Eigene Identität und Frage nach Gott sind eng verwoben

Pfarrerin Elke Mielke über die Frage „Wer bin ich?“ Foto: jumo
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Pfarrerin Elke Mielke über die Frage „Wer bin ich?“

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Elke Mielke, Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Wermelskirchen-Dabringhausen

Dreißig Frauen der Gemeinde verbringen ein gemeinsames Wochenende in einem Gästehaus im Oberbergischen. Der erste Abend dient dem Ankommen und Kennenlernen. Zur gegenseitigen Vorstellung hat die Leitung für jede Teilnehmerin ein Blatt mitgebracht, darauf, fünfzig Mal untereinandergeschrieben, der Satzanfang: „Ich bin. . .“.

Die Aufgabe lautet also, fünfzig unterschiedliche Aussagen über die eigene Person zu formulieren. An die Wand geheftet entsteht daraus eine Galerie der Teilnehmerinnen. Der Anfang ist ganz leicht: Ich bin Sabine – 52 Jahre alt – verheiratet – Mutter von vier Kindern – Technische Zeichnerin – begeisterte Joggerin, et cetera.

Zwölf bis fünfzehn Sätze sind damit schnell vervollständigt. Dann kommen die Eigenschaften: Ich bin ungeduldig – kreativ – zupackend – gesellig – chaotisch und so weiter. Schließlich lassen sich einige Zeilen füllen mit der eigenen gegenwärtigen Verfasstheit: Ich bin erschöpft – zufrieden – verärgert – unausgelastet. . . Aber etwa ab Satz Nummer 35 wird es wirklich schwer, weitere „Ich bin“-Aussagen zu formulieren.

„Wer bin ich“ – so lautet der Titel eines bekannten Gedichts von Dietrich Bonhoeffer, verfasst im Juni 1944 in der Haft. Er ringt darin um die Frage, was die Wahrheit über die eigene Person ist: Das, was ich selbst von mir wahrnehme, oder die Sicht und Meinung anderer über mich. Die letzte Zeile des Gedichtes lautet: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Im Gegenüber zu Gott kommt für Bonhoeffer die quälende Frage „Wer bin ich?“ zur Ruhe. Für ihn sind die Frage nach der eigenen Identität und die Frage nach Gott eng miteinander verwoben. „Du bist Petrus“, sagt Jesus zu dem Fischer Simon. Simon bekommt damit mehr als einen neuen Namen: ein neues Lebensprogramm in der Nachfolge Jesu. Von diesem Tag an hat Petrus die Frage „Wer bin ich?“ anders beantwortet als zuvor.

Fünfzig Mal vervollständigen „Ich bin. . .“ – das ist keine leichte Übung. Probieren Sie es gerne einmal aus! Was auf jeden Fall mit auf die Liste gehört, für jeden Menschen: Ich bin von Gott geschaffen, angesehen, gekannt und geliebt.

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