Einbrecher zeigt sich bei der Polizei selbst an

Vor sechs Jahren hatte der junge Mann mit Einbrüchen seine Drogensucht finanziert. Jetzt machte reinen Tisch. Symbolfoto: Christian Beier
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Vor sechs Jahren hatte der junge Mann mit Einbrüchen seine Drogensucht finanziert. Jetzt machte reinen Tisch. Symbolfoto: Christian Beier

Lebensbeichte: 25-jähriger Remscheider drang vier Mal in seine alte Schule ein

Von Axel Richter

In seine alte Schule war er eingebrochen und hatte mitgenommen, was sich irgendwie zu Geld machen ließ. Dafür kaufte er Drogen. Das war 2014, doch das schlechte Gewissen ließ den heute 25-jährigen Remscheider nicht los. Deshalb erschien er jetzt auf der Wache der Polizei am Quimperplatz: „Ich habe diese Einbrüche begangen, ich möchte mich meiner Vergangenheit stellen und mein Leben neu beginnen“, erklärte er den mehr oder minder verdutzten Polizisten, die seine Selbstanzeige aufnahmen.

Eine Lebensbeichte nennt das Wolf Tilman Baumert, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Wuppertal. „Da will einer reinen Tisch machen.“ Oft sei ihm das in seiner beruflichen Laufbahn nicht begegnet, sagt der Chefankläger. Doch es gibt sie, Menschen, die ihrem verkorksten Leben noch einmal eine positive Wendung geben möchten, indem sie ein Geständnis ablegen.

Der 25-Jährige zählt offenbar dazu. Es sei ihm bewusst, dass er im Gefängnis landen könnte, erklärte er den Beamten. Doch jetzt sei er die Drogen los und befinde sich in einer Ausbildung. Endlich habe er sein Leben im Griff. Da sei es an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen.

Es waren vor allem Laptops, Beamer und anderes technisches Gerät, das er bei seinen Einbrüchen erbeutet hatte. Dazu war er in kurzen Abständen vier Mal in die Hauptschule Bökerhöhe eingebrochen, die er zuvor als Schüler besucht hatte. Im Schulgebäude kannte er sich aus und wusste, was wo zu holen sein würde, um seine Drogensucht weiter zu finanzieren.

„Ich möchte mich meiner Vergangenheit stellen.“

Remscheider bei der Selbstanzeige

Wenn überhaupt, so bekommen die Strafverfolger ähnliche Lebensbeichten nur dann zu hören, wenn sich für den bösen Buben das Ende seines irdischen Seins abzeichnet. Ihm geht es darum, seine Sünden zu gestehen, bevor er vor seinen Schöpfer tritt. Ansonsten gilt nach den Erfahrungen der Ermittler: Wer sich einer Straftat selbst bezichtigt, der hat womöglich nur ein warmes Plätzchen im Sinn. Naht der Winter, komme so etwas deshalb häufiger vor, sagt Wolf Tilman Baumert. Naht das Frühjahr, eher nicht.

Nicht jeder, der einmal im Gefängnis sitzt, möchte zudem gerne wieder raus. Nicht jeder Haftinsasse stimmt deshalb zu, wenn Justitia ihn früher wieder auf freien Fuß setzen will. „Das sind Menschen, die haben im Gefängnis ein geregeltes Leben kennen- und schätzengelernt“, sagt der Oberstaatsanwalt: „Für die sind die Mitgefangenen und auch die Vollzugsbeamten zum Familienersatz geworden.“ Deshalb wandte sich ein Häftling gegen die Verlegung seines Zellengenossen. Beide lebten wie in einer WG miteinander.

Der beichtfertige Schuleinbrecher wird einen solchen Haftraum mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von innen sehen. Zwar läuft nach seiner Selbstanzeige ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Doch mehr als eine Bewährungsstrafe muss er nicht erwarten. Wenn überhaupt. Schließlich liegen die Taten schon sechs Jahre zurück und ein einfacher Diebstahl verjährt nach fünf Jahren. Das Gericht wird also zu prüfen haben, ob der Remscheider überhaupt noch zu belangen ist.

Allerdings sind da noch die zivilrechtlichen Ansprüche, die die Hauptschule Bökerhöhe gegen ihren Schüler von damals geltend machen kann. Der will alles bezahlen und für den entstandenen Sachschaden aufkommen. „Das könnte teuer für ihn werden“, sagt Oberstaatsanwalt Baumert. Der junge Mann genieße auch deshalb seinen Respekt.

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