Akademie Küppelstein

Duo durchleuchtet den Jahrhundertkünstler Beuys

100 Jahre Joseph Beuys: Das Wagnis einer emotionalen Annäherung unternahmen in der Akademie für Kulturelle Bildung in Küppelstein (v. l.) Dieter Kreidler, Kurator Peter Köster, Künstler Horst-Olaf Schmidt. Foto: Roland Keusch
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100 Jahre Joseph Beuys: Das Wagnis einer emotionalen Annäherung unternahmen in der Akademie für Kulturelle Bildung in Küppelstein (v. l.) Dieter Kreidler, Kurator Peter Köster, Künstler Horst-Olaf Schmidt.

„Dokumentarischer Film“ wurde in der Akademie der Kulturellen Bildung gezeigt

Von Sabine Naber

Remscheid Joseph Beuys, der Jahrhundertkünstler, den man nie ohne Filzhut sah, wäre im Mai 100 Jahre alt geworden. In zahlreichen Ausstellungen waren seine Werke dieses Jahr zu sehen. Auch der Remscheider Künstler Horst-Olaf Schmidt und der Musiker Prof. Dieter Kreidler setzten sich auf ungewöhnliche, beeindruckende Weise mit Beuys auseinander.

Während auf der großen Leinwand im Saal der Akademie der Kulturellen Bildung das halbe Gesicht von Joseph Beuys waagerecht und senkrecht zu sehen ist, erklingen vier Minuten lang melodische, bitonale, flirrende, herrische, schräge, aber vor allem überraschende Töne. Kreidler hat die Musik komponiert, Mandolinen, Gitarren und Kontrabass eingesetzt.

In einer künstlerischen Kooperation präsentierten Kreidler und Schmidt mit „100 Jahre Joseph Beuys – Wagnis einer emotionalen Annäherung“ in der Akademie einen „dokumentarischen“ Film, in dem sie den Einfluss von Beuys Jugend auf sein Werk und seine Wandlung zum Gesellschaftskritiker, Schamanen, Medienstar und Mitbegründer der Grünen hinterfragen.

So entstand ein Projekt aus etwa einem Dutzend unterschiedlichster künstlerischer Positionen und die Komposition „Sudoku“. „Es ist bei Beuys eine Reise durch Überraschendes. Musikalisch müsste es bei ihm doch wenigstens Stockhausen sein, denkt man. Aber weit gefehlt. Sie war eher schlicht“, erklärte Kreidler.

Kritische Auseinandersetzung mit Beuys‘ Jugend in der NS-Zeit

Zu Beuys’ Sozialisation vom Bürgerlichen zum großen Meister der Avantgarde habe die Zufälligkeit der Zahlenfolge bei einem Sudoku vortrefflich gepasst. „Herausforderungen, zu denen man hinführen muss.“ Im Film nimmt Schmidt das Publikum mit zu Stationen in Beuys Leben, betrachtet das Gesamtkunstwerk, lässt sich auf Dialoge ein, reflektiert aber auch das Unangenehme, greift Beuys Jugend im Nationalsozialismus auf, erinnert an seinen Flugzeugabsturz 1944.

„,Sie haben mich zurechtgeschossen‘, hat Beuys einmal gesagt. Aber er war Täter, hatte sich zwölf Jahre lang als Freiwilliger gemeldet“, machte Schmidt deutlich. Und erklärt im Film seinem Kurator Peter Köster, dass er diese Seite Beuys’ durch seine Installation „Himmelstürzendes Scheißhaus“ deutlich machen will.

Auf einer Klotür, auf der normalerweise ein Herz zu sehen ist, erscheint bei Schmidt ein Hakenkreuz, durch das der Bordschütze den Gewehrlauf hält. Beuys legendärer Spruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ ist zu hören, und es wird philosophiert bei Schmidts filmischer Suche nach den besonderen Punkten in Beuys Leben. „Er war ein Erneuerer der Kunst in den 60er- und 70er- Jahren“, hieß das Fazit.

Beim anschließenden Rundgang nahm Schmidt seine Gäste mit zu den eigenen Werken. Beispielsweise eine Eichenstele, der er farblich einen Frack verpasst hatte. Oder die Installation „Linsenglas – das Auge sieht mit“, bei der er Konservendosen zusammengefügt, mit gläsernen Böden versehen hat und sie so wie ein Fernglas wirken lässt. „Beuys fände das bestimmt witzig“, glaubt Horst-Olaf Schmidt.

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