Die Infrastruktur bleibt erhalten

Drei von fünf Corona-Impfstellen in Remscheid sind geschlossen

Die Impfstelle bei 365 Grad neben dem Allee-Center hat den Betrieb vorerst eingestellt. Tatjana Grieco und Anna-Lena Poth halten die Einrichtung aber in Schuss, so dass sie jederzeit wieder hochfahren kann.
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Die Impfstelle bei 365 Grad neben dem Allee-Center hat den Betrieb vorerst eingestellt. Tatjana Grieco und Anna-Lena Poth halten die Einrichtung aber in Schuss, so dass sie jederzeit wieder hochfahren kann.

Grund ist die geringe Nachfrage nach dem Impfstoff.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Da waren es nur noch zwei: Die Zahl der Impfstellen in Remscheid hat sich zuletzt deutlich reduziert, nur die städtische im Zentrum Süd und die der Stiftung Tannenhof in Lüttringhausen sind weiter in Betrieb. Grund ist offenbar die geringe Nachfrage, nicht einmal mehr 1000 Impfungen gegen Corona zählte die Kassenärztliche Vereinigung in der vergangenen Woche in Remscheid.

Doch aufgeben möchte die Stadt die Infrastruktur auf keinen Fall, wie Sozialdezernent Thomas Neuhaus betont. Deswegen soll die städtische Impfstelle nun auch noch einmal umziehen. Und auch die drei privaten Stellen seien nur vorübergehend geschlossen, könnten jederzeit ihren Betrieb wieder hochfahren.

„Die Grundstruktur bleibt Bestehen“, verspricht Neuhaus. Das sei nicht zuletzt eine Lehre aus der Schließung des Impfzentrums in der Halle West. Das war im September auf Weisung der Landesregierung aufgegeben worden, um dann kurze Zeit später die Impfstellen aus dem Boden stampfen zu müssen.

Die Impfstelle im Sana-Klinikum kann jederzeit wieder reaktiviert werden.

Dadurch habe es gerade in der Zeit, als viele Menschen sich impfen lassen wollten, eine Lücke gegeben. „Beim ersten Mal war es nicht unsere Schuld“, sagt der Sozialdezernent. Wenn etwas Vergleichbares aber noch mal passiere, sei man zumindest mit verantwortlich.

Auch das Sana-Klinikum, Betreiber einer der nun geschlossenen Impfstellen, spricht in einer Mitteilung ausdrücklich von einer „vorläufigen Schließung“: „Sollten sich zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise im Herbst, wieder mehr Menschen impfen lassen wollen, können wir das Impfzentrum wieder reaktivieren“, sagt Geschäftsführerin Svenja Ehlers.

Ähnlich sieht das Ralf Mantei vom Pflegedienst 365˚, der bis Ende April direkt neben dem Allee-Center geimpft hatte: „Die Impfstelle bleibt grundsätzlich in Funktion“, stellt er klar. Denkbar sei zum Beispiel, dass sie ab Juni wieder einen Tag pro Woche oder zwei Tage pro Monat öffnet. Oder bei Bedarf den Betrieb auch wieder ganz aufnimmt. „Am Ende des Tages wird uns das Thema ja nicht loslassen“, sagt Mantei. Auch mit Blick auf bereits angekündigte neue Impfstoffe.

Wirklich gerechnet habe sich die Impfstelle nie, lässt der Geschäftsführer durchblicken: „Betriebswirtschaftlich betrachtet war das keine gute Idee.“ Doch bereut habe man das Engagement trotzdem nicht: „Das ist wichtig, auch im Sinne unserer Mitarbeiter.“

Wie lange es die städtische Impfstelle gibt, hängt auch von der Finanzierung ab

Wie lange es die städtische Impfstelle gibt, hängt auch von der Finanzierung ab, sagt Dezernent Neuhaus. Die sei derzeit nur bis Ende August gesichert. Die Entscheidung, wie es danach weitergeht, stecke wohl im Landtagswahlkampf fest. „Aber auf Bundesebene gibt es klare Signale, dass die Finanzierung bis zum 31. Dezember verlängert wird.“

Deswegen lohnt sich der Umzug der Impfstelle. In ihrem derzeitigen Domizil soll eine Arztpraxis entstehen. „Wir müssen da Ende Mai raus“, erklärt Thomas Neuhaus. „Das war schon länger klar.“ Geplant sei nun, bis zum 31. Mai an der Rosenhügeler Straße zu impfen, danach werde es um Pfingsten ein paar Tage ohne städtische Impfstelle geben. Für den Rest des Monats soll dann ein Angebot in der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Gesundheitsamtes in Hasten eingerichtet werden, die dortige Impfstelle hatte die BEST GmbH aufgegeben, ehe es am 1. Juli in der Berghauser Straße 63 weitergeht.

Die Übergangszeit könne man so gut überbrücken, sagt Neuhaus: „Die Impfnachfrage ist derzeit ja überschaubar.“ Das könne sich nach den Sommermonaten aber ändern: „Dann kommen alle mit den verschiedenen Mutationen aus dem Urlaub zurück“, entwirft der Sozialdezernent ein mögliches Szenario. Und darauf werde man dann vorbereitet sein. 

Impfungen in Kalenderwoche 18

941 Impfungen gegen Corona wurden laut Kassenärztlicher Vereinigung in der Kalenderwoche 18 in Remscheid verabreicht. Der größte Anteil (660) entfiel dabei auf zweite Boosterimpfungen für Über-60-Jährige, zudem gab 130 zweite Booster bei 18- bis 59-Jährigen. Erstimpfungen gab es gerade noch zehn Stück, je fünf in der Altersgruppe 18 bis 59 Jahre und bei den Über-60-Jährigen.

Öffnungszeiten der Impfstellen Tannenhof und Rosenhügeler Straße

Die städtische Impfstelle an den Rosenhügeler Straße hat montags, mittwochs und freitags 8 bis 14 Uhr und dienstags und donnerstags 11.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

In der Stiftung Tannenhof wird derzeit montags bis freitags 12.30 bis 17.30 Uhr geimpft. Allerdings plane man eine Reduzierung der Zeiten, über den Sommer werde die Impfstelle nur dienstags und freitags geöffnet sein.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Das Unplanbare planen

sven.schlickowey@rga.de

Wenige Tage noch, dann ist Landtagswahl. Wenn danach zumindest halbwegs klar ist, wer zukünftig in Düsseldorf regiert, können wir vielleicht auch mal wieder zur Sacharbeit zurückkehren - und eventuell sogar über die Zukunft der Impfstellen entscheiden. Dass das bisher ausgeblieben ist, die Kommunen also mal wieder in einer Art luftleerem Raum planen müssen, ist so ärgerlich wie inzwischen leider auch normal in der Pandemie.

In einem eher auf Fehlervermeidung ausgerichteten Wahlkampf haben offenbar alle Seiten versucht, Themen zu vermeiden, die dem Wähler negativ aufstoßen könnten. Leidtragende sind einmal mehr die Städte und Gemeinden, die nicht nur das Unplanbare planen müssen, sondern noch nicht einmal wissen, ob sie auch das Geld dafür bekommen.

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