Zeitungstreff

In die Disco besser nur mit Watte in den Ohren

Der Chefarzt erklärt. Christian Czogalla, Viet Phan, Finn Romahn, Danny Bretsch, Kimberly Frielingsdorf und Adna Novalic lauschen gebannt. Foto: Keusch
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Der Chefarzt erklärt. Christian Czogalla, Viet Phan, Finn Romahn, Danny Bretsch, Kimberly Frielingsdorf und Adna Novalic lauschen gebannt.

Zeitungstreff-Reporter interviewen Dr. Hans-Joachim Vogel, Chefarzt der HNO-Abteilung im Sana-Klinikum.

Von Andreas Weber

Machen ebenfalls mit beim Zeitungstreff: Schülerinnen und Schüler der 8e der Sophie-Scholl-Gesamtschule.

Laubrascheln verursacht 20 Dezibel (dB), Flüstern 30 dB und die Lautstärke einer normalen Unterhaltung liegt schon bei 60 dB. Diese Vergleichswerte nannte HNO-Chefarzt Dr. Hans-Joachim Vogel im Sana-Klinikum seinen sechs jungen Zuhörern bei der Beantwortung der Frage: Sind laute Kopfhörer und laute Musik schädlich für die Gesundheit? Die kritische Grenze, so der Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, wird bei 85 Dezibel erreicht. „Wer über Jahre täglich acht Stunden lang beruflich über 85 Dezibel ausgesetzt ist, dem erkennt die Berufsgenossenschaft eine Lärmschwerhörigkeit an.“

Die Achtklässler der Sophie-Scholl-Gesamtschule (8 c) und vom Leibniz-Gymnasium (8 b) wollten als Junior-Reporter beim RGA-Zeitungstreff erfahren, ob beim Musikhören die Art des Kopfhörers eine Rolle spiele. Hans-Joachim Vogel erklärte, dass es nicht ausschlagend sei, ob man sich einen Bügelkopfhörer aufsetze oder einen Knopf ins Ohr schiebe. „Prinzipiell gilt, je näher die Schallquelle am Ohr ist, desto schädigender kann es sein. Aber am Ende hängt alles von der Lautstärke ab.“

Wer entsprechende Produkte kaufe, solle auf die den EU-Normen entsprechende CE-Kennzeichnung achten, riet der Chefarzt – und nicht zu Billigprodukten greifen, die beim Aufdrehen möglicherweise mehr als 85 dB zulassen.

Was ist schädlicher? Hören über Kopfhörer oder die Musikanlage?, fragte ein Gesamtschüler. Auch da differenzierte Vogel: „Beides hat Vor- und Nachteile.“ Der Mediziner dachte an den Hörgenuss, der mit dem Kopfhörer intensiver ausfällt, weil Töne und Frequenzen besser wahrgenommen werden, als wenn man im Raum Stereoboxen aufdreht mit störendem Umgebungsschall. Auch hier gelte: Die Lautstärke ist das entscheidende Kriterium.

Zeitungstreff in der Albert-Schweitzer-Realschule. Claudia Bulut und ihre Klasse 8c begrüßten am Montag RGA-Lokalchef Axel Richter.

Über kurze Zeit hält das menschliche Ohr problemlos mehr als die Grenzwerte aus. Vogel sprach aber von einer „Unbehaglichkeitsschwelle“, die bei über 100 dB beginne. Wer einen Abend in der Disco verbringt, muss sich im Mittel auf über 100 dB einstellen. „Ich habe mir früher immer Watte in die Ohren gesteckt. Das nimmt einige Dezibel weg“, erklärte Hans-Joachim Vogel. Wer seinen Ohren Gutes tun will, sollte sich auch bei Rockkonzerten nicht direkt an die Lautsprechertürme an der Bühne stellen. „Entfernung bietet einen gewissen Schutz.“ Den finden umsichtige Konzertgänger oder Musiker auch bei speziellen Frequenzfiltern oder dem klassischen Stöpsel, im Volksmund Ohropax genannt. „Ein Stöpsel filtert 25 bis 30 dB weg.“

„Ich habe mein Herz schlagen gehört.“
Adna Novalic und Finn Romahn

Ob sich Hörschäden kurieren lassen, lautete eine weitere Frage. „Zum Teil“, entgegnete Vogel. Bei Hörverlust helfen die HNO-Spezialisten zum Beispiel mit einer Infusionstherapie. Bei Hörstürzen, meist ist ein Ohr betroffen, liegen die Spontanheilungen bei rund 60 Prozent. Als Hörsturz wird bezeichnet, wenn die Mediziner die Ursache nicht kennen.

Mit dabei: Die 8a der Sophie-Scholl-Gesamtschule mit Lehrerin Anne Bohr-mann, Integrationshelfer Stefan Becker und Referendar Moritz Pilath.

Auch ohne Krach unterliegt das Sinnesorgan einem Abbau. „Hohe Frequenzen werden im Alter weniger wahrgenommen. Man spricht von Altersschwerhörigkeit. Sie ist ein typisches Phänomen unseres Kulturkreises“, erläuterte der Chefarzt. Eine Lösung ist ein Hilfsmittel im Ohr. Im Gegensatz zur Brille, die auch gerne allein aus modischen Gründen getragen wird, besitzt das Hörgerät keine gesellschaftliche Akzeptanz, berichtete Vogel den Jugendlichen. Zum Ende der 75-minütigen Einführung bat der Mediziner in eine Hörkabine. Einen Ort der Stille, der es gestattet, mit dem Ohr in sein Inneres zu lauschen. Adna Novalic und Finn Romahn stellten dabei nacheinander fest: „Ich habe mein Herz schlagen gehört.“

ZEITUNGSTREFF

PROJEKT Zum 25. Mal ist der RGA mit dem Zeitungstreff bei den Schulen in Remscheid zu Gast. Mehr als 800 Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen machen mit und werden selbst zu Reportern.

ZIEL Der RGA vermittelt Lese- und Medienkompetenz. Die Jugendlichen sollen lernen, Fakten von Gerüchten und Informationen von bloßen Behauptungen oder gar böswilligen Lügen zu unterscheiden.

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