Tanz

„Dornröschen“: Raffinierte Melodien und intensives Ballett

Die böse Fee, verkörpert durch einen Tänzer, stach aus dem schwarz-weißen Ensemble hervor.
+
Die böse Fee, verkörpert durch einen Tänzer, stach aus dem schwarz-weißen Ensemble hervor.

Compagnie Illicite Bayonne und Bergische Symphoniker führten Ballettklassiker auf. Besucher erlebten einige Überraschungen.

Von Daniel Diekhans

Remscheid. Tschaikowskys Dornröschen-Ballett weckt Erinnerungen an Theaterbesuche in der Vorweihnachtszeit. Der Auftritt der französischen Compagnie Illicite Bayonne im Teo Otto Theater folgte diesem Vorbild, und die Vorstellung am letzten Novembertag war mit 450 Zuschauern gut besucht. Die Bergischen Symphoniker spielten Tschaikowskys raffinierte Melodien. Im Orchestergraben dirigierte Michael Ellis Ingram.

Wer „Dornröschen“ als Tanzstück mit Prolog und drei Akten erinnert, erlebte allerdings mehr als eine Überraschung. Choreograf Fábio Lopez, der die Compagnie 2015 gründete, erzählt den Märchenstoff in gerade mal einer Stunde und geht auch inhaltlich frei damit um. Während mit dem Sohn der bösen Fee Carabosse eine neue Figur eingeführt wird, kommt die gute Fliederfee gar nicht vor.

Die Rolle des Sohns ist ambivalent: Einerseits erfüllt er den Fluch seiner Mutter und versetzt Dornröschen den giftigen Stich, durch den sie in ewigen Schlaf fällt. Andererseits macht er eine innere Wandlung durch, besiegt die Mutter und erlöst Dornröschen. Ungewöhnlich war auch der abschließende Pas de deux: Die Prinzessin und ihr Retter bewegten sich zu den modernen Klängen von Ravel. So als wollten sie endgültig Abschied nehmen von Tschaikowskys Romantik. Dabei beruht Lopez’ Choreografie auf der Versöhnung von Tradition und Innovation.

Make-up erinnerte an Glamrockstar David Bowie

Das Ensemble aus sechs Männern und fünf Frauen beherrschte das Tanzen auf Spitze ebenso wie kühne Drehsprünge. Zwar stach sich Dornröschen nicht wie gewohnt an der Spindel, sondern an einem übergroßen Metalldorn. Doch das Zittern und Zucken, das danach den Körper der Darstellerin durchlief, überzeugte durch seine Intensität. Mit der Idee, die böse Fee mit einem Tänzer zu besetzen, kann sich Lopez sogar auf die Praxis des 19. Jahrhunderts berufen. Umso mehr fiel das Outfit aus dem Rahmen: Mit dem bunt schimmernden Kostüm stach Carabosse aus dem schwarz-weißen Ensemble hervor, und das grelle Make-up erinnerte an einen Glamrockstar à la David Bowie.

Einsame Spitze war Dornröschens Tanz mit verbundenen Augen. Die Tänzerin bewies nicht nur ein Höchstmaß an Körperbeherrschung. Noch beeindruckender war ihr Vertrauen in die wechselnden Tanzpartner. Mochte das Publikum bei solchen Szenen auch den Atem anhalten – ausgelassen war der Schlussapplaus.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Vorderrad abgerissen: Zwei Schwerverletzte bei Unfall
Vorderrad abgerissen: Zwei Schwerverletzte bei Unfall
Vorderrad abgerissen: Zwei Schwerverletzte bei Unfall
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien
Fahrradwege: An diesen Stellen plant die Stadt Neues
Fahrradwege: An diesen Stellen plant die Stadt Neues
Fahrradwege: An diesen Stellen plant die Stadt Neues

Kommentare