zeichen. Das wird jedoch nicht kommen. Und es setzt die Reihe dessen fort, was versprochen und nicht gehalten wurde. In seinem jüngsten Ministerschreiben an die Kindertagespflegepersonen hat Joachim Stamp davon gesprochen, dass unsere Gesellschaft genervt, die Stimmung ob der Pandemie gereizt sei. Damit liegt er auffallend richtig. Nichts ist dem Kita-Personal bislang angeboten worden, was ihnen ihre Ängste hätte nehmen können.

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