Polit-Talk

Ein Leben ist für Gregor Gysi zu wenig

Gregor Gysi unterhielt beim Polit-Talk humorvoll mit Geschichten aus seinem Leben und seinen politischen Ansichten. Foto: Roland Keusch
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Gregor Gysi unterhielt beim Polit-Talk humorvoll mit Geschichten aus seinem Leben und seinen politischen Ansichten.

Linken-Politiker begeisterte sein Publikum im Teo Otto Theater.

Von Sabine Naber

Remscheid. Kaum hatten die zahlreichen Gäste im Teo Otto Theater den Linken-Politiker Dr. Gregor Gysi mit viel Applaus begrüßt und der Berliner Journalist Hans-Dieter Schütt ihn gefragt, wie ihm am 27. September zumute gewesen sei, das legte der Politiker, der auch Rechtsanwalt, Autor und Moderator ist, los. „Es war ein Desaster für meine Partei. Aber auch für die CDU. Sie ist nicht regierungsfähig. Hat erst einmal Klärungsbedarf. Das kann ich beurteilen, denn ich verstehe etwas von desolaten Parteien“, versicherte er.

Der größte Fehler der Linken sei gewesen, die Ost-Identität aufgegeben zu haben. „Wir dürfen der AfD nicht den Osten überlassen“, ist Gysi überzeugt. Und bekam prompt Applaus. Die Menschen wüssten bei seiner Partei nicht, was Mehrheitsmeinung ist. Aber bei den Grünen gebe es genau so viel Streit. „Darüber steht nichts in der Zeitung. Bei uns steht er schon drin, bevor er überhaupt stattgefunden hat“, betonte er. Das Publikum amüsierte sich.

Gysi geriet so in Redelaune, dass der Journalist kaum Gelegenheit bekam, Fragen zu stellen. Beim Stichwort Nato betonte Gysi, dass seine Partei nie beschlossen habe, auszutreten. „Wir haben nur eine Zukunftsvision entwickelt, eine Art Sicherheitsstruktur, die auch Russland mit einschließt. Man muss in einem veränderten Zeitgeist doch mal mit einer Idee beginnen.“

Angesprochen auf seine Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“, erklärte Gysi, der Vorsitzender der SED, Mitgründer der Nachfolgepartei PDS war und seit Dezember 2016 Präsident der Europäischen Linken ist, dass er bisher sechs Leben geführt habe: „In der Kindheit, als Student, als DDR-Bürger, in der gesamten Wendezeit. Als Bürger der Bundesrepublik wurde ich entschieden abgelehnt. Und mein Problem war, dass ich mich entschieden netter fand. Deshalb waren die vielen Talkshows für mich die einzige Chance, dass mich die Menschen richtig kennenlernten. In meinem sechsten Leben wurde ich dann von der Mehrheit akzeptiert.“ Sein siebtes Leben – das Alter – käme noch.

Er erzählte von seinen Eltern, die den Nazis aktiv Widerstand geleistet hatten. Als ein Privileg in seiner Kindheit habe er die vielen Besuche aus dem Westen empfunden. „Gerhard Schröder kam aus kleinen Verhältnissen. Und nahm sich selbst als Beispiel dafür, dass man‘s schaffen kann, wenn man will. Ich bin mir da nicht so sicher. Was wäre aus mir geworden, wenn ich nicht so privilegiert aufgewachsen wäre - vielleicht ein Verbrecher?“ Mit Blick auf die Wiedervereinigung ist er überzeugt, dass die besser gelungen wäre, hätte man mindestens zehn Dinge übernommen. „Damit meine ich nicht das Ampelmännchen und den Rechtsabbiegerpfeil, sondern beispielsweise die Gleichstellung der Geschlechter. Da waren wir in der DDR weiter.“

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