Zügige Abwicklung

Nur Dienstleister dürfen in Remscheid Autos zulassen

Der Wartebereich im Ämterhaus bleibt derzeit leer. Foto: Roland Keusch
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Der Wartebereich im Ämterhaus bleibt derzeit leer.

Bürger können nicht selbst ins Ämterhaus – Aus gutem Grund, sagt der Ordnungsamtschef.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Mittlerweile hat die Remscheiderin, die sich am Redaktionstelefon „Dranbleiben“ meldete, ihr neu gekauftes Auto angemeldet. Doch sie ärgert sich: Weil sie in Corona-Zeiten ihr Fahrzeug nicht persönlich im Ämterhaus am Ebert-Platz zulassen darf, musste sie einen Dienstleister beauftragen. In dem Fall einen Schildermacher, der ihr nicht sagen konnte, wie schnell sie ihre RS-Kennzeichen in den Händen halten würde. Schließlich könne immer mal jemand erkranken. „Der Service kostet mich nun 30 Euro extra. Ist das normal?“, fragt die RGA-Leserin. Die Situation im Ämterhaus empfinde sie nur noch als Ärgernis.

Jürgen Beckmann, Leiter des Ordnungsamtes, findet die Empörung ungerechtfertigt. „Ich bin persönlich enttäuscht, dass man das Verfahren nicht als eine tolle Leistung empfindet.“ Denn während die Zulassungsstelle im Frühjahr 2019 noch eine Vorlaufzeit von zwei oder mehr Wochen mit Termin hatte, könne die Zulassung heute von einem auf den anderen Tag abgewickelt werden. „Natürlich gibt es einzelne Fälle, bei denen das nicht klappt, weil Unterlagen fehlen. Aber im Allgemeinen funktioniert es.“

„Die Zulassungsdienste haben alle einen festen Zeitblock.“
Jürgen Beckmann, Leiter des Ordnungsamtes

Die Stadt Remscheid habe aus der Not eine Tugend gemacht, sagt Beckmann. Seit Beginn der Corona-Krise im März dürfen Privatpersonen ihr Auto nicht mehr selbst im Ämterhaus anmelden. Stattdessen übernehmen das die Autohäuser, der Tüv oder die Schildermacher.

Das System habe sich bewährt. „Die Zulassungsdienste haben alle einen festen Zeitblock. Jeder von ihnen gibt einmal täglich an der Eingangstür sein Täschchen ab und holt es am nächsten Tag wieder ab.“ Nur so könne sichergestellt werden, dass bei 100 Zulassungen am Tag kein großer Publikumsverkehr herrsche. Und das aus einem guten Grund: Infiziere sich auch nur einer der 24 Mitarbeiter aus dem Bürgerservice, habe das fatale Folgen.

Daher wurde das Arbeitsteam bereits geteilt. Jedes hat eine eigene Küche und eigene Sanitärräume. Diejenigen Sachbearbeiter, die sich um die Kfz-Zulassungen kümmern, sind beispielsweise in einen hinteren Bereich des Gebäudes gezogen. Diejenigen, die sich um das Ausweiswesen kümmern, sitzen vorn. Denn einen Komplettausfall könne sich die Stadt nicht leisten. „Dann gibt es keine Rückfallebene mehr“, betont Beckmann. Denn der Bürgerservice könne nicht „mal eben“ Aushilfen einstellen. „Wir arbeiten unter anderem mit der Bundesdruckerei zusammen, die Mitarbeiter müssen alle eigene Zugangsberechtigungen haben, das ist nicht so einfach.“ Trotz der Pandemie könne der Bürgerservice weiterhin seinen Aufgaben nachkommen.

Nach der Krise sollen Bürger ihr Auto übrigens wieder selbst zulassen können. Aber dann auch wieder mit der bekannten Begleiterscheinung: Wartezeit. 

Standpunkt: Das System macht Sinn

Von Melissa Wienzek

In Zeiten von angeordneten Kontaktbeschränkungen und einem unsichtbaren Virus ist der Schritt der Stadt nur nachvollziehbar. Seit März dürfen Bürger nur noch in Ausnahmefällen das Ämterhaus am Friedrich-Ebert-Platz betreten.

melissa.wienzek @rga-online.de

Für die Zulassungsstelle gilt das nicht. Wer sein Auto an- oder ummelden will, muss dies über einen Dienstleister abwickeln. Im Zuge der Infektionsvermeidung macht das Sinn. So werden aus 100 Kontakten am Tag fünf. Denn die Zulassungsdienste geben einmal am Tag dort die Unterlagen der Kunden ab und holen sie am nächsten Tag wieder ab. 

Die Sicherheit der Mitarbeiter geht vor. Das ist auch richtig so. Schließlich soll der Bürgerservice auch weiterhin seine Aufgaben wie Melde- und Zulassungswesen ausführen können. Das dürfen die Remscheider auch erwarten. Aber das geht nur, wenn auch genügend gesunde Mitarbeiter da sind, die den Betrieb aufrechterhalten können. Vorteil: Durch die Zulassung der Dienstleister gelingt nun eine zügige Abwicklung, die es vor Corona nicht gab. Dass sie dafür aber 30 Euro kassieren, hat in der aktuellen Notlage einen unschönen Beigeschmack.

Zehn neue Hybridbusse der Remscheider Verkehrsbetriebe sind ab Ende November in der Stadt unterwegs. Verspricht die Drei-Millionen-Euro-Investition Entspannung für den Schülerverkehr in Corona-Zeiten?

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