Sommerferien

Zeugnis: Soll ich mein Kind mit Geld belohnen?

Zeugnis in Solingen Symbolbild
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Es ist wieder Zeugnis-Zeit auch in Remscheid. Was Eltern tun sollten und wie Belohnungen aussehen sollten.

Für jede Eins fünf Euro? Und was tun, wenn das Kind ein schlechtes Zeugnis bekommen hat? Tipps vom Psychologen für Eltern, Großeltern, Paten.

Von André Kleist

Remscheid. Die einen freuen sich, weil Oma für jede Eins fünf Euro zahlt – andere fürchten den Moment: Vor den Sommerferien steht die Zeugnisvergabe an. In vielen Familien stellt sich die Frage: Wie richtig umgehen mit dem Zeugnis? Sollte es Geld für gute Noten geben? Und wie reagiere ich richtig, auch falls es mal nicht so gut gelaufen ist?

Dr. Andreas Schulz ist Schulpsychologe in der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid. Sein wichtigster Rat: Es kommt nicht darauf an, ob ein Kind eine Zwei oder sogar eine Eins in einem Fach erreicht hat. Sondern welche Entwicklung es genommen hat. Das heißt, dass eben auch eine Verbesserung der Note von fünf auf vier lobenswert und ein Grund zur Freude in der Familie ist.

Und: Eltern sollten sich nicht überraschen lassen. „Beschäftigen Sie sich nicht erst zum Zeugnis mit den schulischen Leistungen Ihres Kindes!“ Durch Klassenarbeiten und Gespräche wissen die Schülerinnen und Schüler meist schon früh im Halbjahr, wie sich ihre Leistungen entwickeln. Deshalb ist nicht erst das Zeugnis der richtige Zeitpunkt, um sich mit den schulischen Leistungen seines Kindes zu beschäftigen. Es sei wichtig, „im ganzen Schuljahr mit dem Kind im Kontakt zu sein“, rät Dr. Schulz. Im besten Fall fragen Eltern immer wieder nach, wie es in der Schule läuft, halten Klassenarbeiten und Tests im Blick und pflegen Kontakt mit den Lehrern.

Dabei solle im besten Falle darüber gesprochen werden, wie es in der Schule läuft, die Leistungsüberprüfungen im Schuljahr im Blick gehalten und der Kontakt mit den Lehrern aufrecht gehalten werden.

Fünf Euro für jede Eins von der Oma. Ist das die richtige Belohnung für gute Noten?

Der Klassiker: Ein Kind bekommt fünf Euro für eine gute Note von der Oma. Ist das der richtige Weg? Natürlich ist Geld als Belohnung das schön und gut. „Eine gute Belohnung fördert im besten Fall die Beziehung zwischen Eltern und Kindern“, sagt  Dr. Andreas Schulz und stellt die Frage, ob es denn immer Geld sein müsse. Die Form der Belohnung sei wichtig und müsste natürlich auch dem Alter der Kinder angepasst werden.

Mit jüngeren Kindern kann zum Beispiel die ganze Familie gemeinsam etwas unternehmen, was den Kindern Spaß macht. Bei Jugendlichen können es auch Aktivitäten sein, bei denen die Familie nicht dabei ist. Das Wichtigste ist, dass das Kind sich freut und wertgeschätzt fühlt.
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Und was, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist?

Natürlich bringen Kinder auch mal schwächere Noten mit nach Hause. „Auf keinen Fall Vorwürfe machen, das baut Fronten auf“, sagt Dr. Andreas Schulz dazu. Es sei wichtig das Gespräch mit dem Kind zu suchen. Woran liegt es und welche potenziellen Defizite können aufgearbeitet werden? Das sind Fragen, mit denen sich Kinder und Eltern beschäftigen sollten. Eventuell wären auch Nachhilfe oder unterstützende Materialien sinnvoll.

Sitzenbleiber – wie reagiere ich richtig auf eine Ehrenrunde?

Insgesamt gibt es in NRW aktuell rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Zuletzt lag die Quote der Sitzenbleiber bei etwa 1% in Nordrhein-Westfalen (Schuljahr 2021/22), hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Rund 25.000 Kinder und Jugendliche also, die nicht versetzt werden. Wie geht man damit um?

 „Eine Klasse zu wiederholen sollte als Chance gesehen werden, um die fachlichen Dinge besser zu verstehen“, erklärt Dr. Schulz. Es komme in erster Linie darauf an, dass sich das Kind auf sozialer Ebene gut in das neue Klassengefüge integriert. Der Leistungsgedanke solle in den Hintergrund rücken.

Jetzt aber erstmal: Sommerferien - abschalten!

Zusätzlich sei es wichtig die Sommerferien als das zu sehen was sie sind - eine Pause von der Schule. Das gelte besonders auch für diejenigen, die eine Ehrenrunde drehen. Das Kind sollte die Ferien zur Entspannung nutzen und vom schulischen Alltag abschalten. Erst kurz vor dem Start des neuen Schuljahres sei es bedeutend ein Gespräch mit dem eigenen Kind zu suchen und zu beobachten, ob das Kind sich in den ersten Tagen in der neuen Klasse wohlfühlt.

Allgemein rät Dr. Schulz während des gesamten Schuljahres „im Austausch mit dem Kind zu bleiben, Elternsprechtage zu nutzen und mit den Lehrern in Kontakt bleiben.“ Wichtig sei auch, dem Kind altersabhängig immer mehr in Eigenverantwortung zu nehmen und zu zeigen: Es geht nicht um den Schulabschluss deiner Mutter oder Vater, sondern um deinen eigenen.

Vielleicht als Beruhigung für alle Eltern: Schule ist zwar wichtig, aber nicht alles. Das sagt auch der Schulpsychologe: „Schulleistung ist ein Aspekt - wichtig sind aber auch die sozialen Kompetenzen. Ud diese drücken sich meist nicht im Zeugnis aus.“

Wo finden Schüler und Eltern Hilfe?

Die Resonanz auf das Zeugnistelefon der Stadt Remscheid war in den vergangenen Jahren gering. Wer Rat sucht, kann sich an die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid wenden. Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren können dort auch eigenständig Termine vereinbaren. Mehr Infos hier.

Hintergrund: Schulabschlüsse in Remscheid

Am Ende des Schuljahres 2020/21 verließen in Nordrhein-Westfalen 179.350 Schüler die allgemeinbildenden Schulen - allein in Remscheid waren es 1280. Wie sie sich verteilen, zeigt die Tabelle der Schulabgänger (Quelle: IT.NRW):

AbschlussAnzahl
ganz ohne Abschluss25
Abschlusszeugnis Förderschule ohne Hauptschulabschluss45
Hauptschulabschluss205
mit Fachoberschulreife (mittlerer Bildungsabschluss)460
mit Fachhochschulreife (schulischer Teil)40
Abitur505

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