Diskussion zum geplanten Lieferkettengesetz

Susann Kuwan, städtische Nachhaltigkeitsbeauftragte, begrüßte die Teilnehmer der Online-Konferenz.. Archivfoto: Roland Keusch
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Susann Kuwan, städtische Nachhaltigkeitsbeauftragte, begrüßte die Teilnehmer der Online-Konferenz.. Archivfoto: Roland Keusch

Knapp 30 Teilnehmer tauschten sich online aus

Von Sven Schlickowey

Im Koalitionsvertrag steht es seit über zwei Jahren, wirklich in Sicht ist das Lieferkettengesetz bisher nicht. Seit Monaten streitet die Bundesregierung, mit dem Arbeits- und Entwicklungshilfe-Ministerium auf der einen und dem Wirtschaftsministerium auf der anderen Seite. Die Argumente für und wider werden nicht nur in Berlin ausgetauscht, sondern auch bei einer Diskussion in Remscheid, die wegen der Pandemie ins Internet verlegt wurde.

Knapp 30 Teilnehmer waren online dabei, als Mittwochabend unter anderem IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge, Peter Lange vom DGB, Vaillants Nachhaltigkeitsmanagerin Claudia Altenrath und Eva-Maria Reinwald von der Initiative Lieferkettengesetz über das Thema sprachen. Unternehmen ab 500 Mitarbeiter, so der Plan, sollen Verantwortung auch für das Verhalten ihrer Lieferanten übernehmen. Inklusive Sanktions- und Haftungsmöglichkeiten.

Gerade die Wirtschaftsverbände befürchten dadurch Nachteile, machte Michael Wenge deutlich: Die bergischen Unternehmen seien bereit, die moralische und ethische Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, so der IHK-Geschäftsführer. „Aber ein Gesetz halten wir nicht für notwendig.“ Zumal der zusätzliche Aufwand Wettbewerbsnachteile mit sich bringen könne.

Peter Lange, Vorsitzender des DGB in Remscheid, mahnte, dass das Gesetz nicht zu einem „bürokratischen Monster“ für kleine Unternehmen werden dürfte. „Natürlich ist dieses Gesetz nötig“, so Lange. Doch im Moment sei ein schwieriger Zeitpunkt. „Wichtig ist, dass wir im ersten Schritt nicht zu viel wollen.“

Dass ein Lieferkettengesetz keinesfalls nur Nachteile bringt, daran erinnerte Claudia Altenrath von Vaillant: „Wir sehen das nicht als Bedrohung.“ Eher das Gegenteil sei der Fall. „Langfristig sind die Unternehmen erfolgreicher, die sich ethisch verhalten.“

Von einem „Gesetz mit Augenmaß“ sprach Eva-Maria Reinwald. Viele Sorgen der Unternehmen seien unbegründet, zum Beispiel beim Haftungsrisiko: „Haftbar ist man nur für Schäden, die vorhersehbar und vermeidbar gewesen wären.“ Und da seien die Anforderungen für kleine Unternehmen geringer als für große. Helfen könnten ohnehin oft Kleinigkeiten, so Reinwald. So liege der rechnerische Mehrpreis für Schokolade, um damit Kinderarbeit beim Kakao-Anbau zu verhindern, bei gerade mal fünf Cent je Tafel.

Los gehe das alles mit kleinen Schritten, berichtete Claudia Altenrath über ihre Erfahrungen bei Vaillant: Wichtig sei, zu beginnen, sich zu vergegenwärtigen, dass es auch in der eigenen Lieferkette problematische Glieder geben könnte, und sich dann auf den Weg zu machen: „Niemand wird am Anfang alles richtig machen“, so Altenrath. „Aber das ist sicherlich nicht die Forderung.“

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