Pandemie

DLRG: Zahl der Nichtschwimmer nimmt zu

Dass das Schwimmen wegen Corona nicht stattfinden kann, wirft besonders die jungen Schwimmer aus der Bahn. Und die Wartelisten bei der DLRG und den Schwimmvereinen werden immer länger. Symbolfoto: Christian Beier
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Dass das Schwimmen wegen Corona nicht stattfinden kann, wirft besonders die jungen Schwimmer aus der Bahn. Und die Wartelisten bei der DLRG und den Schwimmvereinen werden immer länger. Symbolfoto:

Die Wartelisten bei den Schwimmvereinen werden immer länger – Trockenübungen ersetzen Training nicht.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Im vergangenen Jahr hatten die Schwimmvereine nur rund 15 Wochen im Wasser. Auch derzeit kann aufgrund des Lockdowns kein Schwimmunterricht stattfinden, und die Eltern können die freie Zeit auch nicht dafür nutzen, mit den Kindern zu üben. Somit fällt ein langer Zeitraum weg, in dem Kindern das Schwimmen lernen können. Dabei ist es wichtig, sich sicher im Element Wasser bewegen zu können.

„Es ist eine dramatische Situation“, sagt Alexander Paffrath, Bezirksleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Remscheid, mit Blick auf steigende Nichtschwimmer-Zahlen. „Im schlechtesten Fall schlägt sich das dieses Jahr in der Ertrinkungsstatistik nieder“, befürchtet Paffrath.

„Es ist eine dramatische Situation.“
Alexander Paffrath, Bezirksleiter der DLRG Remscheid

Auch im Sommer 2020, als kurzfristig der Badbetrieb wieder möglich war, seien viele nicht zu den Schwimmkursen gekommen, erklärt Paffrath. Zu groß sei die Angst und Verunsicherung vor dem Virus gewesen. Zumal ein regulärer Betrieb aufgrund von Teilnehmerbegrenzungen und Hygienemaßnahmen, die auch vom Deutschen Schwimm-Verband vorgegeben waren, gar nicht möglich war. „Regelmäßiges Schwimmen ist wichtig, und das ist nach einem Jahr für Schwimmanfänger nicht aufholbar“, erklärt der DLRG-Leiter.

Die Wartelisten werden zudem immer länger. Normalerweise beträgt die Wartezeit bereits sechs bis acht Wochen mindestens, da staut sich der Bedarf an Stunden nun immer weiter auf. „Wir haben einen riesigen Rückstau an Kindern, die schwimmen lernen müssen“, weiß Uli Kohlstedt als Sprecher der Fachschaft Schwimmen. Paffrath führt diese Entwicklung, die schon deutlich länger anhält als die Pandemie, unter anderem auf die Schließung einiger Bäder zurück. „Wir haben für alle Schwimmer heute nur noch das Sportbad am Stadtpark und das H2O in Lennep.“

In den beiden Bädern ist zudem coronabedingt nicht sehr viel Platz. Im Sportbad konnten während des Sommers nur 50 Personen gleichzeitig rein, das Bad in Lennep müssen sich die Vereine mit der Öffentlichkeit teilen. Selbst, wenn es diese Beschränkungen nicht gebe: Um einen Schwimmkurs sinnvoll durchzuführen, sollten auf zwei Trainer etwa acht bis zehn Kinder kommen, so Kohlstedt.

Betroffen sind aber nicht nur kleine Kinder, auch immer mehr Jugendliche und Erwachsene, meist mit Migrationshintergrund, können nicht sicher schwimmen. „Sicheres Schwimmen gilt ab dem Schwimmabzeichen in Bronze“, erklärt Paffrath die Definition. Alles dadrunter falle unter Wassergewöhnung oder -bewältigung.

Wie es genau weitergeht, das können sowohl Alexander Paffrath als auch Uli Kohlstedt noch nicht sagen, denn da komme es auf die dann geltenden Beschränkungen an. Die Remscheider Vereinen seien sich aber einig, dass sie zukünftig ein vereinsübergreifendes Angebot an Schwimmkursen bieten möchten. „Ich glaube aber, dass wir sowieso nicht vor den Osterferien starten können“. so der Sprecher der Fachschaft Schwimmen.

Bis dahin liegt auch das Vereinsleben brach. Die Leistungsschwimmer der SG Remscheid und die Rettungsschwimmer der DLRG würden zwar Trockenübungen und Kondition beziehungsweis theoretischen Unterricht von zu Hause aus machen, „aber irgendwann fehlt dann doch das Element Wasser“, sagt Katharina Jansen vom Sportbund. Und: Je länger der Lockdown anhält, desto mehr Menschen treten aus den Vereinen aus. „Es ist eine unbefriedigende Situation“, fasst Uli Kohlstedt die Situation rund um den Schwimmbetrieb in der Corona-Zeit zusammen. 

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Hintergrund

„Jeder sollte frühestmöglich schwimmen lernen“, sagt Alexander Paffrath von der DLRG Remscheid. Besonders, wenn sich Urlauber nun an den deutschen Meeren – an der Ost- und Nordsee – tummeln, gebe es bei mehr Nichtschwimmern auch mehr Badeunfälle.

Standpunkt

katharina.birkenbeul@b-boll.de

Ein Kommentar von Katharina Birkenbeul

Schwimmen lernen ist derzeit nicht möglich. Alle Schwimmbäder sind geschlossen und die Badewanne zu Hause bietet nicht den notwendigen Platz dafür. Dabei ist es super wichtig, dass Kinder so früh wie möglich lernen, sicher zu schwimmen. Das Problem, dass das auf immer weniger Kinder und mittlerweile auch Erwachsene zutrifft, entstand allerdings nicht in der Pandemie, sondern ist schon seit einigen Jahren virulent. Die Corona-Krise tut natürlich ihr Übriges dazu und verschärft die Situation – schwimmen müssen Kinder im Wasser lernen und nicht zu Hause auf dem trockenen Boden. Die Wartelisten werden durch den Lockdown immer länger. Und können auch nicht abgebaut werden. Dabei tun die Schwimmvereine alles, um dem Bedarf gerecht zu werden und haben sofort wieder mit den Kursen begonnen, als es im Sommer möglich war. Damit der Rückstau nicht noch größer wird und vielleicht sogar Menschen zu Schaden kommen, weil sie das Schwimmen nicht erlernen konnten, ist es notwendig, dass die Weichen für den Schwimmunterricht nach Ende des Lockdowns so schnell wie möglich und so einfach wie möglich gestellt werden. Vereinsübergreifende Angebote sind dazu zusätzlich ein guter Ansatz.

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