Bühne

Eindringliche Texte, beklemmende Stille

Der jüdische Professor Mamlock (Gustav Peter Wöhler, r.) glaubt zu lange an den gesunden Menschenverstand.
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Der jüdische Professor Mamlock (Gustav Peter Wöhler, r.) glaubt zu lange an den gesunden Menschenverstand.

„Professor Mamlock“ im Teo Otto Theater.

Von Sabine Naber

Ein intensiver, bedrohlich klingender Dauerton ist auf der Bühne zu hören. Vor einer langen Fensterscheiben-Konstruktion werden geplante Operationen aufgezählt: „Eine Art Tüchtigkeit, die provoziert“, hört man einen Mann im weißen Kittel sagen. Und auch, dass es sich wieder lohne, einen Standpunkt zu haben. „Zum letzten Mal – wir sind hier im Dienst und nicht auf einer Wahlveranstaltung. Hier herrscht die Wissenschaft“, spricht einer ein Machtwort.

Mit dem Schauspiel „Professor Mamlock“ gastierte das Hamburger Sprechwerk am Dienstagabend im Teo Otto Theater. Geschrieben hatte das Stück Friedrich Wolf, der 1920 als Stadtarzt in Remscheid gearbeitet hatte, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten – in seinem französischen Exil. Die fiktive Figur des jüdischen Arztes Hans Mamlock hat allerdings Ähnlichkeit mit seiner eigenen und der seines ebenfalls jüdischen Nachfolgers in Remscheid, der Selbstmord beging, als ihm die Nazis die Approbation entzogen und ihn zu einem Kranken-Behandler degradieren wollten. Seiner Figur des Professors stellt er dessen Sohn gegenüber, der schnell den Weg in den Widerstand einschlug. Mamlock begeht hingegen den Fehler, sich die Konsequenzen der Machtergreifung nicht vorstellen zu können.

In der Inszenierung von Aron H. Matthiasson bringt das Aufklärungsdrama die Theatergäste zwischendurch immer wieder in die Gegenwart. Auf Projektionen wird der Überfall auf die Synagoge 2019 in Halle mit zwei Toten sichtbar. Im Raum steht die Frage, welche Konsequenzen es für unsere Zukunft haben wird, wenn die demokratiefeindlichen Rechten im politischen Spektrum des Landes stärker werden.

Der bekannte Schauspieler Gustav Peter Wöhler überzeugt als Professor Mamlock. Ebenso glänzend die schauspielerische Leistung des achtköpfigen Ensembles. Während Mamlock zu lange davon überzeugt ist, dass der gesunde Menschenverstand stärker als die menschenverachtende Ideologie der Nazis sein wird, taucht sein Sohn Rolf in den kommunistischen Untergrund ab. Die Texte sind so eindringlich, so beklemmend, dass es im Saal Sekunden lang still ist, bevor am Ende langanhaltend applaudiert wird.

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