Ein Abend voller exotisch-kölscher Selbstironie

Pils statt Kölsch: Ill-Young Kim freute sich, mal wieder vor echten Menschen auf einer Bühne zu stehen. Foto: Michael Schütz
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Pils statt Kölsch: Ill-Young Kim freute sich, mal wieder vor echten Menschen auf einer Bühne zu stehen.

Comedian Ill-Young Kim gastierte im Rotationstheater – Vorurteile über Asiaten sind sein Lieblingsthema

Von Susanne Niederprüm

„Kim kommt“ hieß es am Samstag im Rotationstheater. Und damit war nicht nur die Anreise des Comedians aus Köln gemeint. Ill-Young Kim, 48 Jahre alter Ex-Viva-Zwei-Moderator, der darüber hinaus in mehr als zwei Dutzend Filmen mitgewirkt hat, ist längst eine etablierte Größe in der deutschen Kleinkunstszene. Sein Lieblingsthema sind Vorurteile über Asiaten. Und dabei kommt er schnell zur Sache.

Vorneweg: die Augenform. Ob man damit überhaupt alles sehen könne, sei er oft gefragt worden, wusste Kim den 40 Besuchern zu berichten. Irgendwann habe er angefangen, das zu seinem Vorteil zu nutzen. Zum Beispiel, wenn der Lehrer in der Schule nicht mehr nachvollziehen konnte, ob sein Schüler schlief oder nicht: „Wie will man da nachfragen und dabei politisch korrekt bleiben?“

Selfie mit dem Publikum als Beweis, dass die Kartoffeln lachen können

Dass Asiaten keinen Alkohol vertragen, gerne Hunde essen, ständig nur Karaoke singen und das Coronavirus produziert haben – Material gab es für den gebürtigen Kölner mehr als genug. Und es solle bloß niemand glauben, dass es in Südkorea, der Heimat seiner Eltern, nicht viel anders anmutet als hierzulande. „Na, dann gehen Sie in Seoul mal auf die Toilette.“ Das sei aus deutscher Sicht schon aus datenschutzrechtlichen Gründen kaum vertretbar.

Dass sein Name bis heute regelmäßig zu Verwirrungen führt, zum Beispiel an Flughäfen, nehme er inzwischen gelassen, so Kim. Selbst wenn er mal wieder mit einem nord-koreanischen Diktator verwechselt wird. Nicht so aber das deutsche Liedgut. Wie er mit seiner Darbietung von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ eindruckvoll unterstrich. Bevor er dann ein Selfie mit dem Publikum machte – damit die Verwandtschaft glaubt, dass die „Kartoffeln“ überhaupt lachen können.

Ein gelungener Abend mit exotisch-kölscher Selbstironie. Und, wie der studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftler befand, wichtige Aufklärungsarbeit – „für unsere zukünftigen Arbeitgeber“.

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