Naturschutz

Drohne mit Kamera soll Rehkitze retten

Rehkitze verharren reglos dort, wo die Ricke sie abgelegt hat. Das wird ihnen zum Verhängnis, wenn die Wiesen vor der Mahd nicht abgesucht werden. Foto: Hegering Radevormwald
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Rehkitze verharren reglos dort, wo die Ricke sie abgelegt hat. Das wird ihnen zum Verhängnis, wenn die Wiesen vor der Mahd nicht abgesucht werden.

In Radevormwald ist ein solches Fluggerät bereits im Einsatz – Allerdings funktioniert das nicht ganz reibungslos.

Von Axel Richter

Remscheid. Ein frisch gesetztes Rehkitz ist gerade einmal so groß wie ein DIN-A4-Blatt. Im hohen Gras verharrt es regungslos. Für das Auge des Menschen ist es deshalb beinahe unsichtbar und dem Jagdhund steigt es nicht in die Nase, denn Kitze haben keinen Eigengeruch. Was den Rehnachwuchs eigentlich vor Fressfeinden schützen soll, wird ihm zum Verhängnis, wenn der Landwirt mit dem Kreiselmäher anrückt. Werden die Wiesen vorher nicht abgesucht beziehungsweise das Wild vergrämt, werden die Tiere buchstäblich totgemäht.

Um das zu verhindern, soll in Remscheid künftig eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz kommen. Das fordert die CDU und will dazu die Stadt Remscheid in die Pflicht nehmen. In Radevormwald ist das bereits der Fall. Dort koordiniert die Bauverwaltung den Einsatz des Fluggerätes. Bauern und Jäger teilen sich die Kosten von rund 5000 Euro im Jahr.

„Die Bauern machen das mit großer Sorgfalt.“ 

Susanne Fiedler, Grüne

Im Aussschuss für Bürger, Umwelt, Klimaschutz und Ordnung, wo der Drohneneinsatz nach einer Anfrage von Mathias Heidtmann diskutiert wurde, stand am Ende ein Kompromiss: Bevor das Gerät zum Einsatz kommt, soll mit der Ortsbauernschaft gesprochen und der Jagdbeirat zurate gezogen werden.

Schließlich unternehmen Landwirte und Jäger bereits eine Menge, um die Kitze vor dem Mähtod zu retten. Vor der Wiesenmahd machen sie sich auf die Suche nach den Tieren, um sie mit Einmalhandschuhen in Grasbüscheln am Rand der Weide abzulegen. Die Muttertiere führen die Kitze danach aus dem Gefahrenbereich. Das funktioniert und ist geübte Praxis. Darüber hinaus schlagen die Jäger Pflöcke mit Flatterbändern und Plastiktüten in die Erde. Das soll die Tiere vergrämen und dazu veranlassen, die Wiese vor der Mahd zu verlassen. Auch kommen bereits Drohnen zum Einsatz – selbst organisiert und auf private Kosten.

Susanne Fiedler (Grüne) trat dem Vorstoß der CDU deshalb entgegen. „Die Bauern machen das bereits mit großer Sorgfalt“, hielt sie fest: „Die möchten nämlich auch kein zermatschtes Tier in ihren Geräten haben.“ Die Grüne lehnte es deshalb ab, die Verwaltung mit zusätzlichen Aufgaben zu bedenken.

Zudem funktioniert der Drohneneinsatz in Radevormwald nicht reibungslos. Das Prinzip: Der Landwirt, der seine Wiese abmähen will, ruft einen Tag vorher bei der Stadtverwaltung an. Die organisiert dann den Drohnenpiloten. Das Problem: Es gibt nur zwei Piloten – eine Zahl, die sich mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Aktion als zu wenig herausgestellt hat.

Einige Radevormwalder Jäger verlassen sich deshalb nicht auf die Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Behörde – und suchen die Wiesen auf herkömmliche Weise ab. Dass Tiere dabei übersehen werden, ist wahrscheinlich. Zudem sorgte die Drohne dort, wo sie zum Einsatz kam, dafür, dass vergleichsweise viele Tiere gerettete werden konnten.

Landwirte, Jäger, Jagdbehörde und -berater sind deshalb grundsätzlich für die Drohne. Über den Vorschlag der CDU, ihren Einsatz von der Stadt koordinieren zu lassen, soll jedoch erst später abgestimmt werden. Damit war auch Mathias Heidtmann einverstanden. Hauptsache es falle eine Entscheidung vor der nächsten Mahd.

Finger weg

Grundsätzlich gilt: Finger weg! Wer ein Rehkitz findet, und es anfasst, spricht sein Todesurteil aus. Die Ricke kehrt dann nicht mehr zum Säugen zu ihm zurück. Ein Kitz, das im hohen Gras liegt, ist nicht verlassen.

Der Umgang mit Rehen könnte sich zu einem Streitpunkt im neuen Jagd-Beirat entwickeln.

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