Festnahme

Einbrecher wollten Mädchen imponieren

Das Vereinsheim der SG Hackenberg am Morgen des 11. Juli: Die Einbrecher hatten Türen eingetreten und die Räume verwüstet. Foto: Joachim Weber
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Das Vereinsheim der SG Hackenberg am Morgen des 11. Juli: Die Einbrecher hatten Türen eingetreten und die Räume verwüstet.
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Polizei stellt mutmaßliche Serientäter – 18- und 15-Jähriger sollen für Verwüstungen verantwortlich sein.

Von Axel Richter

Remscheid. Es ging ihnen um Spaß und darum, bei den Mädchen Eindruck zu schinden, sagt der Staatsanwalt. Deshalb sollen zwei Jugendliche in Kindergärten, Schulen, Vereinsheime, Jugendzentren und Privatwohnungen eingebrochen sein. Die Einbrecher zerstörten, was sie vorfanden, und nahmen mit, was sie kriegen konnten. Fanden sie Autoschlüssel, stahlen sie die Fahrzeuge vor der Tür und gingen damit auf Spritztour, um mindestens einen Wagen danach anzuzünden. Jetzt, endlich, konnte die Polizei die beiden mutmaßlichen Serientäter festnehmen. Es handelt sich um zwei Jugendliche im Alter von 15 und 18 Jahren.

Die beiden jungen Männer stehen im Verdacht, für eine ganze Serie von Einbrüchen und Vandalismusschäden verantwortlich zu sein. Tatorte waren unter anderem das Röntgen-Gymnasium und das Jugendzentrum Die Welle in Lennep, die Heinrich-Neumann-Schule im Südbezirk und zahlreiche Wohnungen im ganzen Stadtgebiet. In einigen schliefen die Menschen in ihren Betten als sich die beiden Einbrecher im Zimmer nebenan nach Beute umsahen.

„Die sind mit geklauten Autos gefahren und hatten Mädchen dabei.“ 

Wolf-Tilman Baumert, Oberstaatsanwalt 

Um 4.40 Uhr am Donnerstag gelang der Polizei die Festnahme der beiden mutmaßlichen Täter. In der Hügelstraße ertappte eine Streife sie gewissermaßen auf frischer Tat. Der 18-Jährige sitzt seither in Untersuchungshaft, der 15-Jährige wurde gegen Auflagen vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihm droht nun ein Jugendarrest, dem 18-Jährigen, so er nicht nach Erwachsenenrecht verurteilt wird, eine Jugendstrafe.

Er war zuvor bereits „erheblich polizeilich in Erscheinung getreten“, schreiben die Ermittler. Unter anderem wurde er in einem Auto geblitzt, das zuvor als gestohlen gemeldet worden war. Dann kam es in der Fischerstraße zu einem Wohnungseinbruch, bei dem drei Stangen Zigaretten gestohlen worden waren. In Tatortnähe traf die Polizei danach auf den 18-Jährigen, der ausgerechnet drei Stangen Zigaretten bei sich trug. Außerdem hatte er eine Schlinge dabei, mit der sich auf Kipp stehende Fenster öffnen lassen.

Die Staatsanwaltschaft klagte den jungen Mann an. „Doch das Gericht hat ihn unter Auflagen von einer Haftstrafe verschont“, berichtet Wolf-Tilman Baumert, leitender Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Danach ging er mit dem 15-Jährigen offenbar wieder auf Beutezug. „Dabei stand das Spaßmoment im Vordergrund“, sagt Baumert: „Die sind mit geklauten Autos durch die Stadt gefahren und hatten Mädchen dabei.“ Einen Mazda sollen sie nach einer solchen Spritztour in einem Wald in Brand gesetzt haben.

Das Vereinsheim der SG Hackenberg soll ebenfalls Ziel der beiden Jugendlichen gewesen sein. Mitte Juli hatten Einbrecher das robuste Sicherheitsglas des Küchenfensters mit einem Stein traktiert, um es schließlich mit einem Gullydeckel einzuwerfen. Danach traten sie mehrere Türen ein und entkamen mit einer dreistelligen Summe Bargeld und drei Laptops. „Gottseidank“, kommentierte Vereinschef Joachim Weber die Festnahme der mutmaßlichen Täter. Auch Barbara Reul-Nocke, Rechtsdezernentin der Stadt Remscheid, zeigte sich erleichtert, denn auch bei ihren Einbrüchen in Schulen, Kitas und Jugendzentren hinterließen die Täter Schäden, die in die Tausende gehen.

Die will sich die Stadt ersetzen lassen. Zuvor muss ein Gericht von der Schuld der beiden Teenager überzeugt sein und sie rechtskräftig verurteilt haben. Danach stellt sich die Frage der finanziellen Wiedergutmachung. „Wenn“, sagt Barbara Reul-Nocke, „bei den Tätern denn etwas zu holen ist.“

Schulen schützen

Nach der Einbruchsserie im Sommer hatte die CDU angeregt, den Einbruchsschutz an Schulen, Kitas und Jugendzentren zu verbessern. Danach bildete sich eine Arbeitsgruppe, der unter anderem die Polizei und das städtische Gebäudemanagement angehören. Sie arbeitet an einem Konzept für die städtischen Gebäude. Die Verwaltung will danach Geld investieren, um Einbrechern insbesondere mit baulichen Veränderungen das Eindringen zu erschweren.

Standpunkt: Abschreckendes Beispiel

Von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@rga.de

Ein 18-Jähriger, der in seinem jungen Alter bereits „erheblich polizeilich in Erscheinung getreten ist“, begeht mutmaßlich weitere Straftaten. Damit nutzte er die zweite Chance, die das Gericht ihm bei einem früheren Verfahren gewährt hatte, offensichtlich nicht. Und das alles nur, um ein „Spaßmoment“ zu erleben, wie Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert es ausdrückte. Nun könnte man es sich einfach machen und im Nachhinein mit dem Finger auf die Juristen zeigen. Frei nach dem Motto: „Den hättet ihr nie laufenlassen dürfen.“ Doch so einfach ist es nicht. Beim Jugendstrafrecht geht es in erster Linie nicht um Sühne, sondern um den Erziehungsgedanken. Junge Straftäter sollen die Chance erhalten, ihren Weg in ein geregeltes Leben zurückzufinden. 

Dass dieses Unterfangen bei weitem nicht immer erfolgreich ist, gehört zur Wahrheit dazu. In solchen Fällen braucht es Entschiedenheit: Wer seine zweite oder dritte Chance verwirkt, muss die Konsequenzen seines Handelns spüren. Und kann so vielleicht zum abschreckenden Beispiel für junge Menschen in seinem Umfeld werden, deren kriminelle Karriere noch am Anfang steht.

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