Durch Corona wird vermehrt ambulant entbunden

Hebamme Ramona Berkey (rechts) bei der Arbeit. Sie setzt der werdenden Mutter Janette Blankemeyer im Rahmen der Geburtsvorbereitung Akupunkturnadeln – natürlich coronagemäß mit Mundschutz. Foto: Ramona Berkey
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Hebamme Ramona Berkey (rechts) bei der Arbeit. Sie setzt der werdenden Mutter Janette Blankemeyer im Rahmen der Geburtsvorbereitung Akupunkturnadeln – natürlich coronagemäß mit Mundschutz. Foto: Ramona Berkey

Hebamme Ramona Berkey über das Kinderkriegen in Pandemiezeiten

Von Michelle Jünger

Kinderkriegen ist etwas wunderschönes. Klingt aber auch schwierig in Zeiten, in denen eine Pandemie alles auf den Kopf stellt. Das hält aber das Hebammenteam der Praxis Kugelrund nicht ab, alles dafür zu geben, damit es ein guter und gesunder Start ins Familienleben wird. Ramona Berkey ist Hebamme in der Praxis und hat eine Teilzeitstelle im Kreißsaal des Sana-Klinikums.

Die Hebammenpraxis ist außer für Vorsorgetermine geschlossen. „So gut wie alle Kurse, die wir anbieten, sind online verfügbar, aber die persönliche Betreuung der Schwangeren erfolgt natürlich wie gewohnt“, sagt Berkey.

Da Abstände bei Hausbesuchen nun mal nicht einzuhalten sind, wird stark auf Hygiene geachtet, gute Lüftung und natürlich eine Maske getragen. „Schwangere oder auch Neugeborene und frischgebackene Mütter zählen durchaus auch zu einer Risikogruppe, und wir versuchen, sie zu schützen, so gut es geht“, erklärt die Hebamme. Manchmal sei auch – wenn nur der Verdacht auf Corona bestehe, der Hausbesuch notwendig sei und nicht verschoben werden könne – volle Montur angesagt: Schutzanzug, Überzieher, Maske, Gesichtsschild, Handschuhe. Das ganze Programm.

„Man kommt sich darin ganz schön komisch vor, und angenehm ist das aus vielen Gründen nicht. Aber so wird es echt unpersönlich“, erzählt sie. Und gerade Distanz oder Verunsicherung wolle sie bei den Schwangeren selbstverständlich nicht hervorrufen. Diese Unsicherheit sei aber auch ohne Schutzmontur da.

Die Regeln ändern sich in Corona-Zeiten im Wochentakt und sind von Städten, Kreisen und Kliniken abhängig. Einheitlich sei es nirgendwo. Dadurch steigt oft die Angst, allein entbinden zu müssen. Viele Väter dürften nicht mit in den Kreißsaal, woanders müssen Mutter und Vater negativ getestet sein, manchmal aber auch nur der Vater.

Durch Corona wird vieles auch entspannter

Aber es gibt auch schöne Seiten, trotz Lockdown, trotz Schutzmaßnahmen. „Wir versuchen natürlich, die Familienzusammenführung so sanft und entspannt wie möglich zu begleiten. Durch Corona wird tatsächlich vieles entspannter“, sagt Berkey. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft oder in der ersten Eingewöhnungszeit nach der Entbindung solle es nur um die frischgebackene Familie gehen. Ständige Besuche der Neugeborenen und das hektische Leben drumherum gebe es im Moment oft nicht.

Besonders schön findet Berkey den Umstand, dass in den vergangenen Monaten rund 90 Prozent der natürlichen und gesund verlaufenen Geburten ambulant erfolgten. „Nach vier Stunden können Mutter und Kind in das geschützte, gewohnte Umfeld zurückkehren. Das ermöglicht ihnen einen schönen Start.“ Es bedeute schlicht mehr Ruhe und vor allem keine Krankenhauskeime, die auch ohne Pandemie im Rücken ein Risikofaktor seien. Das wünsche sie sich für mehr Familien.

Das wäre auch gar nicht so schlecht, es gibt erste Hinweise auf einen Babyboom seit dem ersten Lockdown. Die erste Welle an Geburten scheint sogar schon spürbar. „Mich haben Kolleginnen angesprochen, und ich habe dann auch festgestellt, dass es gerade mehr Entbindungen gibt. Das kann aber auch sehr subjektiv sein“, sagt Berkey. Das könnte wegen des Hebammenmangels auch problematisch werden. Das Bergische Land sei aber gut versorgt, betont Berkey. Um eine Hebamme zu bekommen, solle man sich aber so früh wie möglich melden, denn die Plätze seien begrenzt.

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