Hybrid-Veranstaltung

Bergisches Wissensforum: Dörte Maack verwirklicht blind ihre Träume

Dörte Maack sprach am Dienstag beim Bergischen Wissensforum. Foto: Rouven Böttner
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Dörte Maack sprach am Dienstag beim Bergischen Wissensforum.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Rednerin und Moderatorin Dörte Maack sprach beim Bergischen Wissensforum.

Bergisches Land. Dörte Maack hat ihre beiden Kinder (14 und 17 Jahre) noch nie gesehen. Sie kann sie hören und fühlen und mit ihnen sprechen. Aber sie eben nicht sehen. Die gebürtige Pinnebergerin verlor ihr Augenlicht, als sie eine junge Frau war. „Alles begann eigentlich in der Zeit nach dem Abitur“, erzählte Maack den Zuschauern beim Bergischen Wissensforum von RGA und Solinger Tageblatt, das am Dienstagabend sowohl live im Bürgersaal der Solinger Stadtkirche als auch online im Live-Stream zu sehen war.

Dörte Maack ist heute Moderatorin und Rednerin. coacht Führungskräfte und Unternehmer, reist durch die ganze Welt, treibt Sport, führt ihren Haushalt, ist Ehefrau und Mutter. „All das“, sagt die 1967 geborene Unternehmerin heute, habe ich nur erreichen können, weil ich erblindet bin.“

Heute vermittelt Dörte Maack Menschen Wege, wie sie trotz oder gerade wegen schwerer Krisen ihr Leben so gestalten, wie sie es sich wünschen. Vor allem aber selbstbestimmt.

Der Weg zu dieser erstaunlichen Akzeptanz ihrer unheilbaren Augenerkrankung war indes lang. Sehr lang.

Nach Wut, Trauer und Verzweiflung wusste Maack was zu tun war

Sie erinnert sich noch genau an den buchstäblich dunklen November-Nachmittag, an dem sie in der Augenarztpraxis saß. „Dass etwas mit meinen Augen nicht stimmte, hatte ich schon lang bemerkt, wollte es aber nicht so richtig wahrhaben“, sagt sie. Viel zu bunt, zu aufregend sei damals ihr Leben gewesen. Nach dem Abitur hatte sie viele Berufswünsche, besuchte aber schließlich eine Zirkusschule in Großbritannien. Erlernte Akrobatik, tanzte am Trapez und am Seil. Zusammen mit zwei Freundinnen gründete sie später ein Unternehmen, war Straßenkünstlerin, gestaltete Kinderfeste. Auf die Kraft ihres Körpers konnte sich Dörte Maack immer verlassen.

Bis zu diesem Nachmittag, an dem der ernst dreinblickende Augenarzt ihr eröffnete, sie litte unter Retinitis pigmentosa, einer seltenen, aber unheilbare Augenkrankheit, die zur Erblindung führt.

Dörte Maack stand unter Schock, wollte das Gehörte zunächst nicht wahrhaben. „Ganz normal für Menschen, die eine schlimme Diagnose bekommen oder einen Verlust erleiden“, sagt die Rednerin.

Wut, Trauer, Verzweiflung waren fortan ihre Begleiter. Wichtig für sie seien während dieser Zeit Menschen gewesen, die ihr zur Seite standen „und einfach da waren“. Ein längerer Aufenthalt in China drei Jahre später änderte ihr Leben schließlich grundlegend. „Ich war dort, um mich in einer Klinik mit Akupunktur behandeln zu lassen – als letzte Chance quasi“, berichtet sie. Und in Asien gelangte Dörte Maack schließlich zu der entscheidenden Erkenntnis: Aufhalten lässt sich ihr Schicksal nicht.

Hauptsache, man hält den Stift selbst in der Hand

Und so begann sie, wieder daheim, Schritt für Schritt mit der Situation zu leben, ihren Alltag zu meistern, einkaufen zu gehen, den Haushalt zu machen. Sie suchte sich Verbündete beim Blinden- und Sehbehindertenverein, studierte schließlich sogar noch Sport und schaffte – blind – mit Unterstützung ihrer Professoren sogar den 100-Meter-Hürdenlauf.

Sie sagt heute, dass die Frage, die sich viele stellen – Warum gerade ich? – eine falsche sei. „Viel besser ist es, sich zu fragen: Warum bin gerade ich auserwählt, damit zu leben?“ Ein Zitat, das Dörte Maack schon vielen mit auf den Weg gegeben hat, beschreibt es treffend: „Es ist egal, ob du das nächste Kapitel in Tinte oder in Blindenschrift schreibst. Hauptsache, du hältst selbst den Stift in der Hand“, wie sie kürzlich in einem Interview sagte.

Vorträge

Das Bergische Wissensforum wird von Solinger Tageblatt, Remscheider General-Anzeiger sowie der Agentur Sprecherhaus veranstaltet. Die Volksbank im Bergischen Land und die Firma Walbusch unterstützen das Format. Weitere Infos im Internet: www.sprecherhaus.de.

Zuvor hat Eric Standop beim Wissensforum gesprochen.

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