Umweltschützer geben Widerstand auf

Durchstich von der Intzestraße zur Lenneper Straße kommt - aber nicht so schnell

Die Einmündung der Intzestraße / Baisieper Straße ist ein Nadelöhr. Größeren Fahrzeugen ist es unmöglich, sie problemlos zu befahren. Regelmäßig kommt es zu Staus. Seit 1993 soll der Knotenpunkt deshalb ausgebaut werden.
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Die Einmündung der Intzestraße / Baisieper Straße ist ein Nadelöhr. Größeren Fahrzeugen ist es unmöglich, sie problemlos zu befahren. Regelmäßig kommt es zu Staus. Seit 1993 soll der Knotenpunkt deshalb ausgebaut werden.
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Die Technischen Betriebe verwerfen die Idee für neue Brücke am Intzeplatz.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Idee ist so alt wie er selbst: 1993 kam der Remscheider Jonas Rösner zur Welt, und im Rathaus zeichnete ein Verkehrsplaner den Plan von einem Durchstich von der Intzestraße zur Lenneper Straße. Das neue Straßenstück sollte möglichst bald die alte Steinbrücke ersetzen, die die Bahngleise in Richtung Intzeplatz überspannt. Mehr als 30 Jahre später, könnte es nun tatsächlich dazu kommen. Jonas Rösner, heute selbst Verkehrsplaner in Diensten der Stadt Remscheid, soll die neue Straße im Südbezirk bauen.

„Wir hoffen jetzt auf die Zusage der Fördermittel“, erklärt der Mitarbeiter der Technischen Betriebe Remscheid. 4,3 Millionen Euro soll die Verlängerung der Intzestraße insgesamt kosten. Die Stadt hofft darauf, dass das Land 80 Prozent davon übernimmt. Wann die Bagger anrücken? Frühestens 2024, sagt Rösner. Günstigstenfalls.

Das Verkehrsprojekt war und ist bis heute umstritten. Einigkeit herrschte nur in einem Punkt: Die Intzebrücke ist ein Nadelöhr. Regelmäßig stauen sich davor die Autos. Und für die Verkehrsbelastungen von heute hatten die Remscheider Ingenieure, die sie 1896 über die Bahngleise schlugen, nie ausgelegt. Schon 1993 war deshalb klar: Die Brücke hält dem Verkehr nicht dauerhaft Stand, sie muss ersetzt werden.

„Diese Umweltschützer wohnen wohl nicht in Remscheid-Süd.“

Annette Kunzler-Geisthardt, Anwohnerin

Doch die Durchstich-Pläne der Stadt Remscheid trafen und treffen nach wie vor bei Umweltschützern auf wenig Gegenliebe. Der Grund: Bäume stehen der neuen Straße im Weg und sollen deshalb weichen. Die Naturfreunde sprechen seither vom Intzeforst, was Anwohner wie Annette Kunzler-Geisthardt auf die Palme bringt. „Dass der sogenannte Intzeforst zur grünen Lunge und zum schützenswerten Grundstück erklärt wird, schlägt dem Fass den Boden aus“, sagt sie: „Diese sogenannten Naturschützer wohnen wohl nicht in Remscheid-Süd.“ Für sie und andere stellte sich der Forst eher als „wilde Gärten“ dar. „Mit Gerümpel dazwischen.“

Zu ihrem Leidwesen legten Hubert Benzheim (Bund für Umwelt und Natur) und Stephan Jasper (Grüne) jüngst einen Alternativvorschlag für das Nadelöhr Intzestraße / Baisieper Straße vor. Danach sollte eine neue Brücke die alte ersetzen und der Intzeforst mit Blick auf den Klimawandel unangetastet bleiben. Im Naturschutzbeirat der Stadt erzielten sie mit ihrem Vorschlag zumindest einen Teilerfolg. Die Technischen Betriebe winkten mit Blick auf die möglichen Kosten nicht bloß ab, sondern erklärten sich bereit, die Pläne zu prüfen. Das ist nun geschehen, allerdings mit keinem positiven Ergebnis.

„Eine neue Brücke müsste ja auch dem Busverkehr gerecht werden“, sagt Jonas Rösner. Die großen Gelenkbusse brauchen Platz, um um die Kurve zu kommen. „Herausgekommen wäre am Ende ein Monster von einem Brückenbauwerk“, erklärt der Verkehrsplaner. Die Kosten lägen bei 6 bis 7 Millionen Euro. Eine Neuplanung würde zudem noch einmal sechs bis acht weitere Jahre brauchen, schätzt Rösner. Außerdem: „Um das Baumaterial für diese Brücke zu lagern, würden wir den Intzeforst brauchen. Das heißt, die Hälfte der Bäume müsste deshalb gefällt werden.“

Damit hätten die Umweltschützer nichts gewonnen, weshalb sie ihren Widerstand nunmehr aufgeben wollen. „Wir können die Ausführungen der Stadt nicht überprüfen, halten sie insgesamt aber für plausibel“, sagt Hubert Benzheim. „Wir werden uns jetzt darum bemühen, dass wenigstens ein Teil der Bäume erhalten werden kann.“

Am 21. Juni haben sie Gelegenheit dazu. Dann kommt der Naturschutzbeirat im Rathaus zu seiner nächsten Sitzung zusammen.

Intzeplatz soll Pocket-Park werden

Nach dem Bau des Durchstichs von der Intzestraße zur Baisieper Straße müssen die Autos nicht mehr in Richtung Intzeplatz fahren. Der größte Teil seiner Verkehrsflächen werde dann nicht mehr gebraucht, erklärt die Stadt. Sie sollen deshalb entsiegelt werden. „Hier kann dadurch ein innerstädtischer Pocket-Park entstehen, durch den ein Teil der verursachten Eingriffe in unmittelbarer Nähe ausgeglichen werden kann“. Für die zu fällenden Bäume im „Intzeforst“ sollen Ersatzpflanzungen erfolgen.

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