Helft uns helfen unterstützt auch die Tafel

Er ist eine der guten Seelen der Tafel

Günther Patz ist Ehrenamtler aus Leidenschaft.
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Günther Patz ist Ehrenamtler aus Leidenschaft.

Günther Patz engagiert sich mit 83 Jahren an zwei Standorten. Warum die Tafel genau sein Ding ist, und warum er einen so guten Zugang zu den Kunden hat, verrät er im Gespräch.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Als Günther Patz seine 45 Berufsjahre voll hatte und in den Ruhestand eintrat, war für den damals 60-Jährigen klar, dass er sich nicht einfach zurücklehnen würde. Seine Kollegen in der Sägenfabrik hatten schon geunkt: „Was willst du denn im Ruhestand?“, hieß es da, „du warst doch immer nur aktiv.“ Das werde er wohl kaum aushalten, sagten die Kollegen. „Ich war immer ein unruhiger Geist“, stimmt Patz mit einem Lächeln im Gesicht zu. Aber ihm sei damals, rund um die Jahrtausendwende, nicht bange gewesen. „Passt auf“, habe er zu den Kollegen gesagt, „es gibt genug Ehrenämter da draußen.“

Heute, über 20 Jahre später, schöpft Patz weiterhin Kraft aus seiner Tätigkeit – er ist eine feste Institution bei der Tafel Rescheid geworden. „2001 habe ich angefangen“, erinnert er sich, „damals als Fahrer. Zu Beginn bin ich jeden Tag gefahren, dazu einmal im Monat samstags.“ Auf Anhieb hatte der unruhige Geist die passende Tätigkeit gefunden. Die Tafel ist sein Ding.

Dazu gibt es unter anderem eine biografische Erklärung, ist sich Patz sicher. Geboren am 28. Januar 1939 im ostpreußischen Kreis Ortelsburg, wurde er mit seiner Mutter und den beiden Schwestern zunächst nach Pommern evakuiert. Der Vater war im Krieg gefallen. Weitere Stationen führten die Familie nach Mecklenburg, Hamburg und Eiderstedt. Patz: „Da meine Mutter Witwe war, weiß ich, was Sparsamkeit bedeutet.“ Das hat Patz gleich zu einem guten Zugang zu den Kunden der Tafel verholfen.

„Es wurden Arbeitskräfte gesucht. Aber man musste nehmen, was da war.“ Günther Patz zu seiner Lehre in einer Sägenfabrik

Aber auch die beruflichen Erfahrungen sind bis heute wertvoll. In seinem Unternehmen hat Patz spät noch einen Refa-Schein gemacht – eine Zusatzqualifikation, die dabei hilft, Arbeitsabläufe zu verstehen und zu optimieren. Kurz gesagt: Patz ist ein Organisationstalent. Über viele Jahre koordinierte er die Ehrenamtlichen der Tafel. Und, auch das gehört dazu, wie Patz sagt, er spricht bei der Essensausgabe auch mal ein klares Wort. Es gehe ja nicht immer alles nur in großer Harmonie ab, berichtet Patz. Zwar dürfen die Kunden wählen, welches Obst oder Gemüse sie gerne hätten. Menge oder Größe der Ware aber teilen die Ehrenamtlichen zu – anders geht es gar nicht, um allen gerecht werden zu können. Für Verdruss sorgt es trotzdem einstweilen.

1954 führten die Nachwirkungen des Weltkriegs die Familie letztlich nach Remscheid. Im nahen Ruhrgebiet lebten Verwandte. Dorthin wollte die Familie aber nicht unbedingt. Also Remscheid. Peterstraße im Zentrum. „Auch hier wurden Arbeitskräfte gesucht. Es war aber so, dass man annehmen musste, was da war.“ Bei der Firma Richard Jansen an der Königstraße trat Patz seine Lehre an. „57 Mark hat das im ersten Jahr monatlich gebracht“, erinnert er sich. 50 davon gab er der Mutter. „Damit wir leben konnten“, sagt er. Stichwort Sparsamkeit.

Heute arbeitet Patz, früher Meister in der Sägenfabrik mit leitender Funktion, immer noch zweimal wöchentlich für die Tafel. In Hasten und Hackenberg bei der Essensausgabe. In früheren Jahren war er gar im Vorstand.

Weniger Spenden, mehr Kunden: RGA-Hilfe kommt wie gerufen

Anderthalb Stunden vor Beginn sind die Ehrenamtlichen da, sieben bis acht sind sie. Eine gute Teamstärke, sagt Patz: „Und die Zusammenarbeit klappt hervorragend.“ Etwa eine Stunde dauert die Verteilung, dann wird noch aufgeräumt. Schade sei, dass es nicht mehr so viele Lebensmittel wie früher gebe. Vor allem, weil die Supermärkte viel genauer kalkulieren. Und das in einer Zeit, in der die Bedürftigkeit steigt. Wo früher 35 Kunden gekommen seien, seien es heute 50. Es wird inzwischen zugekauft.

1962 heiratete Patz seine Frau Ingeborg, ebenfalls aus Ostpreußen. Die Eheleute haben zwei Kinder. Die Tafel ist bei Familientreffen immer Thema. Es ist Patz‘ Herzensangelegenheit geworden: Solange er geistig und körperlich fit sei, will er weitermachen.

Helft uns helfen: Sie haben bereits über 61 000 Euro gespendet

Diese Leserinnen und Leser haben bereits gespendet, wofür wir sehr dankbar sind: Doris Schlächter, Lieselotte Ninow, Günter Lawrenz, Christa Fey, Brunhilde Norhausen, Lore Siebel, Ingrid Fänger, Helmut und Marianne Gäse, Gerhild Mögling, Wilfried und Gisela Bewig, Annemarie Bickenbach, Klaus Lipus und Babette Frantzen-Lipus, Lothar und Ulrike Beitz, Detlev Pirk, Dagmar Barbara Winterhager, Eva Krempel, Petra Nippel, Erika Welp, Max Paffrath, Nicole Manuel, Gertrud Ries, Rudiger Roske, Wurm GmbH + Co. KG Elektronische Systeme, Frank Eduard Herbers, Eva Maria Kuchel, Friedhelm und Christa Nierstenhöfer, Reinhilde Häger, Martin Logemann und Bärbel Meinardus-Logemann, Dieter Pfannes, Rudolf Fichtelmann, Irmgard Göbel, Ursula Muskulus, Elke Kothe, Rolf und Barbara Switala, Marion Maria Theiss, Frieda Helga Beitzel, Marliese Picard, Jürgen und Maria Feilen, Erwin und Friederike Schwieder, Inge Kilp, Karin Monhof, Ute Honer, Erika Niebch, Ulrike Schulz, alle Teilnehmer der Gunnar-Freudenberg-Lesung, Hans Joachim und Hannelore Feike, Franciska Klancar-Holtge, Susanne Bollongino, Ursula Nobis, Hans Werner und Helga Rehborn, Marianne Hein, Edda Borchert, Hans und Hildegard Rötzel, Werner und Brigitte Hauschulz, Ursula Müller, Rolf-Dieter und Christel Kopischke, Frank und Heike Zickler, Monika Dittberner, Doris Wolff, Heike Linsdorf, Gudrun Franken, Peter Branscheid, Brigitte Pottmann, Petra Zander, Guido und Jutta Schroder, Ellen Paul, Klaus und Ursula Leitloff, Arno Beitzer, Gabriele Becker, Gisela Holznagel, Andreas Christian Aring, Anneliese König, Luise Emde, Renate Wübbeling, Erika Schröder, Edgar und Barbara Weber, Hannelore Hein, Liesel Vaz-Wingen, Karl-Peter Schmidt, Gerhard Franz und Hannelore Jörgens, Jochen Reinbott, Inge und Peter Schum, Erhard Rolf Enke, Elke Müller, Inge Ellerkamp, Gert und Heidi Brinkmann, Marion Pletsch, Kurt und Brigitte Müller, Norbert und Annchen Schmied, Margret Thole, Stefan Pricken, Erhard Maar, Rita Haindl, Wolfgang und Ute Voss, Dr. Gabriele Gast, Annemarie und Andreas Leppak.

„Helft uns helfen“ Remscheid

Hintergrund

Veränderung: Es kommen deutlich mehr Leute, berichtet Patz. Weil weniger Spenden kommen, „kaufen wir zu, um Lücken zu füllen“. Das hängt von Spenden ab. Die Kunden bekämen heute daher etwas weniger als früher.

Tütensystem:Kein Freund ist Patz davon, fertige Tüten auszuteilen. In Klausen habe man schlechte Erfahrungen gemacht, in der Nähe habe später viel Müll rumgelegen. „Besser ist es, wenn die Leute aussuchen dürfen, was sie wollen.“

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