Musikalisch

Diese besondere Harfe kann jeder spielen

Mit den Fingern wird gezupft: RGA-Redakteurin Melissa Wienzek (r.) testet bei Dozentin Sueli Heider die Veeh-Harfe.
+
Mit den Fingern wird gezupft: RGA-Redakteurin Melissa Wienzek (r.) testet bei Dozentin Sueli Heider die Veeh-Harfe.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Musik- und Kunstschule bietet Kurse für Kinder und Erwachsene auf der Veeh-Harfe an.

Von Melissa Wienzek

Sueli Heider schiebt die Schatzkarte hinter die Saiten. So sieht es jedenfalls für mich aus. Punkte, die mit einer Linie miteinander verbunden sind. Mal ganz ausgefüllt, mal nicht. Diese Karte erinnert mich ein bisschen an eines unserer Lieblingsspiele, das meine Schwester und ich früher gespielt haben – Sagaland. Ich bin äußerst verspielt, habe aber leider null Ahnung von Zupfinstrumenten. Perfekte Voraussetzungen also für meine erste Stunde auf der Veeh-Harfe bei Sueli Heider in der Musik- und Kunstschule (MKS) der Stadt Remscheid.

Denn um dieses besondere Instrument spielen zu können, braucht man keine Notenerfahrung. Oder Harfenkenntnisse. Und das, obwohl es sich um eine Harfe handelt. Die „Veeh“ ist jedoch anders: Das aus Ahorn- und Fichtenholz hergestellte Instrument ist handlich, praktisch, gut. „Es lässt sich sehr gut spielen – von Kindern genauso wie von Senioren. Das ist das Schöne an der Veeh-Harfe – sie bringt alle zusammen“, sagt Heider.

Juhu - nach fünf Minuten habe ich den Dreh schon raus.

Sie ist nicht nur autorisierte Veeh-Partnerin, sondern auch Fachbereichsleiterin für dieses Instrument an der MKS. Besonderes Augenmerk legt sie auf die Gruppenarbeit: Die meisten Schüler kommen hier einmal die Woche zusammen, entspannen beim Spiel der magischen Veeh-Harfe und lernen nebenbei noch etwas. „Es ist fast wie Yoga“, sagt Heider, die seit 2000 an der MKS ist und die Stücke für ihre Gruppen selbst arrangiert. Erst war sie Dozentin für Klavier, dann entdeckte sie 2010 die Veeh-Harfe und wusste sofort: „Das ist es.“ Ein Instrument, das alle Generationen verbindet, das sollte auch die Musikschule bekommen. „Da ich 22 Jahre als Pianistin bei den Bergischen Symphonikern gespielt habe, weiß ich, wie wichtig es ist, gemeinsam zu musizieren“, sagt sie. Mittlerweile hat die MKS sogar 13 Exemplare. Denn das besondere Zupfinstrument, das an die 900 Euro kostet, ist gefragt. Im November startet sogar eine Kindergruppe.

Entwickelt wurde die Veeh-Harfe in den 1980er Jahren von Landwirt Hermann Veeh aus der Akkordzither heraus. Veeh konzipierte seine Harfe und eine entsprechende Notenschrift für seinen Sohn Andreas, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde. So konnte Andreas genauso wie alle anderen auch musizieren.

„Es ist fast wie Yoga.“

Sueli Heider über das Harfenspiel

Sueli Heider stellt die Veeh-Harfe auf einen Ständer, passt ihn auf meine Körpergröße an und schiebt das Blatt unter die Saiten. Sagte ich schon, dass es 25 sind? Das sind aber viele. . . Wie soll ich das bloß schaffen? Und das alles nur mit meinen Fingern? Ich bin erst mal etwas skeptisch, ob hier am Ende tatsächlich „Abend wird es wieder“ von Johann Christian Heinrich Rinck erklingt oder nur gezupftes Kauderwelsch, stecke aber voller Tatendrang.

Und werde schnell belohnt – was ebenfalls typisch für die Veeh-Harfe ist. Nachdem mir Sueli Heider die Notationspunkte zum Zupfen erklärt und das Lied einmal vorgespielt hat, mache ich es nach – und bereits der erste Anlauf klappt. Das Erfolgserlebnis möchte ich direkt noch mal. Es klingt einfach zauberhaft. „Sie haben mit den Fingernägeln gespielt“, bemerkt die Dozentin. Ups, darf ich das nicht? „Dadurch wird der Klang schärfer. Versuchen Sie mal, nur mit den Fingerkuppen zu spielen. Dann wird der Ton weicher.“ Tatsächlich. Jetzt will sie mich herausfordern: Ich soll zweihändig spielen. „Oh Gott“, entfährt es mir, Sueli Heider lacht. Das kennt sie schon. Sie zeigt es einmal, ich mache es nach – und es klappt. Okay, zweimal muss ich neu ansetzen. Aber: Ich kann Veeh-Harfe spielen. Und das nach nur fünf Minuten.

Und das kann jeder. Sogar Senioren. Bei der Stockder Stiftung leitete Sueli Heider eine Gruppe mit Über-90-Jährigen. „Sie spielten die Veeh-Harfe einfach auf dem Schoß.“ Positiver Nebeneffekt: Die Harfe schult nicht nur Motorik, sondern auch Gehör und Rhythmusgefühl. Und verleiht vor allem eins: Selbstvertrauen.

Selbst erleben

Die Gruppen: Anfänger – Jugendliche wie Erwachsene – treffen sich mittwochs um 17.30 Uhr in der MKS. Danach, ab 18.15 Uhr, sind die Fortgeschrittenen dran. In Lennep gibt es donnerstags um 17.30 Uhr eine Fortgeschrittenen-Gruppe. Neu: Es startet eine Gruppe für Kinder ab Grundschulalter: dienstags, 14.45 Uhr, in der MKS Scharffstraße.

Anmeldung: bei Dozentin Sueli Heider, Fachbereichsleiterin bei der MKS, Tel. (01 79) 2 92 64 47 oder E-Mail: klavierunterricht-online@ web.de

Nacht der Kultur: Die Veeh-Harfen-Gruppe „Suave“ tritt am Samstag bei der Kulturnacht um 19.45 Uhr im Ausleihsaal der Zentralbibliothek auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
A1 bei Remscheid nach Unfall wieder frei
A1 bei Remscheid nach Unfall wieder frei
A1 bei Remscheid nach Unfall wieder frei
Gelbe Tonnen sollen Säcke ersetzen
Gelbe Tonnen sollen Säcke ersetzen
Gelbe Tonnen sollen Säcke ersetzen
Drogerie und Markt beim Aldi im Südbezirk: „Weg wird steinig“
Drogerie und Markt beim Aldi im Südbezirk: „Weg wird steinig“
Drogerie und Markt beim Aldi im Südbezirk: „Weg wird steinig“

Kommentare