Verwaltung soll Möglichkeiten prüfen

Einige Bedenken: Ein Gesundheitskiosk für Remscheid?

Das Hamburger Vorbild: Der Gesundheitskiosk, der seit 2017 im Stadtteil Billstedt existiert.
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Das Hamburger Vorbild: Der Gesundheitskiosk, der seit 2017 im Stadtteil Billstedt existiert.

Erste Tests liefen vielversprechend, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach befürwortet das Konzept ebenfalls - nun soll geprüft werden, ob auch Remscheid einen Gesundheitskiosk bekommen könnte.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ein entsprechender Antrag der Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP fand im Gesundheits- und Sozialausschuss eine breite Mehrheit. Trotz einiger Bedenken.

Vorbild ist eine Einrichtung, die 2017 in Hamburg-Billstedt an den Start ging. Das ehemalige Arbeitsviertel gilt als wirtschaftlich schwach, der Gesundheitskiosk soll mit niederschwelligen Angeboten die Gesundheitsversorgung der Bewohner verbessern. Er dient Menschen, die keinen Hausarzt haben, als Anlaufpunkt, übernimmt medizinische Routineaufgaben wie den Wundversorgung und Blutdruckmessen und ist in der Prävention aktiv. Nach den bisherigen Erfahrungen möchte Lauterbach deutschlandweit rund 1000 Kioske in benachteiligten Regionen gründen.

„Es wär doch schön, wenn wir in Remscheid dann ganz vorne mit dabei wären“, sagte Frank vom Scheidt (Grüne) im Ausschuss und verwies auf mögliche Vorteile: „Vielleicht erreichen wir so Menschen, die sonst nicht ohne weiteres zum Arzt gehen.“ Möglich sei auch, dass der Kiosk die niedergelassenen Ärzte von Routineaufgaben entlastet.

Vorteile, die im Ausschuss niemand in Abrede stellen wollte. Bedenken gab es aber trotzdem. Brigitte Neff-Wetzel (Linke) verwies auf die laufende Diskussion, wie die Kioske in der Praxis ausgestaltet werden sollen: „Wir müssen doch erst mal wissen, was überhaupt möglich ist.“ Ohne das genaue Angebot zu kennen, könne man noch nicht einmal nach passenden Räumen suchen. „Wo sie recht hat, hat sie recht“, kommentierte das Dietmar Volk (CDU).

Auch der Sozialdezernenthat seine Zweifel

Und auch der grüne Sozialdezernent Thomas Neuhaus war nicht restlos begeistert von dem Vorstoß. Das Konzept finde er „richtig gut“, sagte Neuhaus, die derzeit diskutierte Finanzierung aber nicht. Denn Lauterbach plant, dass die Kommunen 20 Prozent übernehmen. „Für Aufgaben, die gar keine kommunalen Aufgaben sind“, wie der Sozialdezernent betonte – und dabei auf die angespannte Haushaltslage Remscheid verwies.

Frank vom Scheidt machte allerdings für die Gestaltungsmehrheit deutlich, dass es sich nur um einen Prüfauftrag handelt: „Wir würden das gerne auf die Schiene setzen und dann mal sehen, was daraus wird.“ Bei einer Gegenstimme wurde der Antrag angenommen.

Derweil geht die Diskussion um Karl Lauterbachs Gesetzesinitiative weiter. Drei gesetzliche Krankenkassen, die den Modellversuch in Hamburg bisher mitfinanziert haben, haben sich gerade daraus zurückgezogen. Man befürchte Doppelstrukturen, die doppelt kosten und Fachkräfte aus Krankenhäusern oder Praxen abziehen.

Manche Beobachter sehen dahinter aber auch ein Signal der Kassen, dass ihnen der Finanzierungsvorschlag des Ministers nicht gefällt. Denn danach sollen die gesetzlichen Versicherer fast drei Viertel der Kosten übernehmen.

Standpunkt von Sven Schlickowey: So wird das nichts

sven.schlickowey@rga.de

Dass die Idee eines Gesundheitskiosks großes Potenzial hat, wird nach den Erfahrungen aus Hamburg wohl niemand bestreiten, scheitern könnte das Konzept aber trotzdem. An der Finanzierung. Selbst die Krankenkassen, die vermutlich stark profitieren würden, wettern hinter vorgehaltener Hand gegen den Vorschlag von Karl Lauterbach, sprechen von „Fehlverwendung von Versicherungsbeiträgen“. Noch problematischer dürfte aber der angedachte kommunale Eigenanteil von 20 Prozent werden.

Schließlich sind die Kioske ausdrücklich für „benachteiligte Regionen“ vorgesehen, man könnte auch sagen: für arme Städte. Hier wären sie am nötigsten, hier könnten sie am besten ihre Wirkung entfalten – doch hier gibt es auch am wenigsten Geld für so etwas. Wieder einmal bekommen die Kommunen neue Aufgaben. Aber leider kein Geld dafür. So kann das nichts werden.

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