Interview

DOC: Bei Rolf Haumann wächst die Skepsis

Bezirksbürgermeister Rolf Haumann ist angesichts der Unwägbarkeiten skeptisch, dass das DOC Wirklichkeit wird. Archivfoto: Michael Schütz
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Bezirksbürgermeister Rolf Haumann ist angesichts der Unwägbarkeiten skeptisch, dass das DOC Wirklichkeit wird.
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Bezirksbürgermeister nimmt Stellung zum Großprojekt und weiteren Themen in Lennep.

Von Frank Michalczak 

Herr Haumann, vor welchen Herausforderungen steht Lennep 2021?

Rolf Haumann: Wir haben eine ganze Reihe größerer Baustellen. Da steht natürlich die Frage im Raum, was aus dem Outlet Center wird und wie wir die Probleme mit unseren Sportstätten lösen. Ehrlich gesagt: Letzteres ist mit wichtiger. Die SG Hackenberg benötigt unsere Hilfe – einen Kunstrasenplatz oder als Alternative einen Platz mit grüner Asche, damit sich die Trainingsbedingungen verbessern. Ein weiteres Thema sind die Leerstände in der Altstadt. Ich hoffe darauf, dass hier durch das neue Förderprogramm des Landes NRW zur Stärkung der Innenstädte Impulse gesetzt werden können.

Kommen wir zunächst zum Designer Outlet Center (DOC). Wie groß ist denn nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster überhaupt noch die Wahrscheinlichkeit, dass es gebaut wird?

Haumann: Eine Einschätzung wäre Kaffeesatzleserei. Der Stadt blieb ja gar nichts anderes übrig, als nach dem doch unerwarteten Urteil in die Revision zu gehen. Wie lange das neue Verfahren am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig aber dauert, ist nicht abzusehen. Und danach könnte es dazu kommen, dass sich die Richter in Münster erneut mit dem DOC befassen müssen. Ich bin ja eher ein Kritiker des Projekts – und im Moment angesichts der Unwägbarkeiten skeptisch, dass es realisiert wird.

Aber: Mit den Grundstücksverkäufen von Röntgen-Stadion, Jahn- und Kirmesplatz an DOC-Investor McArthurGlen sollte doch die Erweiterung der Sportanlage Hackenberg finanziert werden. Dieser Traum wäre geplatzt, wenn das Outlet Center nicht an den Start gehen kann.

Haumann: Wir sollten eine Politik der kleinen Schritte gehen. Eine Anlage mit Tribüne und allem Drum und Dran wird es vorerst nicht geben können. Aber der SG Hackenberg muss möglichst schnell geholfen werden, wobei der Verein ja auch signalisiert hat, Eigenleistungen einzubringen. Die SG Hackenberg leidet sehr unter dem desolaten Zustand auf dem Trainingsgelände und hat schon viele Kinder und Jugendliche an andere Vereine verloren, die Kunstrasen bieten können. Deshalb herrscht Handlungsbedarf.

Aber: Kunstrasen wollen auch andere Remscheider Vereine. Wie soll das denn alles finanziert werden?

Haumann: Ich sehe das Thema natürlich mit der Lenneper Brille und da steht die SG Hackenberg im Vordergrund. Es ist dennoch zunächst einmal richtig, den Bedarf im gesamten Stadtgebiet zu untersuchen und auf dieser Basis ein neues Konzept zu entwickeln. Ich habe großes Verständnis dafür, dass auch der FC Klausen und der BV 10 in Neuenkamp auch einen Kunstrasenplatz wünschen.

Ob das DOC nun gebaut wird oder nicht: Das marode Röntgen-Stadion hat doch ausgedient. Oder benötigt Remscheid tatsächlich neben der Sportstätte in Reinshagen ein zweites Stadion, in das Millionen investiert werden müssten?

Haumann: Wir benötigen das Röntgen-Stadion zumindest für den Übergang. Unter anderem dienen die dortigen Leichtathletik-Anlagen dem Schul- und Vereinssport – von den Laufbahnen bis zur Weitsprunggrube. Das müssen wir in Lennep weiter vorhalten.

Die Leichtathletik-Anlagen könnten aber auch in Hackenberg entstehen, wenn dort ein Kunstrasenplatz gebaut wird.

Haumann: Da gebe ich Ihnen recht. Aber wir sind ja gerade erst dabei, Ersatzlösungen zu konzipieren. Platz gäbe es in Hackenberg für die Leichtathletik jedenfalls genug.

Themenwechsel: Die Lenneper Altstadt ist zwar malerisch, viele Einkaufsmöglichkeiten sind jedoch verschwunden, wie Sie eingangs angemerkt haben. Was soll das Förderprogramm des Landes denn bewirken?

Haumann: Vom Prinzip her geht es darum, Unternehmer mit Zuschüssen eine reduzierte Mietzahlung und damit Starthilfe zu gewähren. Unter den momentanen Bedingungen werden sich dafür aber kaum Interessenten finden. Im Lockdown haben sie ja keine Chance, etwas zu verkaufen – es sei denn, sie handeln mit Lebensmitteln. Zum einen fehlen dafür aber geeignete Geschäftslokale in der Altstadt, zum anderen ist Lennep mit den bestehenden Angeboten gut aufgestellt. Ich hoffe sehr, dass das Förderprogramm entsprechend verlängert wird und bin sicher, dass Baudezernent Peter Heinze und sein Team dies im Blick behalten.

Ein Dauerbrenner ist und bleibt die Frage, ob Autos aus der Altstadt verbannt werden sollen. Was halten Sie denn davon?

Haumann: Ich habe in einem RGA-Gespräch kurz nach der Kommunalwahl schon deutlich gemacht, dass ich ein Freund dieser Idee bin. Aber ich weiß auch genau, dass es dagegen Widerstände gibt. Händler verweisen darauf, dass es Parkplätze vor ihren Geschäften geben müsse. Die Anwohner müssen wissen, wohin sie mit ihren Autos sollen. Dass die Idee aber funktioniert, beweist das Beispiel Hattingen, das mittlerweile eine weitgehend autofreie Altstadt hat. Vielleicht lässt sich ein solches Modell ja schrittweise auch in Lennep entwickeln. Fakt ist jedenfalls, dass es Beschwerden gibt, wonach sich Raser und Poser immer wieder in der Altstadt präsentieren. Das ist ein echtes Ärgernis.

Sie sind seit einigen Monaten Bezirksbürgermeister. Wegen Corona konnten Sie sich den Lennepern auf geplanten Großveranstaltungen nicht vorstellen. Wie optimistisch sind Sie, beim Oktoberfest 2021 gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Verkehrs- und Fördervereins Klaus Kreutzer und OB Burkhard Mast-Weisz den Fassanstich vornehmen zu können?

Haumann: Das wäre jedenfalls sehr schön. Ich setze bei der Bekämpfung der Pandemie aufs Impfen. Und auch ich lasse mich impfen, sobald ich an der Reihe bin. Und vielleicht müssen wir ja auf Großveranstaltungen nicht bis Herbst warten. Die SG Hackenberg hat jedenfalls Einladungen für ihr Pfingstturnier ausgesprochen. Das macht Mut.

ZUR PERSON

Rolf Haumann arbeitet als Jugendreferent beim Kirchenkreis Lennep. Der 63-jährige Diakon ist seit 2012 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Nach der Kommunalwahl im September 2020 avancierte er zum Bezirksbürgermeister in Lennep und löste seinen Vorgänger Markus Kötter (CDU) ab, der keine Mehrheit fand.

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