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Ein Kunsterbe zu erhalten, ist eine eigene Kunst

Der Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, macht den Nachlass von Oscar Zügel sichtbar.
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Der Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, macht den Nachlass von Oscar Zügel sichtbar.
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Die Stiftung Kunstfonds schafft ein nationales Kunstarchiv in der Abtei Brauweiler – nicht jedes Kunstwerk ist dafür geeignet.

Von Philipp Müller

Solingen. Anna Wondrak leitet seit Februar das Kunstarchiv der Stiftung Kunstfonds des Bundes in der Abtei Brauweiler. Dort wird ein nationales Kunsterbe aus Nachlässen als eine der Aufgaben der Stiftung angelegt. Die langjährige Kuratorin einer Vor- und Nachlass-Stiftung weiß um die Fragen der Erben von Kunstschaffenden: Wohin mit den Bildern und Skulpturen? Museen und Stadtarchive sind oft mit der schieren Masse überfordert.

Doch nicht alles lohne, für die Nachwelt erhalten zu bleiben, erklärt Wondrak nüchtern: „Man muss schauen, was sinnvoll ist, als Teil erhalten zu werden und was nicht.“ Jährlich bewerben sich im Schnitt 40 Besitzer von Nachlässen um die Aufnahme. Die wenigsten erfolgreich, was auch an den Kapazitäten des Archivs liegt.

Nachlässe werden verschenkt, verkauft, landen in Stiftungen

Wie ein künstlerischer Nachlass erhalten werden kann, ist sehr unterschiedlich. Der 1921 in Remscheid geborene Max Kratz gründete noch zu Lebzeiten 1994 eine Stiftung. 134 der Arbeiten des Bildhauers gingen ans Solinger Kunstmuseum. Dessen Sohn Thomas leitet die Stiftung. Zu Lebzeiten schenkte der Architekt und Künstler Wolfgang Körber der Stadt Solingen Quader-Skulpturen. Sichtbar ist „Dat Look“ gegenüber dem Kunstmuseum.

Die Kunstwissenschaftlerin Anna Wondrak leitet das Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds in der Abtei Brauweiler.

Geteilt ist der Nachlass des Solinger Malers Ernst Walsken, wie dessen Sohn Ernst-Martin berichtet. Sein Vater war als Sozialdemokrat von den Nazis verhaftet worden. Sein Moorsoldaten-Zyklus wird im KZ Esterwegen im Emsland gezeigt. Doch Familie Walsken hat noch viele Werke vor allem aus der Nachkriegszeit im Besitz.

Bei von den Nazis verfemten und oft ermordeten Kunstschaffenden kommt dann auch das Solinger Zentrum für verfolgte Künste ins Spiel. Direktor Jürgen Kaumkötter zeigt zur ab dem 17. November beginnenden Ausstellung „Der Nachlass Oscar Zügels – den Künstler zu Wort kommen lassen“ einen weiteren Weg des Kunsterhalts auf: Mit Bundesmitteln konnte das Erbe erworben werden. „Da standen zwei 7,5-Tonner mit Bildern, Zeichnungen und Akten vor dem Museum“, berichtet Kaumkötter. Um das alles zu sichten und zu sortieren, wurden extra befristete Stellen im Museum zur Nachlass-Auswertung geschaffen.

Auch interessant: 2200 Kunstwerke besitzt die Stadt Remscheid

Haben Kunstschaffende aber nicht wenigstens nationale Bedeutung, wird das schwieriger. Auch der Stadt Remscheid werde Kunst angeboten, berichtet Rathaussprecherin Viola Jurić. Es seien aber eher Händler, die an Remscheid herantreten würden, dann würde geprüft, ob es Fördermittel für den Ankauf gibt. Auf Fördermittel verweist auch Gisela Elbracht-Iglhaut, die Direktorin des Solinger Kunstmuseums. Ankaufsanfrage von Erben kämen aber selten vor. In manchen Fällen gelinge der Ankauf, gibt es keine Fördermittel, dann über private Art-Sponsoren. Schenkungen scheiterten oft, erklärt Elbracht-Iglhaut. Der eine Grund sei die Qualität des Angebots. Der zweite, dass das Museum keinen Platz hat.

Alles Probleme und Vorgehensweisen, die die Kunsthistorikerin Anna Wondrak schon lange kennt. In der Abtei Brauweiler legt man die Entscheidungen über die Aufnahme ins Archiv in die Hände einer Fachjury, die mehrheitlich mit aktiven Kunstschaffenden besetzt ist. Erst 40 Nachlässe sind aufgenommen. Und behutsam will man weiter vorgehen. Denn die 2000 Quadratmeter Depotfläche – das Zentrum in Solingen hat nur 50 Quadratmeter – ist bereits mit 50 000 Kunstwerken rappelvoll.

Außerdem soll die Kunst auch gezeigt werden. Daher ist der Plan, das Kunstfonds-Gebäude um einen Ausstellungsraum zu erweitern. Daneben gibt es ein Leihangebot für die Kunst, das sich vornehmlich an Museen und institutionelle Träger richtet.

Neustart Kultur

Die Stiftung Kunstfonds hat nicht nur die Aufgabe des Kunsterhalts. Sie verteilt auch Bundesmittel. Zuletzt war dies mit einem Volumen von 64 Millionen Euro das Programm „Neustart Kultur“, von dem auch Einrichtungen in Remscheid und Solingen profitierten. 17 000 Anträge lagen der Stiftung dazu vor. 14 Millionen Euro gibt es in einer zweiten Runde.

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