Unfall

Eiliger Autofahrer verletzt Müllwerker

Auch in der Hainstraße ist es eng. Die Männer in Orange berichten von vielen gefährlichen Situationen.
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Auch in der Hainstraße ist es eng. Die Männer in Orange berichten von vielen gefährlichen Situationen.
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Die Männer auf den Entsorgungsfahrzeugen sind Mosereien gewohnt. Jetzt platzt ihnen der Kragen.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Männer auf den Müllwagen haben ein dickes Fell. Das brauchen sie auch, denn dass Autofahrer mosern, wenn sie zum Leeren der Tonnen vorübergehend die Straße blockieren oder ihnen wahlweise einen Vogel zeigen, gehört für die Müllwerker beinahe schon zum Alltag. Was sie am Mittwoch auf ihrer Tour im Südbezirk an der Ecke Menninghauser Straße / Güterstraße erlebten, brachte die hartgesottenen Männer in Orange jedoch aus der Fassung.

Er müsse da jetzt durch, ließ ein besonders eiliger und rücksichtloser Autofahrer die Müllwerker wissen. Der Mann fuhr an, traf einen der Kollegen mit dem Außenspiegel an Hüfte und Rippen und machte sich anschließend davon. Der angefahrene Mann musste ins Krankenhaus und fällt auf unbestimmte Zeit aus.

TBR: Mitarbeiter von Müllfahrzeugen haben mehr Respekt verdient

Daniel Pfordt, Chef der Männer auf den Fahrzeugen der Technischen Betriebe Remscheid (TBR), ließ das gestern zum Telefon greifen, um den RGA anzurufen. „Wir werden leider von vielen Verkehrsteilnehmern nur noch als Verkehrshindernis wahrgenommen“, sagt er und fordert für seine 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf Remscheids Straßen für die Müllabfuhr und die Reinigung zuständig sind, mehr Respekt und Rücksichtnahme ein. „Die Kolleginnen und Kollegen verrichten ihren Dienst für die Allgemeinheit. Und auch sie wollen abends heil nach Hause kommen.“

Das falle ihnen zuweilen nicht leicht, sagt Pfordt und berichtet von einem weiteren Unfall, der sich Anfang September auf der Freiheitstraße ereignete. Ein Motorradfahrer hatte die Kontrolle über sein Zweirad verloren und rutschte damit unter die Schütte eines Müllfahrzeuges. Ein dort stehender Müllwerker brachte sich mit einem beherzten Sprung gerade noch in Sicherheit.

Weniger Glück hatte ein Müllwerker der Abfallentsorgung in Solingen. Im Juli erlitt er mehrere Knochenbrüche, weil ihm ein Autofahrer beim Überholen über den Fuß fuhr.

Auch Ersthelfer sollten mehr beachtet werden

Von einem generellen Respektverlust gegenüber Menschen, die im öffentlichen Auftrag ihrer Arbeit nachgehen und dazu unter anderem in den Straßenverkehr eingreifen, berichtet auch die Feuerwehr. „Auch offizielle Absperrungen sind schon lange nicht mehr heilig“, sagt der Remscheider Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan.

Flatterbänder, mit denen die Einsatzkräfte den Brand- oder Unfallort umgeben, werden ignoriert und die Helfer in Einsatzkleidung unter Umständen beschimpft, wenn sie auf die Absperrung hinweisen. „Ist dann noch Alkohol im Spiel, kann es unangenehm werden.“

Besonders gefährlich wird es für die Unfallhelfer auf der Autobahn. Wird die Sperrung mithilfe der Polizei aufgehoben und der Stau löst sich auf, drückt der eine oder andere genervte Autofahrer extra aufs Gas. „Dabei machen wir das ja nicht, um die Autofahrer zu ärgern“, sagt Eul-Jordan.

Die Feuerwehr bringt alle Fälle, in denen ein Kollege zu Schaden kommt oder beleidigt wird, zur Anzeige. Und erwartet im Gegenzug eine rasche Strafverfolgung.

Darauf hoffen nach ihrem Erlebnis am Mittwoch auch die Männer auf den Müllwagen der Technischen Betriebe. Nachdem er den Mitarbeiter mit dem Außenspiegel touchiert hatte, kümmerte sich der eilige Autofahrer nicht um den Mann. Das dürfte ihn teurer zur stehen kommen. Die Kollegen in Orange notierten das Autokennzeichen des Unfallfahrers. Ihr Chef Daniel Pfordt hat die Sache an die Polizei weitergegeben. Er will, dass seine Männer ihre Arbeit tun können. Ohne dabei verletzt zu werden. Sprüche hören sie sich schon genug an.

Zahlen der Polizei

Natürlich dürfen Müllfahrzeuge überholt werden. Doch viele Straßen in Remscheid sind so eng, dass das gar nicht oder nur unter schwierigen Umständen möglich ist. Die Müllwerker berichten von zahlreichen gefährlichen Situationen, denen sie ausgesetzt sind. In den Verkehrsunfallzahlen spiegelt sich das allerdings nicht wider. Laut Polizei kam es im Städtedreieck 2020 zu zwei Unfällen, an denen ein Müllfahrzeug beziehungsweise ein Müllwerker beteiligt waren. 2021 und 2019 gab es keine entsprechenden Unfälle.

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